„Dient dem Herrn mit Freude“ – Über den Dienst des Salesianerpriesters

In Predigten von Bischof Stefan Oster SDBkommentieren

Predigt zur Priesterweihe von Johannes Haas, Simon Härting und Peter Rinderer am 1. Juli 2018 in der Basilika in Benediktbeuern

Lieber Simon, lieber Johannes, lieber Peter,

wenn man einem Kind einen Beruf genauer erklären möchte, dann versucht man es manchmal mit Beispielen von dem, was so ein Mensch darf, was andere nicht dürfen. Alleinstellungsmerkmale gewissermaßen. Nur ein Arzt, zum Beispiel, darf einem Menschen den Bauch aufschneiden bei einer Operation oder darf ihm Medizin geben, die sich niemand einfach kaufen kann. Nur ein Richter darf ein Urteil sprechen, so dass ein Verbrecher ins Gefängnis kommt oder ein Angeklagter freigesprochen wird. Nur ein Lehrer mit Examen darf mit Schülern eine Klassenarbeit schreiben und Noten geben und am Ende entscheiden, ob jemand durch das Jahr kommt oder wiederholen muss.

Was darf ein Priester?

Und ein Priester? Nur ein Priester darf in der Messe im Auftrag Gottes die Wandlungsworte sprechen oder in der Beichte die Lossprechungsworte. Und wenn nun ein Kind weiterfragen würde: Und wer erlaubt solchen Menschen das zu tun, was andere nicht dürfen? Dann würden wir sagen: Diese Menschen müssen etwas lernen. Und dann gibt es andere, die das alles schon gut gelernt haben und können. Und es gibt deshalb Leute, die das prüfen und dann die Erlaubnis geben. So ist es heute auch bei Euch, liebe Weihekandidaten. Euch wird bezeugt, dass Ihr etwas gelernt habt, dass Ihr geeignet seid, dass Ihr die Dinge gut geübt habt, die Ihr braucht, um Priester zu sein. Und in der Gemeinschaft der Kirche und unseres Ordens gibt es Leute, die das auch schon können, die es geprüft haben und Euch und mir die Zusage geben: Die können das.

Der Priester kann es aber nur aus Gott

Aber nun kommt das alles Entscheidende hinzu: Der Priester, der Bischof, die Gemeinschaft der Kirche leben aus dem Glauben, dass es zuerst und zuletzt nicht die Gemeinschaft, nicht die Ausbilder, nicht der Bischof alleine sind, die das alles bestätigen und daher ins Recht setzen und Euch zu Priestern machen. Sondern zuerst und zuletzt ist es Gott selbst, der Euch zu Priestern erwählt und berufen hat, der Euch durch die Zeit der Ausbildung getragen hat und der Euch jetzt gleich durch meine Handauflegung und mein Gebet zu Priestern weiht. Alles, was hier und heute getan wird, geschieht in Seinem Namen und Seiner Kraft.

Der Priester gibt etwas, was er selbst nicht hat

Und wenn ich vorhin die Beichte und die Feier der Eucharistie als Alleinstellungsmerkmale Eures Berufes genannt habe, dann haben eben diese beiden Sakramente unmittelbar mit der Gegenwart Gottes in Eurem Leben und im Leben der Menschen zu tun. Die Ärztin, der Richter, die Lehrerin – sie alle tun und handeln in dem, was sie gelernt haben und ihr Wirken bleibt weitgehend im Rahmen des nur Menschlichen und nur Weltlichen. Ihr aber seid Männer Gottes und ihr erwirkt durch Euer Handeln Gegenwart  Gottes in der Eucharistie und Vergebung der Sünden und Versöhnung mit Gott in der Beichte. Ihr werdet also geben, was Ihr selbst nicht aus Eurem Können und Gelernten habt, sondern was Euch selbst von Gott geschenkt ist. Ist seid Menschen, durch die etwas hindurchgeht, von Gott zu den Anderen. Ihr seid Vermittler dessen, der in der Schrift der einzige Mittler genannt wird: der Gottmensch Jesus, der Christus.

Leben wir im Außen oder aus dem Innen?

