Ende der Sanierungsarbeiten der Pfarrkirche Mariä Unbefleckte Empfängnis in Kirchdorf im Wald

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Liebe Geschwister im Glauben an Christus,

in den letzten Wochen und Monaten lese ich immer wieder in der Apostelgeschichte. In diesem biblischen Buch, aus dem wir auch die erste Lesung gehört haben, geht es um die Geschichte der jungen Kirche nach der Auferstehung und Himmelfahrt Jesu. Und wir lesen sehr oft, wie sich die Menschen nach der Predigt und dem Zeugnis der Apostel bekehrt haben. Und wie die junge Kirche schnell und offenbar auch tief in die Herzen der Gläubigen hinein gewachsen ist. Wir lesen andererseits aber auch, dass es Widerstände gab, große Widerstände, Verfolgungen, sogar Tötungen, wenn wir an Stephanus denken. Das heißt für uns: Das Evangelium vom auferstandenen Christus ist nie einfach nur Bestätigung dessen, was ich sowieso gerne glauben will und wie ich mir sowieso mein Leben einrichten will. Es ist nie einfach nur Bestätigung dessen, was ich eh gut finde. Die Jünger in der Apostelgeschichte und auch das heutige Evangelium sprechen im Zusammenhang mit ihrer Verkündigung quasi immer von der Bekehrung, von der Umkehr, von der Vergebung der Sünden. Der Glaube an Christus wirkt Bekehrung, wirkt Erneuerung, wirkt Vergebung, wirkt einen neuen Anfang. Mehr noch: Paulus spricht sogar davon: der Glaube an Christus wirkt Neugeburt. Wer in Christus ist, sagt er, ist eine neue Schöpfung (Gal 6,15). Die Menschen, die sich davon haben mitnehmen lassen, waren ganz offenbar so bewegt, so berührt von dieser Kraft, von dem Geist, von dieser Schönheit und Tiefe, die aus den Herzen der Apostel gesprochen hat, dass sie selbst gefragt haben: Was sollen wir also tun? Und die Antwort der Apostel: Lasst Euch taufen auf den Namen Jesu zur Vergebung der Sünden, dann werdet auch ihr den Heiligen Geist empfangen (Apg 2,38)

Liebe Schwestern und Brüder hier in der Pfarrei Kirchdorf und Umgebung. Ich freue mich sehr über Ihre neue, frisch renovierte Kirche. In gewisser Weise kann man sagen, auch Sie haben jetzt wieder eine erneuerte, eine junge Kirche. Sie strahlt in einem neuen Glanz. Aber die Frage, die an uns alle geht, auch an mich: Haben wir passend zu dieser verjüngten Kirche auch einen Glauben an Christus, von dem Papst Franziskus gesagt hat: Der wirkliche Glaube ist immer jung! Er ist wie eine Erfrischung im Herzen, er bringt die Freude ins Herz all derer, die Jesus wirklich begegnen. Mit Jesus, sagt der Papst, kommt immer wieder die Freude – in diejenigen, die sich von ihm retten lassen, die sind nämlich befreit von der Sünde, von der Traurigkeit, von der inneren Leere und von der Vereinsamung, schreibt er. Liebe Schwestern und Brüder in Christus, kennen wir diese Erfahrung, von der der Papst spricht? Können wir nachvollziehen, dass unsere innere Kirche, unser innerer Tempel, unsere Seele auch erstrahlt? Dass sie sich freut, dass unsere Seele zusammen mit der Patronin dieses schönen Gotteshauses ausrufen darf: Meine Seele preist die Größe des Herrn, denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut?! Glauben wir von Herzen, dass der große, der allmächtige Gott, der Schöpfer des Himmels und der Erde mich wirklich persönlich meint, dass er wirklich mein Vater ist?

Paulus sagt im Römerbrief einmal, der Geist Gottes, der uns gegeben ist, der wirkt, dass wir zu Gott: Abba, Vater sagen können. Ja, wie jetzt? Wir sagen doch Vater im Vater Unser? Stimmt doch! Aber liebe Schwestern und Brüder, ich weiß nicht, ob Sie das Glück hatten, einen guten Vater gehabt zu haben, der sich wirklich liebevoll um seine Familie und seine Kinder gekümmert hat oder immer noch kümmert. Aber versetzen Sie sich vielleicht einmal gedanklich und mit dem Herzen in das Lebensgefühl eines Kindes, das voller Freude und Lebendigkeit im Haus und im Garten spielt, weil es weiß: der Papa ist immer da und passt wirklich auf mich auf. Und wenn dann mal irgendwas passiert, was mich erschreckt oder mir Angst macht oder weh tut, dann lauf ich gleich in die Arme von Papas und alles wird wieder gut. Liebe Schwestern und Brüder, Paulus meint nicht einen netten Gedanken an Gott, der irgendwie Vater sagt. Paulus meint die existenzielle Erfahrung, vergleichbar der des Kindes: Gott ist mein Vater, er liebt mich, er kennt jedes Haar auf meinem Kopf, er trägt mich, er versorgt mich. Selbst dann, wenn es in dieser Welt mal schlecht läuft, selbst wenn ich leiden muss, wie sein Sohn Jesus. Papa ist da und bleibt da und mir kann nichts passieren, was so schlimm wäre, dass ich da wieder heraus fallen könnte.

