Wie vor der Reformation – Die Krise der Kirche in der Welt von heute – Maria, hilf!

In Predigten von Bischof Stefan Oster SDB5 Kommentare

Predigt anlässlich der Ausrufung unserer Maria-Hilf-Woche und des 5. Jahrestages meiner Bischofsweihe

Liebe Schwestern und Brüder,

es war eine besondere Fügung für mich als ich heute vor genau fünf Jahren zum Bischof für dieses so liebenswerte Bistum geweiht wurde. Es war der Tag, an dem die Kirche und besonders auch meine Ordensgemeinschaft, die Salesianer Don Boscos, den Festtag „Maria, Hilfe der Christen“ begehen. Denn als die Passauer Verantwortlichen Anfang April 2014 zum ersten Mal bei mir im Kloster Benediktbeuern ankamen, meinten sie, wir sollen doch möglichst bald einen Weihetermin vereinbaren, am besten noch im Mai. Wunderbar, dachte ich, dann nehmen wir doch gleich den 24. Denn da ist unser Mutter-Gottes-Fest. „Ganz schlecht,“ sagte damals der Diözesanadministrator Klaus Metzl mit einigem Recht: „Das ist ein Samstag im Mai – und der ist ganz ungünstig.“ Denn natürlich wollen viele Pfarrer mitfeiern und gerade an Samstagen im Mai hätten sie schon so viele Hochzeiten. Das könnte Missfallen auslösen. Also haben wir uns dann auf den Sonntagnachmittag am 25. Mai geeinigt – immerhin in der Nähe vom 24., dachte ich und habe mich angeboten den Kardinal anzurufen, wegen des Termins. Und der Kardinal hat dann ins Telefon gerufen: „Der 25. geht überhaupt nicht, keine Möglichkeit. Der einzige Termin, der bei mir überhaupt geht in dieser Zeit ist der 24. Mai.“ Was für eine Freude, dachte ich – und so konnten wir diesen Tag wählen und ihn in besonderer Weise auch der Mutter Gottes anvertrauen.

Eine besondere Fügung

Auch die besondere Fügung, dass hier in Passau in dieser schönen Kirche die Maria-Hilf-Verehrung einen starken Ausgangs- und Kristallisationspunkt hatte, hat mich dann noch mehr berührt und erstaunt. Hier haben Kaiser Leopold I. und seine Frau 1683 täglich vor dem Maria-Hilf-Bild gebetet, ehe das kaiserliche Heer die Truppen des osmanischen Reiches vor Wien besiegen konnten – mit dem Schlachtruf „Maria hilf!“ Deshalb wurde dieses Bild eine Art Staatsgnadenbild der Habsburger und hat sich weithin verbreitet und wird in vielen Wallfahrtsorten in Deutschland, Österreich und Norditalien verehrt, auch in Turin übrigens, wo Don Bosco viel später dann sein großes Jugendwerk begonnen hatte. Ein besonderer kirchlicher Gedenktag mit dem eigenen Titel „Maria, Hilfe der Christen“ wurde der 24.Mai aber auch nicht schon im 17. Jahrhundert, sondern erst im Jahr 1815, nachdem Papst Pius VII. ein Jahr zuvor an eben diesem Tag aus der napoleonischen Gefangenschaft frei gekommen und wieder in Rom eingetroffen war. Übrigens war 1815 auch das Geburtsjahr Don Boscos! Und auch im Fall von Pius VII. lässt sich dieses Maria-Hilf-Motiv ausfindig machen: der Kampf gegen Mächte, die das Christentum oder die Kirche bedrohen, ähnlich wie 1683 vor Wien. Und Don Bosco lebte dann in seinem 19. Jahrhundert in Italien ebenfalls in schwierigen Zeiten, in denen die staatlichen Kräfte in Piemont zum Beispiel die Ordensgemeinschaften aufhoben oder in denen später, durch die italienische Einigungsbewegung der Kirchenstaat zerschlagen wurde. Wieder empfand er hier eine Bedrohung für die Kirche von außen und forderte leidenschaftlich die Mutter des Herrn auf: Maria hilf!

