6. Sonntag im Lesekreis A

In Predigten von Pressestellekommentieren

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben,

wir sind in der Osterzeit und gehen mit großen Schritten auf Pfingsten zu. Daher sind die Texte, die uns die Kirche heute vorlegt, schon jetzt intensiv mit der Thematik des Heiligen Geistes befasst. Wir hören in der Apostelgeschichte, wie Petrus und Johannes nach Samarien ziehen, wie sie für die Menschen beten und ihnen dann die Hände auflegen. Und zuletzt heißt es: „Und sie empfingen den Heiligen Geist.“ Das lesen wir öfters mal in der Bibel, vor allem auch in der Apostelgeschichte, dass Menschen zuerst noch nicht und dann schon den Heiligen Geist empfangen hatten. Und wenn man sich fragt: Woran merkt man das eigentlich? Dann schien die Antwort für die Autoren der Heiligen Schrift noch nicht das große Problem zu sein. Einmal heißt es etwa, die neuen Geistempfänger redeten in Zungen und sprachen Prophezeiungen aus oder es heißt, sie priesen Gott und sie glaubten an die Vergebung der Sünden durch Jesus. Offenbar gab es in der Alten Kirche einen relativ klar erkennbaren Schritt von vorher und nachher, von vor dem Geistempfang und nach dem Geistempfang, von altem und neuem Glauben. Liebe Schwestern und Brüder, das ist in unserer Zeit nicht mehr so einfach, wie es in der Alten Kirche nach dem Zeugnis der Bibel zumindest auf den ersten Blick zu sein scheint. Zu sehr leben wir heute in einer Kultur, die schon von ihren Wurzeln her christlich durchdrungen ist, in der Christentum auf Schritt und Tritt begegnet. Wir im Bistum Passau, das durfte ich über diese schöne Diözese lernen, haben prozentual noch den höchsten Katholikenanteil in der Bevölkerung von allen deutschen Diözesen. Und obwohl wir vielleicht in den letzten Jahrzehnten feststellen, dass auch bei uns vieles, was früher für das gläubige Leben selbstverständlich war, verloren geht, so ist doch immer noch ein gesunder volkskirchlicher Boden da. Irgendwie gehört der Glaube, gehört die Kirche noch selbstverständlich dazu. Und das ist sehr gut, Schwestern und Brüder. Denn selbst dort, wo man meint, das ist alles eher oberflächlich und eher Brauchtum geworden und nicht mehr echter Glaube, selbst dort kann das Evangelium immer noch wie ein Sauerteig wirken und da und dort seinen Weg ins Herz der Menschen finden. Aber nun, wo eben so eine Art Bodensatz von Gläubigkeit noch da ist, da ist es anderseits überhaupt nicht leicht, festzustellen, ob ein Mensch wirklich aus dem Heiligen Geist lebt oder nicht. Denn empfangen haben ihn in der Taufe und in der Firmung ja die allermeisten von uns. Aber lassen sie auch zu, dass er in ihnen wirkt? Ist er spürbar oder nicht? Ich kann ja bei keinem getauften Christen so einfach sagen: Du hast den Heiligen Geist nicht empfangen. Und andererseits kann ich aber auch nicht einfach sagen: Dieser Mensch lebt bestimmt schon aus dem Heiligen Geist, weil er ihn ja in Taufe und Firmung empfangen hat. Verstehen Sie, die Unterschiede scheinen irgendwie fließend, nicht deutlich bestimmbar. Und damit wird das Ganze natürlich auch gefährlich. Denn dann denken wir schnell:

„Wenn irgendwie alle getauft und also Geistträger sind, richten wir uns halt mal nach dem, was alle so machen und dann sind wir schon dabei, bei denen, die sich Christen nennen.“ Sie spüren, Schwestern und Brüder, das kann es auch nicht sein. Das würde die Herausforderung des Evangeliums einebnen auf ein Niveau eines breiten, aber harmlosen Durchschnitts. Wenn Christentum nur mehr Teil der Kultur ist, aber eben nicht auch durch tiefe, persönliche Entscheidungen getragen wird, dann wird der Glaube banal und letztlich auch schal, dann ist er weder fruchtbar, es gibt kein Wachstum mehr, noch ist er für irgendwen noch Herausforderung. In dieser Problematik stehen wir also heute.

