Pontifikalgottesdienst zu Ehren des Heiligen Bruder Konrad

In Predigten von Pressestellekommentieren

Liebe Schwestern, liebe Brüder,

in den vergangenen Tagen beschäftigt mich ein Wort von Madeleine Delbrel, jener großen Französin aus dem letzten Jahrhundert, von der man gesagt hat, sie sei eine „Mystikerin der Straße“. Sie hatte sich als junge Frau vom Atheismus zum Christentum bekehrt und war fortan als Sozialarbeiterin engagiert in der Sorge um die einfachen Leute, die Arbeiter, die Geringverdiener, die Armen. Sie tat es aus einer tiefen Christusliebe und Verbundenheit. Und warum ich am heutigen Bruder-Konrad-Tag Madeleine Delbrel zitieren möchte, hängt mit dem so genannten kleinen Weg zusammen, dem kleinen Weg der Christusnachfolge, der Heiligkeit, den auch Bruder Konrad gegangen ist. Bildlich gesprochen wäre der große Weg vielleicht ein spektakuläres Martyrium vor den Augen der Öffentlichkeit, eine Lebenshingabe, ein für allemal und ganz, die auch den Tod einschließt. Dieses „groß“ oder „klein“ möchte ich hier nicht werten, denn der einzige, der wirklich beurteilen kann, was hier groß oder klein wäre, ist unser Herr.

Aber das, was in der Geschichte des geistlichen Lebens der kleine Weg heißt, ist die innere Verfügbarkeit in jedem Augenblick des Lebens, ganz besonders auch in den kleinen Dingen. Das ist zumindest der Weg, der für die meisten von uns vorgesehen ist. Tun wir die kleinen Dinge für den Herrn oder tun wir sie doch vor allem zum eigenen Genuss, zum eigenen Wohlleben, zur eigenen Anerkennung und vieles mehr? Und Madeleine Delbrel macht in ein einem sehr schönen Zitat deutlich, wie dieser kleine Weg aussehen kann. Ich zitiere:

„Schon am Morgen suchen sie uns auf: unsere Nerven gehen uns so leicht durch, … die Milch läuft über …, die Kinder verderben alles, der Mann bringt Gäste mit, die Freunde erscheinen nicht, das Telefon läutet ununterbrochen, die, die wir lieben, streiten sich; man möchte schweigen und muss sprechen, man möchte sprechen und muss schweigen, man möchte ausgehen und muss daheimbleiben, man möchte daheimbleiben und muss weggehen, man möchte sich auf den Ehemann stützen, und der wird schwach wie ein Kind; die tägliche Arbeit wird uns langweilig … So treten die Geduldsübungen an uns heran, neben- oder hintereinander, und sie vergessen immer, uns zu sagen, dass sie das Martyrium sind, das für uns vorgesehen ist. Wir aber lassen sie mit Verachtung an uns vorüberziehen und warten auf eine Gelegenheit, die der Mühe wert wäre.“

Die kleinen Dinge des Alltags, die uns nerven, belasten, ärgern, die uns strapazieren. Sie einfach anzunehmen für Jesus, mit Jesus, in der Liebe, die einfach umsonst ist, die nichts für sich will, sondern einfach achtsam sein, dienen will, da sein will. Das ist der Weg, den auch unser Bruder Konrad gegangen ist, den Weg des Zeugnisses, des Martyriums in den kleinen Dingen des Alltags, in den unzähligen Anliegen, Sorgen, Gebrechlichkeiten der Altötting-Pilger, der Gläubigen, der einfachen Leute, die täglich, oft minütlich an seine Pforte geklopft haben.

Bruder Konrad hat offenbar immerzu im tiefen Respekt vor den Menschen und den Dingen, einfach treu seinen Dienst getan – weil er der Überzeugung war, dass ihm unser Herr in allem entgegen kam. In den kleinen Dingen, in den kleinen Menschen, in den in den Augen der Welt Niedrigen, aber auch in dem Abstieg in die Niedrigkeit der kleinen, unscheinbaren, der oft lästigen Gelegenheiten. Darin, mitten darin, begegnet Bruder Konrad dem Herrn. Er begegnet Jesus, der sich nicht gescheut hat, ins Niedrigste, ins Kleinste hinabzusteigen. Und auf diesem Weg hat Bruder Konrad immer mehr zu Gott und zu sich selbst gefunden. Auf diesem Weg, den Gott für ihn vorbereitet hatte, ist er geworden, wer er war und ist. Der Heilige, der Erwählte. Erwählung ist – so sagt uns Paulus heute in der Lesung – Erwählung ist erstens Sache Gottes, und zweitens legt er sie so in unser Leben, dass wir in der Hingabe lernen, sie zu ergreifen. Wir ergreifen sie nicht durch Einbildung, nicht durch Selbstverwirklichung, nicht dadurch, dass wir meinen, wie großartig wir sind; sondern wir ergreifen sie als Antwort, als Antwort auf das, was Gott für uns jeden Tag und jede Stunde bereit hält. Hören wir noch einmal Paulus:

„Da sind nicht viele Weise im irdischen Sinn, nicht viele Mächtige, nicht viele Vornehme unter den Erwählten, sondern das Törichte in der Welt hat Gott erwählt, um die Weisen zuschanden zu machen, und das Schwache in der Welt hat Gott erwählt, um das Starke zuschanden zu machen. Und das Niedrige und das Verachtete in der Welt hat Gott erwählt, das was nichts ist, um das, was etwas ist, zu vernichten, damit kein Mensch sich rühmen kann vor Gott.“

Bruder Konrad, liebe Schwestern und Brüder, wäre nie im Traum darauf gekommen, sich zu rühmen vor Gott. Vielmehr hat er dankbar und in beständiger innerer Verbundenheit vor seinem Herrn gelebt und vor und mit der Mutter Gottes zusammen hat er diesem Gott ständig die Ehre gegeben.
Bei Bruder Konrad sieht man, dass Dienstbereitschaft und die Gottesverehrung nicht zwei verschiedene Aspekte sind, sondern letztlich sich beide aus derselben Quelle speisen, aus Jesus, dem Diener aller, der gerade dadurch den Vater geehrt und verherrlicht hat, dass er sich verschenkt und erniedrigt hat. Das Gebet des Bruder Konrad ist wie sein Dienst klein, das kleine Gebet, das leise Gebet, die selbstverständliche, unspektakuläre Treue, das Opfer, das die anderen mit einbezieht.

Wir danken Gott, dass er diesen kleinen, großen Mann erwählt hat und dass wir ihn in unserem Bistum als Patron verehren dürfen. Hl. Bruder Konrad, bitte für uns. Amen.

Bild: Pressestelle Bistum Passau

 

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