Der große Drache und die Kirche

Maria hilf! Ein Ruf der Christen, die Mutter des Herrn möge uns in den Mitteln stärken, die wir in solchen Kämpfen haben – und mit denen sie selbst gekämpft hat: Das Gebet, die Buße, die Demut, der Liebesdienst am Nächsten, die Treue zu Christus auf all seinen irdischen Wegen – bis zur Folter des Kreuzes und darüber hinaus. Und tatsächlich, liebe Schwestern und Brüder, diese Mittel, die uns die Mutter Gottes durch ihren Sohn und an der Seite ihres Sohnes an die Hand gibt, die haben in der Geschichte der Kirche auch schon oft ihre Wirksamkeit erwiesen. In der zweiten Lesung haben wir in eindringlichen Bildern von einem Kampf des schrecklichen Drachens gegen die Himmelserscheinung der Frau mit ihrem Kind gehört. Und wie sehr muss beispielsweise der kommunistische Staat gegenüber der Kirche etwa in Polen oder anderen Ländern der damaligen Welt wie dieser Drache mit sieben Köpfen und zehn Hörnern gewirkt haben, der die Kirche zu verschlingen drohte. Und wie sehr hat doch andererseits beispielsweise der große, heilige Papst Johannes Paul II. als Mariensohn mit eben diesen einfachen, mächtigen Mitteln der Mutter Gottes mitgeholfen, dass zumindest dieser bedrohliche kommunistische Drache zugrunde ging. Oh Maria hilf.

Die Krise der Kirche

Maria hilf! Das rufen wir auch heute, da die Kirche bei uns aber ich meine auch beinahe weltweit durch eine ihrer schwersten Krisen seit der Reformation vor 500 Jahren geht. Und tatsächlich, liebe Schwestern und Brüder, meine ich Anzeichen zu sehen, die der Zeit der Reformation durchaus ähnlich sind. Das Vertrauen in die Kirche, in ihre Lehre und in viele ihrer Vertreter ist fundamental erschüttert. Die Glaubwürdigkeit von uns Amtsträgern ist massiv beschädigt. In der Kirche sind eben durch Amtsträger und andere Männer und Frauen der Kirche Verbrechen passiert, die Leben von Menschen dramatisch beschädigt oder zerstört haben. In einem Ausmaß, das wir nicht für möglich hielten. Und auch das müssen wir sagen: Verantwortliche unserer Kirche haben lange, lange den Opfern und Betroffenen nicht einmal zugehört, weil sie die Institution schützen wollten und weil sie nicht wussten oder nicht wissen wollten, wie dramatisch Folgen von Missbrauch für Menschen sind. Oh Maria hilf! Hilf uns neu zu hören, vor allem auf Menschen, die verletzt worden sind. Hilf uns allen, wirkliche Diener zu werden, die Macht zuerst als Dienst und als Verantwortung für andere wahrnehmen und nicht als Mittel, sich zu bereichern oder sich an anderen schuldig zu machen. Hilf uns wirklich Glaubende, Hoffende, Liebende zu werden.

Die Krise des Glaubens

Die Verbrechen des Missbrauchs und ihre Folgen machen die darunter liegende und schon sehr, sehr lange anwachsende Krise noch deutlicher wahrnehmbar: Der Glaube und seine wesentlichen Inhalte verschwinden schleichend, aber flächendeckend. Dass in Christus allein das Heil ist, allein Erlösung von Sünde und Tod, allein die Versöhnung mit Gott, allein die innere Befreiung in die Gotteskindschaft – all das hat nur noch für Wenige Bedeutung. Denn, so meint man, wir würden doch angesichts eines so barmherzigen Gottes ohnehin alle in den Himmel kommen. Und die Frage, wie man mit Ihm und den anderen Menschen lebt, scheint zweitrangig. Die Beichte als das Sakrament der Versöhnung ist nahezu verschwunden. An der Eucharistie, der Quelle und dem Höhepunkt allen kirchlichen Lebens, nehmen durchschnittlich 90 Prozent der getauften Katholikinnen und Katholiken nicht mehr teil, vor allem kaum noch junge Menschen, Tendenz steigend, ebenso die Austrittszahlen. Traditionen brechen weg, Wiederbelebungsversuche traditioneller Formen scheitern häufig, große Ratlosigkeit hat sich breit gemacht über die Frage, wie man denn jungen, kritischen Menschen von heute helfen könne, in den Glauben zu finden.