Aber weil Ihr das seid und nicht einfach nur etwas macht, weil ihr mit Christus und durch ihn Werkzeuge der Gegenwart Gottes seid, deshalb haben insbesondere gläubige Menschen auch ein Gespür dafür, ob wir Priester in diesem Geheimnis stehen, oder ob wir uns im Grunde dauernd nur im Außen oder an der Oberfläche aufhalten. Liebe Mitbrüder, zu diesem Aufenthalt im Außen oder an der Oberfläche sind wir Salesianer nicht wenig versucht. Im Grunde ist es jeder Mensch, aber wir haben doch auch noch sehr gute Gründe, ständig beschäftigt zu sein.  Mit den jungen Menschen, zum Beispiel zu denen uns Don Bosco schickt. In deren Kommunikationswelten im Internet oder auf dem Sportplatz oder wo auch immer sie sich aufhalten. Ja es ist gut und wichtig, dorthin zu gehen. Und es ist noch wichtiger, dorthin zu gehen, wo wirklich auch Not ist oder Armut oder Mobbing oder Einsamkeit oder Verunsicherung oder Krankheit oder Mangel an Bildung oder was auch immer Menschen zu schaffen macht, besonders den jungen. Und es ist wichtig, ihnen unsere Freundschaft anzubieten.

Hinausgehen in Seiner Kraft

Aber Ihr geht dorthin auch in der Kraft des Herrn, zumindest sollt Ihr es – und daher ist es überlebenswichtig für Eure Berufung und Euren Dienst an den jungen Menschen zuerst und zunächst selbst beim Herrn zu sein und auch im Gehen bei Ihm zu bleiben. Er selbst trägt uns im Evangelium auf, dass das erste und wichtigste Gebot ist, Ihn über alles zu lieben, mit aller Kraft, ganzer Seele, allen Gedanken. Und das zweite Gebot, das ebenso wichtige, den Nächsten wie sich selbst zu lieben – folgt aus diesem ersten. Denn im Grunde kann ich den Nächsten nur dann so lieben lernen wie mich selbst, wenn ich im Geheimnis Gottes gehe und stehe, wenn ich mich wegschenken kann, weil ich schon gehalten bin. Und im Grunde kann ich auch im jungen Menschen den Herrn nur erkennen und lieben, wenn ich Ihn schon vorher kennen und lieben gelernt habe. Freilich, das Hinausgehen zu den Jugendlichen führt mich auch auf neue Wege – ich muss lernen, mich auch dort draußen, in der Schönheit und der Not der Welt, führen zu lassen – in neue Gefilde, in Orte, wo wir Gott nicht vermuten. Aber auch darauf dürfen wir vertrauen: Er ist immer schon dort, ehe wir je irgendwohin kommen. Und auch hier gilt wieder: Unsere Fähigkeit, sein Wirken dort zu entdecken, wo wir Ihn nicht erahnen, braucht auch schon Sensibilität für seine Wirksamkeit in uns selbst und in der Welt überhaupt. Und die lernen wir von Ihm selbst. Im Feiern der Sakramente, im Betrachten seines Wortes als lebendiges Wort. Wir werden dann immer mehr von Ihm selbst eingeführt, in die Tiefe des Wortes, in die Erkenntnis seiner Gegenwart. Im Schweigen und Ausruhen bei Ihm, im Gehen mit Ihm. Die Jünger von Emmaus erkennen Ihm beim Brechen des Brotes, nachdem er Ihnen zuvor den Sinn der Schrift erschlossen hat.

„Dient dem Herrn mit Freude“

Und ich darf auch aus persönlicher Erfahrung bestätigen, was Du, Peter, in Deinem Primizspruch zum Ausdruck bringst. Dass das Bleiben bei Ihm wirklich in eine Freude führt, die den Spaß der vielen Vergnügungsangebote bei weitem übertrifft. Der Dienst für Ihn, das Bleiben bei Ihm und das Hinausgehen mit Ihm ist es, was in der Freude bleiben lässt. Und es gibt diesen inneren Zusammenhang zwischen der Qualität der Beziehung mit Christus, zwischen der Intensität, mit der sie von uns gesucht, beantwortet und gepflegt wird einerseits. Und der Fähigkeit den anderen Menschen geistlich und in der Tiefe zu berühren und ihm zu helfen, Christus zu entdecken, andererseits. Die innere, tiefe persönliche Nähe zum Herrn schenkt die Autorität, andere geistlich wachsen zu lassen.

