Die Beichte – und die Freundschaft mit dem Herrn. Das eine Notwendige XIII

In Glauben erklärt, Video von Bischof Stefan Oster SDB5 Kommentare

Das Sakrament der Beichte ist aus dem gläubigen Leben vieler Menschen fast verschwunden. Weil es dabei aber um den Kern des Evangeliums geht ist das geistlich gesehen desaströs. Daher: Eine Ermutigung zur Beichte.

Kommentare

  1. Andrea Johanna Lang

    Lieber Herr Bischof, ich danke Ihnen sehr für Ihre liebevolle Einladung und nachvollziehbaren Erklärung des Werts der Beichte.
    Dennoch habe ich eine Frage:
    Wenn man sich in regelmäßiger Anbetung dem Herrn öffnet, weil man wirklich will – und IHN wirken lässt, geschieht – wie Sie ja wissen, verkünden und viele schon erfahren durften – tatsächliche Wandlung.
    Ist diese Wandlung nicht auch bereits Versöhnung mit IHM, (abgesehen davon, was Anbetung an Versöhnung in unserem Leben bewirken kann)? Was bringt das Sakrament der Beichte an ‚Mehrwert‘? Ist es der befreiende Akt der Lossprechung, der die Versöhnung bewusster macht? Ist es die Unterstützung in der Gewissenserforschung, falls man selbst nicht wirklich gerne in sich und sein Verhalten, Fühlen und Denken schauen möchte oder kann? Ist es der vielleicht doch manchmal etwas unangeneme Weg des Bekennens vor jemanden, der Kraft seiner Weihe im Auftrag Jesu lossprechen darf – die Überwindung als minimale Gegenleistung dafür, dass sich Jesus für unsere Erlösung ganz hingegeben hat? Oder/Und liegt der ‚Mehrwert‘ in der auferlegten Reue, um einen positiven Ausgleich für ein fehlgeleitetes Verhalten zu schaffen?
    Die erlebbare Erfahrung von Wandlung durch den Herrn in regelmäßiger Anbetung könnte einen durchaus denken und fühlen lassen, dass alle vorhin genannten Punkte auch durch Jesus, quasi vor Ort, möglich seien? Worin unterscheidet sich diese erlebbare Wandlung von der Versöhnung in der Beichte?
    Ich komm zwar nicht aus Deutschland und zähl damit auch nicht zu Ihren Schützlingen, aber Ihre Gaben des Menschenfischens hält sich erfreulicherweise nicht an Grenzen. Falls Sie Zeit für eine Antwort finden, danke ich Ihnen daher sehr.

    1. Autor
      Bischof Stefan Oster SDB

      Liebe Frau Lang,
      danke für Ihre Zeilen. Nur kurz: Natürlich kann man im Gebet, in der Anbetung und mehr noch in der Hl. Messe die befreiende und sündenvergebende Gegenwart des Herrn erfahren. Die Dinge, die Sie aufzählen, spielen alle eine Rolle. Ich würde aber hinzufügen:
      Die Beichte ist zugleich gebunden an die Autorität der Apostel und ihre Nachfolger im Amt des Bischofs und Priesters, vor allem im Blick auf „schwere Sünde“: Wem ihr Sünden vergebt, dem sind sie vergeben… Joh 20,23. Die Beichte objektiviert gewissermaßen – sie bringt mich real in ein Gegenüber und beschützt mich vor Selbstbetrug, etwa davor, gute Gefühle schon für das Eigentliche zu halten. Analog zu: Ich kann ja auch im Wald beten, da fühl ich mich Gott näher – und brauch deshalb nicht zur Messe gehen. Aber Jesus hat uns geboten, es „zu seinem Gedächtnis“ zu tun, vermutlich auch weil er weiß, dass wir uns „im Wald“ alleine zu schnell selbst betrügen. Denn wer geht wirklich sonntags morgens in den Wald zum Beten? Oder wer nimmt sich daheim wirklich eine Stunde zum Beten? Oder es ist auch analog zur Ehe: Warum braucht es den öffentlichen, sakramentalen Akt? Wenn ich mich doch mit dem Partner ohnehin schon gut verstehe und wir eine tolle Zeit miteinander haben? Die „Objektivierung“ spielt also eine wesentliche Rolle – und ja, wie Sie sagen: Es kostet mich was. Das darf es auch, weil Sünde auch nicht einfach nur banal ist. Auch die Buße (nicht identisch mit Reue, denn Reue ist die Einsicht, sich verfehlt zu haben) ist nicht unwichtig, als ein positiver Akt der Wiedergutmachung.
      Und wichtig: Die Beichte ist nicht ein Disziplinierungsmittel, damit Kleriker Macht ausüben können. Sie ist zuerst und vor allem ein Geschenkangebot Gottes, wie eine heilbringende Medizin, das wir nicht allzu leichtfertig ausschlagen sollten.
      Danke für Ihre intensive Frage
      Herzlich SO

  2. Andrea Johanna Lang

    Ihr Verkünden und Ihre Worte, die ich erst seit Mitte Mai auf Ihrer Homepage lese und höre, haben mich von Beginn an tief berührt: Mein HERZ wirklich für IHN zu öffnen, eine FREUNDSCHAFT mit IHM einzugehen bzw. überhaupt eingehen zu können, hat mich sehr bewegt. Katholisch aufgewachsen und immer noch ‚irgendwie‘ gläubig, hätte ich es eigentlich nicht wirklich für möglich gehalten, dass auch mich sowas wie eine Bekehrung ‚treffen‘ könne… Falsch gedacht. Eine ehrliche Einladung Jesu ins eigene Herz hat eben SEINE Folgen… ER ‚zieht‘, wie Sie es zu sagen pflegen. – Und führt vom ‚Beten sollen‘ in ein ‚Beten bzw. Gott begegnen dürfen‘, verändert das Erleben der Eucharistie, stellt mein ‚Wie‘ in Beziehungen in ein neues Licht und schenkt durch ’neue‘ Augen und Ohren des Herzens Neugier auf Bibel & mehr. Außerdem erleichterten mir die erfahrbare Nähe unseres Herrn und seiner Mutter MARIA sowie Ihr herzhaftes Verkünden, Herr Bischof, mein Herz für IHN nach langer Zeit wieder ‚aufzuräumen‘, wodurch allerdings von d. ersten inneren Entscheidung für eine mögliche Beichte bis einige Tage davor ein ziemlich Kampf in mir zu toben begann. Ja. – Wie Sie schreiben:’Das Herz ist der am stärksten umkämpfte Ort der Welt.‘
    Zuletzt nochmals Danke für d. Beantwortung meiner Fragen. Möge weiterhin der Hl. GEIST durch Sie und für Sie liebevoll und kraftvoll wirken!

    1. Autor
      Bischof Stefan Oster SDB

      Liebe Frau Lang,
      Ihre Worte bewegen mich sehr! Worte wie diese bestätigen immer wieder, dass der Hl. Geist wirkt und das Evangelium wahr ist. Und wenn ich ehrlich bin: Im Grunde lebe und arbeite ich vor allem und zuerst für so etwas: Dass Menschen eine Erfahrung mit dem Herrn machen, dass sie in eine Begegnung mit IHM finden, von der aus sie auch wiederum eine Veränderung ihres Lebens und ihres Blickes auf die Wirklichkeit, auf Gott, auf die Menschen, auf sich selbst erfahren.
      Ich danke Ihnen deshalb sehr für dieses Zeugnis. Herzlich SO

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