Wohlstand und mehr

Umgekehrt leben wir aber in einem Land, in dem seit über 70 Jahren Frieden herrscht und stetig wachsender Wohlstand. Auch wenn es in unserer Gesellschaft Arme und Benachteiligte gibt, oder Wohnungsnot oder Ausgrenzung von Menschengruppen und anderes mehr, was wir nicht verschweigen dürfen, so meine ich dennoch sagen zu können: Die Gesamtsituation für sehr viele Menschen in unserem Land in Bezug etwa auf materiellen Wohlstand, auf Arbeitsplätze, auf Zugang zu medizinischer Versorgung, zu Bildungsangeboten und ähnlichem war selten besser als heute. Wir erleben zugleich eine unglaubliche Vermehrung von vermeintlichen Sinnangeboten, die es den Menschen längst nicht so schwer zu machen scheinen, wie unser katholischer Glaube. Denn wie zahllos sind die Angebote von Wellness, Esoterik, von fernöstlichen oder anderen exotischen Übungen, die alle zu versprechen scheinen, was man unserem Glauben kaum noch zutraut: innere Ruhe und Frieden, innere Ausgeglichenheit, mehr Liebe zu sich selbst und zu anderen, die Fähigkeit zu vergeben, das Leben im Einklang mit der Natur. Aber, so fragen wir, finden die Leute dort wirklich das, was wir das Heil und die Erlösung nennen?

Die Probleme von heute

Und wenn wir dann genauer hinschauen, erkennen wir bei uns in allem Guten auch im Alltagsleben so vieler Menschen Tendenzen, die uns große Sorgen machen. Ich möchte nur einige nennen: die Zerbrechlichkeit unserer Familien und die darauf folgenden seelischen Brüche für die Menschen, besonders die Kinder. Oder die stetige Zunahme von psychischen Krankheiten, auch wieder besonders bei Kindern. Wir erleben ungeheuren Anstieg neuer Formen von Süchten vor allem in Bezug auf die neuen Medien, Spielsucht, Social-Media-Sucht, Pornographiesucht und anderes mehr. Wir erleben pro Jahr immer noch über 100 000 Abtreibungen bei uns – in einem der reichsten Länder der Erde. Wir erleben rund 10 000 Suizide in unserem Land, davon 80 Prozent bei Männern. Wir erleben auch, wie Menschen, die für ein klassisches Familienideal oder den Lebensschutz von der Empfängnis bis zum letzten Atemzug eintreten, ideologisiert und in die braune Ecke gestellt werden. Gleichzeitig erleben wir echte braune Tendenzen in Bezug auf Ausländerhass oder wachsenden Antisemitismus. Wir erleben Fragmentierung und Spaltung in der Gesellschaft und in der Kirche. Wir erleben Ängste in der politischen Welt zum Beispiel in Bezug auf die Instabilität unserer Demokratie oder von Europa insgesamt. Wir erleben fortschreitende Zerstörung der Umwelt und unserer Atmosphäre; wir erleben Drohgebärden der Mächtigen mit Kriegsszenarien. Wir erleben unfassbare Zunahme verbaler Gewalt und Ausfälligkeiten im Internet. Wir erleben eine technologische Revolution, von der wir noch nicht einmal ahnen, was sie letztlich mit dem Menschen macht: Sie bietet unfassbare neue Möglichkeiten der Kommunikation und der Stillung von Bedürfnissen nach Teilhabe und Bildung. Und zugleich schleicht sich langsam, fast unbemerkt eine totalitäre Bedrohung ein, die Privatsphäre zerstört, Gesellschaften zersetzt und unsere Welt- und Selbstwahrnehmungsfähigkeit verändert. Oh Maria hilf, hilf uns zu unterscheiden, was heute für uns und unsere Welt gut und richtig ist, und was uns herausfordert zur Wahrhaftigkeit, zum Erneuerung, zur Wahrheit in Liebe.

Der Katechismus – und die Distanzierung davon

In diese Situation hinein, liebe Schwestern und Brüder, denke ich viel darüber nach, was für unsere Gläubigen und für die Kirche von heute wichtig ist. Was zentral ist. Zunächst ist der Glaube unserer Kirche der Maßstab, der mich leitet. Ich halte beispielsweise die Inhalte unseres Katechismus für wahr, im Grunde alle – und zwar aus theologischer und philosophischer Überzeugung. Und ich habe bei meiner Bischofsweihe feierlich versprochen, eben diesen Glauben auch zu schützen und zu verteidigen. Und hier sind wir schon beim ersten Problem: Es gibt aus meiner Sicht eine breite Mehrheit innerhalb unserer Kirche und innerhalb unserer theologischen Wissenschaften, die den Katechismus für überaus problematisch halten. Und die ihre eigene theologische Identität nicht selten daraus ableiten, dass sie sich erst einmal kritisch davon distanzieren müssen, weil man vieles ja heute so nicht mehr sagen könne, man müsse sich hier kritisch weiter entwickeln.

Entwicklung der Glaubensinhalte?