Und diese Erfahrung, liebe Schwestern und Brüder, die wirkt der Geist Gottes, der Geist Jesu in uns. Das meint Paulus. Das können wir nicht aus uns selbst produzieren. Aber Jesus nimmt uns mit in diese Beziehung zum Vater. Sein einziger Wunsch für alle seine Jünger und Freunde war: Ich bring Euch heim in das Reich meines Vaters; aber nicht erst, wenn Ihr sterbt, nein schon jetzt. Er ist ja für uns durch dieses Todestor hindurch durchgegangen und hat es für uns wieder aufgemacht. Deshalb ist der Vater jetzt schon da, bei mir und bei uns allen, in seiner Kirche. Und Jesus sagt: Mein Geist in Euch wirkt, dass Ihr in diese Erfahrung hinein finden dürft. Ihr dürft erleben im Glauben und in der Gemeinschaft: Ich bin da, der Vater ist da, Ihr habt Freude am Glauben, Freude am Leben. Ihr könnt die Menschen lieben und die ganze Schöpfung. Und Ihr könnt besonders Jesus und Euren Vater im Himmel lieben.

Das, meine Lieben, ist unser Glaube, das ist das Evangelium. Nicht einfach ein paar schöne Gedanken über Jesus, sondern ein Leben mit ihm, eine Freude an ihm, ein inneres Geschenk des Vertrauen-Könnens, des Gehaltenseins in seinem Haus, in seiner Kirche.

Liebe Schwestern und Brüder, vielleicht spüren Sie, dass es mir ein Herzensanliegen ist, dass unser Glaube neu in diese Tiefe und Freude findet, dass andere Menschen durch uns bewegt, angezogen werden; dass andere Menschen durch uns, durch die Jünger Jesu, die wir sind, etwas spüren von dieser Freude und Freiheit, die das Evangelium schenkt. Sicher, es wird Widerstand geben, sicher werden andere Menschen sagen: diese Frömmler oder die Wahnvorstellungen, die die Christen haben. Aber die hat es bei den Aposteln auch schon gegeben. Und dennoch haben viele gespürt, wie ihnen immer neu dieser Freimut geschenkt worden ist, so über Jesus zu sprechen, dass es viele Menschen mitten ins Herz getroffen hat.

Meine Lieben, Erneuerung der Kirche kann aus der Erfahrung der Schrift und aus der Erfahrung der Apostel immer nur heißen: Zurück zu Jesus, mehr von Jesus, konkrete Erfahrungen mit Jesus, Leben mit ihm, Freude an Ihm. Alles andere, was wir auch an Gutem tun, unser Dienst an anderen in der Caritas, in unseren Einrichtungen und Schulen,  unser Engagement in der Pfarrei, auch bei der Renovierung der Kirche, alles das lebt letztlich davon, dass wir Vertrauen auf Jesus haben, dass wir Glauben haben, dass wir Ihn kennen und wissen, von wem wir sprechen, wenn wir es tun.

Ich wünsche Ihnen sehr, dass dieser wundervolle Anlass, die Erneuerung dieses großartigen Gotteshauses, auch etwas von der Sehnsucht in Ihnen wecken kann, mit der Sie spüren: Ja, meine Seele ist auch Kirche, ist auch Wohnort Gottes und ich will, dass er darin immer mehr Platz hat, damit mein Glaube zum Strahlen kommt, damit meine Freude an Gott auch von anderen wahrgenommen wird. Christentum wächst durch Anziehung, nie durch Propaganda, hat Papst Benedikt gesagt. Daher: Bitten wir an diesem Tag ganz besonders die Mutter Gottes und den Heiligen Geist, dass Sie uns neu mit der Freude dieses Ostersonntages erfüllen, mit der Freude über ein erneuertes Gotteshauses, mit der Freude darüber, dass uns in Christus immer neu alles vergeben wird, mit der Freude, dass wir zu ihm gehören dürfen und deshalb die geliebten Kinder unseres Vaters sind.

Amen

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