Und jetzt lesen wir noch einmal ins Evangelium von heute hinein. Wir sind im Abschnitt der so genannten Abschiedsreden, in Kapitel 14. Jesus spricht von seinem Fortgehen und er spricht davon, dass wir ihn lieben sollen, denn wenn wir ihn lieben, dann wird er uns den Beistand senden, den Geist der Wahrheit – der wird immer bleiben, er wird nicht mehr fortgehen. Und er wird in uns so wirken, dass Jesus und der Vater bei uns Wohnung nehmen können. Liebe Schwestern und Brüder, wir sind vielleicht allzu sehr schon an solch religiöse Sprache gewohnt, aber ich möchte Sie einladen, sich noch einmal wirklich vor Augen und vors Herz zu legen, was da gesagt ist: Gott selber, in Gestalt des Vaters und des Sohnes, wird in Dir und mir wohnen. Sie sind da, Jesus sagt er ist da, vermittelt durch den Heiligen Geist in uns. Aber: Ist er automatisch da? Nein, eben nicht automatisch. Er ist da, wenn wir ihn lieben, sagt er, wenn wir uns nach Wahrheit sehnen, nach Echtheit, nach Tiefe. Wenn wir ahnen, dass uns das auch etwas kosten wird, weil wir seine Gebote halten wollen und nicht einfach nur das tun, was uns gerade passt. Aber wenn wir darum ringen, dann wird er mit uns gehen, dann wird er uns tiefer machen, reifen lassen. Dann werden wir wachsen mit ihm. Und dann werden die Menschen spüren an dem wie wir reden, wie wir handeln und vor allem, wie wir von Christus sprechen, ob wir wirklich aus dem Heiligen Geist reden. Der Heilige Geist, liebe Schwestern und Brüder, ist keiner der zwingt. Er ist die Gabe Gottes für alle, die ihn suchen. Und er liebt die freie Antwort des Menschen, das freie Mittun. Aber wenn wir damit anfangen, dann ist er wirklich so etwas wie ein Trainer. Dann fängt er an, uns beizubringen, dass nicht nur ein tiefer, aber hinterer Winkel unserer Seele von ihm bewohnt sein will. Dort wohnt er ja schon spätestens seit unserer Taufe wahrhaft und wirklich. Aber er will auch in all unseren Gedanken, in unseren Gefühlen, in unseren Handlungen mit wohnen, er will unser ganzes Leben einnehmen. Und das ist ein Prozess, ein Weg, der Übung braucht, der Beziehungspflege braucht. Ein weltliches Beispiel dazu: Es kann sein, dass Sie von einem Schriftsteller fasziniert werden. Sie lesen einmal einen kurzen Text von ihm und denken: Wirklich schön, ich sollte mir ein Buch kaufen. Mit diesem ersten Text hat der Schriftsteller irgendwie angefangen, in ihnen wirksam zu werden. Er ist jetzt da, Sie haben schon mal was von ihm aufgenommen. Aber Sie könnten ihn auch wieder vergessen, oder im Trubel des Alltags eben von allem anderen eingenommen sein. Aber nun nehmen wir an, Sie entscheiden sich tatsächlich, einen Roman des Autors zu kaufen und lassen sich jetzt erst recht von ihm faszinieren. Dann wird wenigstens in der Phase, in der Sie das Buch lesen, ganz viel von Ihrer Gedankenwelt, vielleicht auch von Ihrer Gefühlswelt von diesem Autor oder dem, was er schreibt, mitbestimmt sein. Und nun weiter: Vielleicht ist der Schriftsteller sogar ein echter Philosoph mit einer eigenen Weltanschauung, einer, der Ihnen hilft, die Welt neu und tiefer zu sehen, einer der Ihnen deshalb auch hilft, anders zu handeln. Sie lesen mehr und mehr und Sie merken mehr und mehr, wie allmählich Ihr weiteres Leben erfüllt wird vom Einfluss dieses Denkens, dieser Literatur, dieser Philosophie. Sie sind irgendwann ein echter Jünger, eine echte Jüngerin dieses Autors geworden, mehr jedenfalls als ein bloßer Kenner. Liebe Schwestern und Brüder, Sie sehen vielleicht die Parallele: Der heilige Geist ist aber viel mehr noch als in meinem Beispiel die lebendige Kraft in Ihnen, die Ihnen sagt: Komm ins Gebet, rede mit Gott. Sie ist der Antrieb, der Ihnen Geschmack macht und Sie einlädt: Lies doch mal wieder die Schrift, geh in den Gottesdienst. Er ist dann auch derjenige, der Ihnen hilft, die Welt und die Menschen mit neuen Augen zu sehen: Das Gute und Schöne neu zu entdecken, er weckt in Ihnen die Sehnsucht nach Wahrheit. Und wenn ich das nun alles sage, dann merken wir, dann merke ich auch: Das klingt sehr gut und schön. Aber es gibt in mir ehrlich gesagt auch die Seite, die gar keine Lust auf so was hat, die sich weigert zu beten oder gar die Bibel zu lesen. Die keine Lust hat auf Gottesdienst und schon gar nicht darauf, meinen Nachbarn, den ich doch eigentlich für ein Rindvieh halte, auch mal was Gutes zu tun. Wenn wir aber dieser Seite in uns die Oberhand lassen, dann bleibt es vermutlich dabei, dass wir nie über das Stadium hinauskommen, wo wir mal einen schönen Text der Bibel na ja, ganz nett gefunden haben. Aber dann eben gleich wieder unseren eigenen Kram machen. Aber, liebe Schwestern und Brüder, ich sage Ihnen ehrlich, nicht weil ich es erfunden hätte, sondern weil das das Evangelium ist: Der Heilige Geist will als unser Trainer, dass wir unserem Namen alle Ehre machen. Wir heißen wie Christus, wir heißen Christen und er will wirkliche Christen aus uns machen – Menschen, denen man ansieht, dass sie wirklich den Geist Christi empfangen haben und aus ihm leben. Und die dann auch, wie es in der zweiten Lesung gesagt wurde, jedem Rechenschaft geben können für unsren Glauben. Wir können schon heute damit anfangen ins Trainingslager des Heiligen Geistes zu gehen, jetzt gleich zum Beispiel, wenn wir dem Herrn in der Eucharistie unser Herz öffnen und Ihn wirklich wieder von neuem bei uns wohnen lassen wollen. Amen.

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