Ich halte aber genau das für problematisch, weil sich gerade hier, an der kirchlich gültigen Formulierung des Glaubens und dem Bekenntnis dazu schon die eigentliche Bruchstelle der Polarisierung anzeigt. Ich bin daher vielmehr überzeugt, dass wir zunächst einmal in ein bejahendes Verstehen dessen finden müssen, was da formuliert ist. Und erst dann können wir denken, wohin sich der Glaube inhaltlich entwickelt, natürlich auch kritisch. Ich glaube nämlich auch, dass es in der Formulierung unseres Glaubens und im Verstehen der Inhalte Weiterentwicklung gibt. Beispielsweise hat die Kirche auch lehramtlich vor dem letzten Konzil anders über Religionsfreiheit gedacht als danach; oder wir denken heute anders über die (Un-)Möglichkeit der Todesstrafe als früher. Hier haben wir die Würde des Menschen, seine Freiheit und seine unendliche Kostbarkeit von unserer Offenbarung her tiefer verstanden als früher. Aber gerade im Punkt Entwicklungsmöglichkeiten des Glaubens müssen wir unterscheiden lernen, was denn wirkliche und wahrhaftige Vertiefung einerseits ist. Und welche geforderten Entwicklungen andererseits keine Vertiefung wären, sondern am Ende zu einem anderen Menschenbild führen und damit auch zu einem anderen Verständnis von Kirche. Viele der heute gängigen Forderungen zu den klassischen Reizthemen zielen aus meiner Sicht eher in die zuletzt genannte Richtung: Sie drehen sich in den meisten Fällen um Sexualität und/oder um das Verhältnis der Geschlechter zueinander. Und ja, ich glaube, auch in diesen Punkten müssen wir tiefer verstehen und sprachfähiger werden. Aber ich bin zugleich überzeugt, dass wir hier ein solches Herzstück unseres Glaubens berühren, dass die ständig geforderten Veränderungen unser Menschenbild und unser Glaubens- und Kirchenverständnis massiv verändern würden. Und zwar so dass uns letztlich eine erneute Kirchenspaltung droht. Sie droht deshalb, weil mit solchen Veränderungen zugleich Kernpunkte der Offenbarung berührt werden und diese nach meiner Einschätzung verfälschen und eben nicht weiterentwickeln würden.

Ein Phänomen: Erneuerte Glaubensfreude

Umgekehrt – und das ist das für mich ein erstaunliches und neueres Phänomen der letzten Jahre: Ich sehe tatsächlich auch in unserem Land und anderen Ländern des Westens Wachstum von Kirche, ich sehe echte Bekehrungen, vor allem auch von jungen Menschen, die sich voller Freude neu zu Christus bekennen, die seine Jüngerinnen und Jünger sein wollen – und die gerade deshalb unseren überlieferten Glauben als für sich lebendig und lebbar und kostbar erachten und schätzen. Sie haben ihr Leben real verändern lassen, sie beginnen neu die Hl. Schrift zu lesen und sich selbstlos in der Welt zu engagieren.

Lebendige Volkskirche

Ich sehe freilich darüber hinaus und voller Dankbarkeit auch sehr viel gläubiges Engagement in den vielfach noch funktionierenden volkskirchlichen Ausprägungen unseres Bistums, in unseren Pfarreien, Verbänden und Einrichtungen. In unseren Klöstern, in Vereinen, bei unserer Caritas, in unseren Schulen und Kindertagesstätten und vielerorts mehr. Gerade heute – seit gestern und bis Sonntag – geben viele unserer jungen Menschen ein überaus beeindruckendes Zeugnis des Engagements in den vielen Aktionen der 72-Stunden-Aktion. Auch dafür danke ich von Herzen.

 Wachstum?

Freilich: Wenn ich mich in alledem frage, wo gibt es substantielles Wachstum im Glauben, in unserer Treue zum Herrn, die sich vertieft, die sich hält und bleibt, und die davon auch überzeugend sprechen kann, dann sehe ich es deutlicher dort, wo die katholische Profilierung ausdrücklich zunimmt und gewollt ist. Und ich sehe es eben nicht dort, wo die Liberalisierung unserer Überzeugungen um sich greift. Im Grunde kenne ich keinen einzigen Ort, wo Liberalisierung in diesem genannten Sinn fruchtbar wäre und zu Wachstum in diesem Sinne führt.

