Diakonweihe von Frater Ambrosius in Niederalteich

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Lieber Frater Ambrosius, liebe Schwestern und Brüder im Glauben,

die erste Lesung (Gen 12:1-4), die Sie gehört haben, ist die Lesung für den Mönch, für den jungen Mann, Christian Obermeier, der vor Jahren aus dem fränkischen Vaterland ausgezogen ist, um einer Verheißung zu trauen, um das Land zu suchen, das der Herr ihm zeigen werde. Nach mehreren Wegen, auch manchem Umweg, sind Sie, Herr Obermeier, inzwischen Frater Ambrosius, hier im Kloster Niederaltaich angekommen. Unter anderem deshalb, weil sie eine besondere Liebe zur Liturgie und theologischen Tradition der Ostkirche verbindet. Der neue Name von Christian zu Ambrosius markiert diesen Wandel: Auch wenn Sie tief mit Ihrer Herkunftsfamilie verbunden bleiben, sind Sie doch in die neue Familie des Ordens und damit auch der gesamten Christenheit hineingewachsen, im neuen Land, das der Herr Ihnen gezeigt hat. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass das für die Herkunftsfamilie sicher nicht immer ein leichter Schritt ist. Ich weiß aber auch, dass er gegenseitig sehr befruchtend sein kann, wenn Sie sich in bleibender Verbundenheit immer noch aufeinander einlassen, besonders immer wieder auf das Neue, das passiert. Und liebe Familie von Frater Ambrosius: Ich war erstaunt, was Ihr lieber Sohn, Ihr Familienmitglied, Ihr Verwandter alles weiß und kann; von der Musik, über die Sprachen, besonders auch die alten Sprachen, bis hin zu den tiefen theologischen Einsichten. Ich bin sicher, durch seinen neuen Weg, hat er Ihnen viel zu geben. Aber, lieber Frater, lassen Sie sich Ihrerseits immer wieder auch von dem beschenken, was Ihre Familie an konkreter Lebenserfahrung weiterzugeben hat.

Die zweite Lesung (Phil 4:4-9) erzählt etwas von dem Grund, warum da einer seine Heimat verlässt: Freude und Friede. Paulus weiß um eine Freude und einen Frieden, den die innere Verbindung mit dem Herrn schenkt. Menschen, die sich wie Sie, lieber Frater, entschieden haben, ganz auf Christus zu bauen, die werden zunächst einmal angezogen von einer Sehnsucht, die nicht stillbar ist in dieser Welt und Zeit, von nichts jedenfalls, was sichtbar, was anfassbar wäre, von nichts auch, was man sich selbst ausdenken könnte. Es ist die innere Ahnung, das Gezogen-sein hinein in eine Beziehung zu Christus selbst. Unser Glaube und unsere ganze Tradition lehren uns, dass hier tatsächlich ein Friede zu finden ist, den nur er selbst geben kann und gibt. Das Einüben des vertrauten Umgangs mit Christus, mit seinem Wort, die Begegnung mit ihm im Sakrament, die Hingabe an ihn und die Menschen, die er uns zuführt, führen immer mehr in die echte Erfahrung eines Getragenseins, das Freude schenkt und Frieden.

Ich habe kürzlich einen Filmbeitrag gesehen, bei dem die Verwandten von den jungen Männern zu Wort kamen, die jüngst von den ISIS-Terroristen geköpft worden waren. Es waren ägyptische, koptische Christen. Und ich habe von Müttern, leiblichen Geschwistern und Glaubensgeschwistern unglaubliche Zeugnisse der Versöhnung, der Verzeihung gehört. Diese Menschen waren sicher voll Trauer und Schmerz, aber sie bekannten sich zu Christus, sie priesen den Herrn, der ihre verstorbenen Verwandten als Märtyrer zu sich geholt hatte. Sie hatten das Herz voll Vergebung für die Mörder und haben darum gebetet, dass sich der Hass der Mörder in den Frieden Christi verwandeln möge. So ein Zeugnis, Schwestern und Brüder, kann man nur geben, wenn man wirklich aus der inneren Verbundenheit mit dem Herrn lebt. Aus rein menschlichen Bemühungen ist das nicht möglich.

Ich sage das deshalb so deutlich, weil wir uns in einer glaubensloser werdenden Welt immer schwerer tun, diese Realität der Christus-Beziehung, die es tatsächlich gibt, auch wahrzunehmen und hineinzufinden. Und so danke ich Ihnen, Frater Ambrosius, dass Sie diesen Weg in die kontemplative Nachfolge des Herrn, den Ihr Ordensvater, der heilige Benedikt, so gut erschlossen hat, angetreten sind. Sie schenken der Welt damit ein Zeugnis dafür, dass der Herr lebt und uns Freude in Fülle schenken will.