„Mensch steh auf. Ich will mit dir sprechen!“

Simon, Dein Primizspruch führt in diese Richtung des Wachsenlassens. Es ist ein Satz aus dem Alten Testament beim Propheten Ezechiel. Der Prophet hört Gott zu sich sagen: „Steh auf, Menschensohn. Ich will mit Dir sprechen“. Gott spricht uns an, Gott will aufrichten – er will, dass wir Hörende werden, die aufrecht stehen vor Ihm. Und er sendet uns, dass wir Menschen werden, die ihn bezeugen vor den anderen, besonders vor den jungen Menschen. Wir begegnen ihnen, sprechen sie an und wollen ihnen im Anschauen auch Ansehen geben, damit sie sich aufrichten können. Damit sie ihr eigenen Potential entdecken und entfalten können und damit sie selbst in sich erfahren: „Es gibt tatsächlich Menschen, die es gut mit mir meinen. Und wenn diese Menschen sagen, dass sie für Jesus gehen, dann könnte es wohl auch sein, dass es Jesus auch gut mit mir meint, dass er mich wirklich gern hat. Und zwar noch lange bevor ich irgendwas geleistet habe.“ Ganz ehrlich: Es ist für mich wieder ein kleines, großes Wunder, wenn ein Jugendlicher in diese Entdeckung findet: „Es gibt Jesus und er liebt mich wirklich.“ Im Grunde gehen wir als Salesianer zuerst und zuletzt genau dafür.

„Ihm furchtlos dienen“

Johannes schließlich, Du wählst als Primizspruch einen Satz aus dem Lukas-Evangelium, genauer aus dem Mund des Priesters Zacharias, der prophetisch davon spricht, dass Gott uns schon befreit hat – und dass wir ihm deshalb furchtlos dienen können: „Ihm furchtlos dienen“.  Ja, lieber Johannes, vielleicht ist die Wahl dieses Spruches auch schon prophetisch für diese Zeit, in der wir leben. Hier in Oberbayern oder bei mir zuhause in Niederbayern ist es zwar irgendwie noch ganz selbstverständlich, dass die Menschen irgendeinen Bezug zur Kirche haben – und wenn er auch noch so fern ist. Und dennoch wächst auch hier die innere Scheu der Menschen, sich selbst dem Glauben wirklich zu nähern, geschweige denn, ihn ausdrücklich zu bekennen. Wie schwierig ist es zum Beispiel für Kinder und Jugendliche, die gern bei uns ministrieren, sich in ihrer Schulklasse auch selbstbewusst dazu zu bekennen. Wie schwierig ist es für Menschen oft an ihrem Arbeitsplatz oder in ihrem Bekanntenkreis zu bekennen: „Ja, ich glaube an Christus und das ist mir wichtig.“ Der Glaube wird gesellschaftlich privatisiert. Man gewinnt den Eindruck, niemand soll doch bitte den anderen damit behelligen. Und es wächst die Furcht vor dem Bekenntnis. Aber andererseits spüren wir doch genauso stark: Da ist die tiefe Sehnsucht bei so Vielen nach dem Heil, das nur von Jesus kommt. Ja, es braucht deshalb viel Verbindung mit dem Auferstandenen, der immer und immer wieder im Neuen Testament sagt: „Ich bin es. Fürchtet euch nicht.“ Und deshalb wünsche ich Euch immer neu die Fähigkeit, diese Menschenfurcht zu überwinden, und treu und mutig und ohne verräterische Kompromisse – den Herrn in Wort und Tat zu bezeugen.

Dank für Euer Zeugnis

Lieber Johannes, lieber Simon, lieber Peter, ich danke Euch von Herzen für Euer Zeugnis, für Eure Bereitschaft, Euch in den Dienst nehmen zu lassen. Ich danke unseren Mitbrüdern, die Euch auf diesem Weg begleitet haben, vor allem den Verantwortlichen in der Ausbildung. Ich danke Euren Eltern, Verwandten, Freunden und Weggefährten, die Euch bis heute begleitet haben und darüber hinaus. Ich möchte Sie alle bitten: Bleiben Sie den Dreien im Gebet verbunden und tragen Sie sie mit. Sie werden es brauchen. Freut Euch im Herrn zu jeder Zeit, haben wir in der zweiten Lesung gehört: Ja, wir sind voller Freude und Dankbarkeit, dass da drei junge Männer ja gesagt haben zu einem Ruf des Herrn, der ihr ganzes Leben beansprucht. Möge er Euch mit allem Segen des Himmels überreich beschenken. Amen.

Bild: A. Hofmeister

 

 

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