Vor 40 Jahren: Neue Evangelisierung erstmals

Vor ziemlich genau 40 Jahren, am Pfingstsonntag des Jahres 1979 hat Papst Johannes Paul II. deshalb zum ersten Mal davon gesprochen, dass die Länder, in denen das Christentum eine lange Tradition hat, eine neue Evangelisierung benötigen. Und er meinte damit, wir brauchen eine erneute Verkündigung der unfassbaren Liebe Christi und unserer Erlösung durch ihn, die in die Herzen der Menschen dringt. Und wir brauchen das durch – wie er sagte „neue Leidenschaft, neuen Ausdruck und neue Methoden“. Dem fühle ich mich verpflichtet: Es geht in allem und immer um Jesus, um mehr von Jesus; um die gläubige Erfahrung, dass er da ist, dass er uns nie verlässt, dass er unsere Herzen verändern kann – und durch uns die Welt. Und wenn wir heute die Maria-Hilf-Woche ausrufen, dann hat auch diese Woche, in der wir als Bistum ihre Hilfe erbitten vor allem diese eine Ausrichtung: dass wir näher zum Herrn und zueinander finden – und dass wir so in Wort und Tat fähiger werden zum Zeugnis der Liebe Christi für jeden Menschen in der Welt. Und diesem Ziel soll letztlich auch alles dienen, was wir in den vergangenen fünf Jahren anstoßen konnten. Ich nenne nur die Entwicklung von Mission und Auftrag und unserer Leitlinien, den pastoral-strukturellen Erneuerungsprozess, die Einrichtung der Verwaltungszentren, die Erneuerung der Visitationen, die Erneuerungsbemühungen um die Firmung, die vielen Einzelinitiativen zur neuen Evangelisierung und noch einiges mehr.

Der Dank an die Vielen

Ich danke schließlich von Herzen so vielen Menschen, die meinen Dienst in den letzten fünf Jahren so loyal unterstützt haben und mitgegangen sind, viele von Ihnen, viele Gläubige, die mitgehen und mitbeten. Ganz besonders bedanke ich mich auch bei den Mitstreitern in meinem Büro und bei den Verantwortungsträgern, vor allem beim Generalvikar Dr. Metzl, beim Domkapitel, beim Ordinariatsrat,  bei der Konferenz der Dekane und weit darüber hinaus. Ich danke von Herzen unseren Priestern und Diakonen für ihren täglichen Dienst in der Seelsorge und Verkündigung, allen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen in der Pastoral, in der Caritas, im Religionsunterricht. Ich danke so vielen in unserer Kirche, die dort, wo sie stehen, ihren Dienst tun – in den Bereichen Verwaltung, Finanzen, Bau, Medien und vielen anderen Bereichen. Ich bin überaus dankbar, dass wir in unserem Bistum ein Klima der Wertschätzung leben für den Dienst jedes Einzelnen. Ich hoffe und bete und kämpfe jeden Tag dafür, dass Jesus mehr gekannt und geliebt wird – zur Ehre Gottes und zum Heil der Menschen. Möge uns Maria, die große Hilfe der Christen dabei beistehen. Und deshalb möchte ich Dir, geliebte Gottesmutter heute einmal mehr mich selbst und unser ganzes Bistum weihen. Hilf uns, Maria in den Wirren unserer Zeit. Beschütze uns und führe uns immer näher hin zu Deinem Sohn. Amen.

 

Kommentare

  1. Georg Kueppers

    Der Katechismus der Katholischen Kirche (KKK) ist ein denkbar schlechtes Beispiel für tragfähige Glaubensmaßstäbe. Er ist weder verbindlich noch unveränderlich noch philosophisch oder theologisch überzeugend noch bietet er etwas, woran man sein Herz binden oder ausrichten könnte oder müsste. Wenn Sie von den Inhalten, und zwar wie Sie sagen „eigentlich allen“, so felsenfest überzeugt sind, setzen eher Sie Ihren Ruf als Philosoph und Theologe aufs Spiel statt einen Kritiker zu überzeugen. Man kann nicht auf der einen Seite auf persönliche Überzeugung und neue Evangelisierung setzen und andererseits einen linientreuen Buchstabenglauben einfordern. Der Papst hat immer wieder vor so einer Ideologisierung des Glaubens gewarnt.

    1. Manfred Smola

      Welcher Papst, Herr Kueppers? Vermutlich P. Franziskus.

      Und wie haben es alle anderen Päpste vor ihm gehalten?

      Wem soll man denn nun glauben, wenn die anderen Päpste es für das Seelenheil der Menschen als äußerst wichtig gehalten haben, sich an den KKK zu orientieren?

  2. Autor
    Bischof Stefan Oster SDB

    Besten Dank für die Rückmeldung. Zunächst: „Unveränderlichkeit“ habe ich für den Katechismus nicht in Anspruch genommen – wenn Sie meine Predigt oben gelesen haben, sehen Sie, dass ich selbstverständlich Entwicklung sehe – und mit der Lehre der Kirche entwickeln sich auch Katechismen, gar keine Frage. Daher ist der Katechismus aus einer solchen Entwicklungsperspektive durchaus kritisierbar.