Das Evangelium (Joh 17:20-26) schließlich verweist nun auf Ihr neues Amt als Diakon, zu dem ich Sie im Auftrag des Herrn und seiner Kirche heute weihen darf. Jesus spricht zunächst von der Einheit zwischen sich und seinem Vater. Der Vater hat ihn schon geliebt vor der Erschaffung der Welt. Die Liebe des Vaters ist in Ihm. Aber nun sagt er etwas Ungeheuerliches dazu: Jesus sagt, er habe den Jüngern den Vater bekannt gemacht, damit die Liebe, mit der der Vater den Sohn liebt, auch in den Jüngern sei – und damit er, Jesus, in den Jüngern sei.

Liebe Schwestern und Brüder, im Glauben. Wir sagen manchmal, wir haben jemanden ins Herz geschlossen. Das heißt, ein Mensch hat in unserem Seelenleben Raum bekommen. Es besteht mit dieser Person nicht nur äußerer Kontakt, sondern Verbundenheit von Herz zu Herz. Jemand hat Platz in meinem Herzen. Und dadurch löst er natürlich auch viel mehr in mir aus, als jemand, den ich nicht oder kaum kenne. Wenn es dem schlecht geht, den ich ins Herz geschlossen habe, dann wirkt sich das auch auf mein Herz aus. Und umgekehrt: Wenn er Freude hat, dann habe ich Teil an seiner Freude. Und nun sagt Christus also: Dieselbe Liebe, die zwischen Sohn und Vater im Himmel herrscht, diese Liebe, soll in uns leben, mehr noch, er selbst, Christus selbst, will in uns leben. Er will, das wir ihn ins Herz schließen, damit wir aus dieser Liebe leben können.

Lieber Frater Ambrosius. Das ist ein hoher Anspruch für einen Diakon. Ein Diakon ist nämlich ein Diener der Liebe und der Freude, die aus Jesus kommt. Er ist einer, der die Liebe, die Jesus in sich hat, unentgeltlich weiter schenken soll. Und die Weihe, die Sie empfangen, ist gewissermaßen der Garant dafür, dass Sie das dann auch können. Der Herr verbindet sich mit Ihnen in einer unauslöschlichen Weise. An Ihnen ist es dann, diese Beziehung zu vertiefen, lebendig zu halten und immer mehr in die Treue zu Christus hineinzuwachsen. Dabei ist es nicht zuerst nötig, sich wahnsinnig anzustrengen, es ist vielmehr schlicht nötig, bei Christus zu bleiben. Und das ist wiederum analog zu menschlichen Beziehungserfahrungen.

Wir alle, Schwestern und Brüder, kennen vermutlich die Erfahrung, dass uns ein anderer Mensch richtig gern hat. Wenn wir uns fragen, womit wir das verdient haben, dann ist die Antwort: „Das hast du gar nicht verdient. Das wird dir einfach geschenkt, einfach aus Liebe. Weil der innere Sinn der Liebe ist, dass sie einfach ist, was sie ist. Gratis gegeben, für dich“. Aber wenn dann aus diesem Geschenk wirklich eine vertrauensvolle Beziehung wächst, dann können wir unsererseits etwas tun, dass sie wächst, dass sie sich vertieft und reift. Und so ähnlich ist es mit Christus. Sie können nichts dafür, Frater Ambrosius, dass er sie liebt und uns alle. Wir sind einfach Beschenkte. Aber wir können unseren Beitrag dazu leisten, dass sich diese Beziehung vertieft, dass sie wächst und reift und immer mehr in die Erfahrung führt: Ich kann tatsächlich auch den anderen Menschen umsonst lieben, einfach weil der Herr in mir lebt und gegenwärtig ist.

Die Liebe Christi drängt uns, sagt Paulus. Ich wünsche Ihnen von Herzen, Frater Ambrosius, dass Ihr Dienst als Diakon von der Liebe des Herrn durchwaltet ist. Sei es, dass Sie in der Liturgie das Wort Gottes verkündigen, sei es dass Sie die Feier der Sakramente vollziehen oder dabei assistieren, sei es, dass Sie im Dienst an den Menschen in und außerhalb der Klostergemeinschaft sich als demütiger Zeuge Ihres Herrn erweisen. Ich freue mich, dass Sie bereit sind, dieses Amt zu übernehmen und darf Ihnen zusichern, dass Ihre Brüder und wir alle hier dafür beten, dass der Herrn den Weg vollenden möge, den er in Ihrer Taufe und auf Ihrem Berufungsweg mit Ihnen schon gegangen ist. Amen.

Bild: W. Friedenberger

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