    Philosophisch und theologisch überzeugend ist für mich das Allermeiste des Katechismus, gerade weil ich seinen Inhalt als Mitteilung lebendiger Überlieferung begreife und eben nicht als „toten Buchstaben“ geschweige denn „Ideologie“, auch weil ich um die Art der Entstehung weiß, um die Bestätigung des Textes – und weil ich Kirche insgesamt und zuerst personal und nicht zuerst institutionell verstehe – auch als Theologe und Philosoph. Und selbstverständlich gehen dem Katechismus die Schrift, die Väter, die Konzilien, die Liturgie und anderes mehr voraus – und finden hier gewissermaßen eine bestätigte Synthese. Womöglich müssten wir auch darüber sprechen, welchen Dienst das Lehramt damit der Kirche tut und tun will.

    Interessant ist jedenfalls, dass Sie sogleich einen Ideologieverdacht gegen einen vermeintlichen Buchstabenglauben bei mir anbringen, wenn ich mich zum Katechismus bekenne . Aber ganz ehrlich gesagt: Es wundert mich nicht. Und natürlich stellt sich für mich die Frage, ob dem schnellen Ideologieverdacht nicht womöglich selbst eine reflexartige Abwehrhaltung zugrunde liegt, die bestätigt, was ich in der Predigt meinte: Theologische Identität bildet sich bei nicht wenigen unter anderem in der (vermeintlich!) notwendigen Abwehr gegen das Lehramt und nicht grundsätzlich mit ihm – für einen Theologen, der etwas auf sich hält, und nicht seinen „Ruf als Philosoph und Theologe“ auf Spiel setzen will.

    Wenn Sie, wie Sie schreiben, den Katechismus weder theologisch noch philosophisch überzeugend finden, noch etwas in ihm finden können, woran Sie ihr Herz hängen könnten, bedauere ich das sehr. Vielleicht können Sie mir – für eine ernsthafte Auseinandersetzung – Punkte im Katechismus nennen, die theologisch und philosophisch so unmöglich sind, dass ich intellektuell an meiner eigenen Redlichkeit notwendig zweifeln müsste, damit ich verstehe, was Sie meinen. Ehe das passiert bin ich zunächst immer noch dankbar für den Katechismus.
    Nochmals Dank für Ihre Rückmeldung. SO

  3. Manfred Smola

    Die für mich schönste Aussage:

    „Zunächst ist der Glaube unserer Kirche der Maßstab, der mich leitet. Ich halte beispielsweise die Inhalte unseres Katechismus für wahr, im Grunde alle – und zwar aus theologischer und philosophischer Überzeugung. Und ich habe bei meiner Bischofsweihe feierlich versprochen, eben diesen Glauben auch zu schützen und zu verteidigen.“

    Dadurch, dass Sie dieses gegenüber Gott gemachte Versprechen hier nochmals wiederholen und betonen, haben Sie mir und einigen meiner Brüder und Schwestern im Glauben die Hoffnung und Zuversicht gegeben, dass Sie treu und standhaft aus der Siegerseite von Jesus Christus bleiben. Bei manchen Hirten hat man heute leider den Eindruck, dass sie sich eher vom Mainstream, Klimazielen, Uno-Vorgaben und dem Humanismus leiten lassen, als von der Wahrheit. Diese Hirten werden sich einmal verantworten müssen, und wir wissen, dass Geistliche sich einem strengeren Gericht unterziehen müssen, als die „normalen“ Gläubigen. Sind sich diese nicht mehr bewusst, das ihre erste Aufgabe ist, Seelen zu retten (statt z. B. die Umwelt). Wollen diese Hirten von Gott geliebt werden, oder von den Menschen?

    Zugegeben: sich an den Katechismus zu halten, ist nicht immer ganz einfach. Aber wie Jesus schon gesagt hat, ist es letztendlich ein leichtes Joch. Auch wenn es am Anfang schwer fällt, sich von manchen Sünden (liebgewordenen Gewohnheiten) zu lösen, merkt man mit der Zeit, wie das eigene Leben, das auf Gott und seine Gebote ausgerichtet ist, immer besser wird. Was nützt es uns, wenn uns Ohrenschmeichler mit einer verdrehten Wahrheit kommen und die Lehre ändern wollen, so wie es den meisten Menschen passen würde, aber Gott keinen Gefallen daran hat? Für mich sind das satanische Angriffe. Sowas hat es aber in der Kirche seit ihrem Bestehen schon immer gegeben. Warum sollten die Gebote für die „modernen“ Menschen unserer Zeit heute anders sein, als seit 2000 Jahren? Nur weil sie uns nicht mehr passen?

    Die unveränderliche Wahrheit Christi ist der einzige Weg zum ewigen Seelenheil. Genau das steht auf dem Spiel, und wer möchte schon riskieren, dass seine Seele auf ewig verloren geht. Sünder sind und bleiben wir ohnehin alle. Wie gut, dass es dann das Sakrament der Versöhnung (Beichte) gibt. Aber auch das wird von vielen Gläubigen heute verworfen…

    Herzlichen Dank an Sie für Ihre klare Stellungnahme, Exzellenz!

  4. Susanne Moehring

    Sehr verehrte Exzellenz Bischof Oster,
    sehr geehrter Herren,

    ich ergänze Ihre umfassenden Gedanken deshalb, weil mir scheint, daß genau der Teil der Predigt herausgegriffen wurde, der im Gesamtwerk der Botschaft dieser Homilie, sich eigentlich nur an philosophisch und theologische Gebildete richtete. Die Predigt enthält so viele Wahrheiten und korrekte Feststellungen über den Zustand unserer Kirche, als Glaubensgemeinschaft und Leib Christi. An der hier diskutierten Stelle zeigt sich ein Problem speziell unserer deutschen Kirche in ihrem Selbstverständnis der in ihr wirkenden Gebildeten : Die Theologie hat seit der Reformation ihre Balance zwischen Vernunft und Glauben, zwischen Begreifen und geschenkter Erkenntnis verloren.

    Im stetigen Wettstreit intellektueller Diskussionen um und über den Glauben und seine Inhalte, ist die tiefgläubige Reflektion mit dem Verstand zur intellektuellen Rezeption des Glaubens vielfach verkommen.

    Die Philosophie hat den Weg für eine vernunftgetragene Theologie gebahnt. Der Philosophie fehlt aber die Beziehung, das Beziehungsgeschehen zwischen dem dreieinen Gott und den Menschen, die Vater – Kinder Gottes Beziehung und die im Glauben für wahr gehaltene Nähe und kontinuierliche Teilhabe Gottes am Geschehen in der Welt.

    Es gibt wahrlich Philosophen wie Prof. Ullrich, Prof. von Hildebrand etc. die im Glauben den Zenit allen philosophischen Denkens gefunden haben und somit auch zu Botschaftern des Glaubens wurden ohne Theologen zu sein.

    Umgekehrt gibt es aber leider auch viele Theologen, insbesondere seit der Reformation und noch mehr seit der „Aufklärung“, denen die hochmittelalterliche Verbindung von gnadenvoller Erkenntnis aus dem Glauben und rationaler Einsicht auf Grundlage z.B. aristotelischem Denkens, weitgehend abhanden gekommen ist.

    Dies soll hier aber keine längere Abhandlung werden, die selbst wiederum klingen mag, wie ein Disput unter den philosophisch und theologisch (Aus-)Gebildeten, der es dem Gläubigen im Herzen oftmals sehr schwer macht den Glauben unbefangen anzunehmen.

    Auf eines möchte ich hinweisen : Der Katechismus der Katholischen Kirche ist nicht ein Urwerk über den Glauben, von dem sich alle Glaubenssätze oder Überzeugungen eines Katholiken ableiten. Der Katechismus wurde „erfunden“ als Hilfsmittel in der Katechese. Was heißt „Katechese“ ?

    Das Online-Lexikon kathpedia schreibt :
    Katechese war im Urchristentum allgemein die religiöse Unterweisung, vor allem der Taufbewerber (Katechumenen). Heute versteht man unter Katechese den Religionsunterricht, die Erklärung des Katechismus für die Kinder, Jugendliche und Erwachsene, um sie in den Glaubenswahrheiten zu unterrichten und zu einem Leben aus dem Glauben und der Nachfolge Christi anzuhalten (vgl. Catechesi tradendae Nr. 18-20.

    Der erste Ort für die Katechese ist die Hauskirche.
    ————————————————————————-

    Die katholische Kirche, vertreten durch den Papst, die Bischöfe und auch gelehrte Theologen, Geistliche und im Glauben tief verwurzelte Menschen, hat sich überlegt, wie alle über 2000 Jahre als Glaubensinhalte, Glaubenswahrheiten, in Traditionen manifestierte Lebensregeln sich für die Hauskirche zusammenfassen lassen.

    Der Katechismus ist ein „Handbuch“ zur Glaubensunterweisung, eine Zusammenfassung in komprimierter Form des oftmals so schwer zu begreifenden Glauben in seiner Vielfalt und Dringlichkeit bezogen auf den Alltag der Menschen.

    Ich erinnere an den YOUCAT, den Jugend Katechismus. Darin wurde auch der Versuch unternommen, und er hat weltweit Anklang gefunden, die Glaubensinhalte der Gemeinschaft der katholisch Gläubigen, so abzufassen, daß die in unserer Zeit leider sehr unwissend und unbeholfen auf den Glauben Zugehenden darin (einfache) Antworten finden.

    Sprache ist in diesem Zusammenhang immer ein Problem. Denn legen Sie den deutschen YOUCAT, einen englischen und weitere nebeneinander und würden sie dann über ein und denselben Absatz mit Menschen verschiedener Sprachherkunft diskutieren, würden bereits Verständnisunterschiede zu Tage treten. Aber deshalb müssen wir uns auch davor schützen in übertriebenem Maße an Formulierungen zu hängen. Ander sieht es beim den formulierten Inhalten aus. Diese beinhalten grundsätzliche Wahrheiten und Überzeugungen, die philosophisch und theologisch begründet, aber in ihrer Begründung nicht ausgefaltet wurden, um dem Zweck des halbwegs einfachen Verstehens noch zu dienen.

    Lange Rede kurzer Sinn : Oftmals wird „der Kirche“ vorgeworfen sich inhaltlichen Diskussionen im „Elfenbeinturm“ hinzugeben anstatt „in der Welt zu sein“. Hier wird vielmehr als dringend notwendig zu sehen sein, daß diejenigen, die um die Hintergründe und Wahrheiten des Glaubens mehr wissen als andere, direkt „in der Welt“ aber eben nicht „von der Welt“ diese Glaubensinhalte und Freude am Glauben so leben, wie es wohl noch im Hochmittelalter zu Zeiten eines Thomas von Aquin oder eines Albertus Magnus möglich war.

    Unser Bischof schafft es auch meiner Sicht hervorragend das tiefe Wissen und den authentisch gelebten Glauben darin zu verbinden Glaubensinhalte und die Nähe Gottes auch in Worte zu fassen, die Jugendliche bei BnP und Menschen in seinen Predigten hören können.

    Ich würde mir vielmehr wünschen, wenn ein jeder, der intellektuell gebildet in die Lage versetzt wurde sich über Philosophie, Theologie, KKK, Differenzen im Glauben nachzudenken, in die Wagschale der geschenkten Glaubensfreude den Drang zur „Mission“ legen würde, um beides wieder in Balance zu bringen.

    „Mission“ wurde auch zum Reizwort aber der Missionsauftrag am Ende des Markusevangeliums meint nichts Negatives, sondern vielleicht heute formuliert einen Appell :
    „Geht hinaus, habt als Vision die Menschen zu Jüngern zu machen. Dabei aber macht Euch erst einmal wieder auf den Weg wie die ersten Apostel und erzählt den Menschen von mir, Jesus Christus, meinem Vater, Eurem Vater im Himmel und dem ihnen zur Seite stehenden Heiligen Geist. Helft Ihnen mich Jesus zu verstehen und zu lieben. Verstand kommt durch Lehre und vielmehr noch Vorbild. Liebe entsteht nur dort, wo bereits die Liebe Gottes erwidert wird – in der Familie, im Freundeskreis, in der Gemeinde ..“

    Die Familien essen nicht mehr gemeinsam und sprechen somit kein gemeinsames Tischgebet mehr. Sonntags wird gerne ausgeschlafen, um einen Tag der Woche zu „chillen“. In der mit Informationen und Bildeindrücken überfluteten Gesellschaft wollen viele mal einen Tag „ihre Ruhe haben“. Ein sehr einsamer Zustand. Erzählen wir diesen Einsamen in einfachen Worten, vielleicht auch am Beispiel des KKK in einem Punkt, was wir so wichtig für UNS daran halten, daß wir dafür Zeit und Herzblut aufwenden. Nehmen wir sie einfach mit. Und vor allem kommen wir nicht mit lauter rhetorischen Rückzugslinien, und Betonungen, wie „alles irgendwie ja paßt“ und alle irgendwie ja in einem „Weltethos“ an irgendwie einen Gott glauben. Jesus Christus wartet auf diejenigen, die den Menschen Sein Leben, Sein Leiden, Seine Auferstehung und Sein Versprechen glaubhaft, glücklich und mit vollem Einsatz bereit sind vorzustellen und sie mitzunehmen.

    Hochachtungsvoll an alle, die genau diesen Einsatz leben
    Susanne Möhring

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