Willibaldswoche in Eichstätt

In Predigten von Pressestellekommentieren

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben,

in der ersten Lesung aus dem Hebräerbrief sind wir zweimal mit dem Wort Opfer konfrontiert worden. Und wenigstens einmal davon kommt es in einem Zusammenhang vor, der gar nicht selbstverständlich ist. Da sagt der Autor: „Durch ihn, also durch Christus, lasst uns Gott allezeit das Opfer des Lobes darbringen, nämlich die Frucht der Lippen, die seinen Namen preisen.“

Es ist also ein Opfer, wenn wir Gott loben und preisen? Warum ist das so? Schauen wir auf die Praxis unseres Gebetes? Wann und wie beten wir und wer steht da eigentlich im Mittelpunkt? Ist es nicht meistens so, dass wir mit Gott sprechen und dabei den Fokus auf uns selbst haben? Ist es nicht so, dass wir Gott meistens unser eigenes Leben erzählen? Dass wir ihn bitten, es für uns recht zu machen? Oder dass wir ihm danken, weil es grad für mich so gut läuft? Oder dass wir ihn bitten, für andere etwas zu tun, die uns am Herzen liegen? Verstehen Sie mich nicht falsch: alles das sind Weisen des Gebetes, die gut und recht und zutiefst biblisch sind. Gott will, dass wir ihm unsere Not, unseren Dank und auch die Not der anderen im Gebet bringen. Aber davon spricht der Hebräerbrief hier nicht. Er spricht vom Lob, von der Frucht der Lippen, die seinen Namen preisen. Liebe Schwestern und Brüder, wenn wir in dieser Welt einmal von Schönheit oder Wahrheit oder tiefer Güte berührt werden, dann neigen wir doch dazu, das auch zu sagen, einfach so. Wir rufen dann innerlich oder auch mit Worten aus vollem Herzen aus: Wie schön, wie großartig! Einfach, weil wir innerlich spüren: Wir sind herausgefordert, diese Schönheit oder Wahrheit oder Güte auszusprechen, zu bekennen.

Und wie ist das mit Gott? Wir sehen ihn ja gar nicht, wir erkennen seine Wahrheit und Schönheit und Güte gar nicht mit unseren Sinnen. Aber, meine Lieben, wir können Christus erkennen, er hat sich uns gezeigt und geschenkt – und durch ihn haben wir neu verstehen gelernt, wer Gott ist, wer der Vater ist, wie sehr er in und durch Christus die Welt liebt. Im Glauben können wir also eine unfassbare Schönheit, Wahrheit, Güte Gottes erfassen. Und wenn wir im Herzen davon wirklich berührt werden, dann bringen wir Gott unser Lob! Warum? Einfach weil er ist, wie er ist. Einfach weil er großartig und wundervoll und majestätisch und herrlich ist. Einfach weil wir, wenn wir an ihn denken, gar nicht anders können, als zu loben und zu preisen. Weil die Frucht der Lippen zuvor im Herzen gewachsen ist. Wenn wir wirklich Christus begegnen, wie Papst Franziskus in seinem Schreiben Evangelii Gaudium gesagt hat, wenn wir ihm wirklich begegnen, dann erfüllt das unser ganzes Herz und unser Leben mit Freude?  Und warum ist der Lobpreis dann ein Opfer? Ich würde zwei Antworten geben wollen: Erstens weil es eine reine Gabe ist, die nicht einfach etwas zurück möchte, die nicht sagt: Jetzt habe ich Dir zwei Stunden mein Lob gesungen, jetzt muss aber mal endlich was rüberkommen für mich. Nein, wenn Sie vor einem wundervollen Kunstwerk stehen und es voller Lob und innerer Freude betrachten, dann fragen Sie auch nicht: Was krieg ich jetzt dafür, dass ich das Bild lobe? Vielmehr ist es für Sie einfach schön, Ihrer Freude Ausdruck zu verschaffen – und nichts weiter. Und so ist es mit Gott: Wenn wir Ihm wirklich glauben, dann ist unser Lobpreis reine Gabe, ein Opfer, weil es gleichsam für nichts ist. Es kann in dieser Welt nicht verrechnet werden mit einer Gegengabe. Und daraus zeigt sich schon der zweite Aspekt an dem Wort Opfer: Weil wir Gott im Glauben loben, einfach so, weil er herrlich ist, dann wird eine glaubenslose Welt sagen: „Warum betest Du, warum singst Du Loblieder? Das bringt doch nichts. Es ist völlig umsonst. Da hast Du doch nichts davon.“ Und als Gläubige antworten wir: „Genau, ich hab nichts davon. Ich kann davon nicht runterbeißen. Ich geb einfach nur mein Herz und meine Zeit – für Gott. Einfach, weil er ER selbst ist. Es ist mein Opfer für ihn.“

Liebe Schwestern und Brüder, ist nicht jeder Akt wirklicher Liebe auch innerweltlich ein Opfer, ist er nicht verschwenderisch, weil er mit nichts verrechnet werden kann, sondern weil er einfach um der geliebten Person willen erfolgt? Sehnen wir uns nicht alle nach solchen Arten der Liebe, in denen wir einfach nur um unserer selbst willen geliebt werden? Und ist also nicht das Lob Gottes einfach ein Akt der Liebe, den wir ihm schenken, weil wir ihn verehren, um seinetwillen? Ein alter geistlicher Lehrer hat mir einmal in diesem Sinne gesagt: Ob Ihr geistliches Leben einigermaßen in Ordnung ist, das kann man an der Antwort auf zwei Fragen erkennen. Die erste: Wann hast Du Dich zuletzt an Deinem Gott wirklich gefreut? Und die zweite: Und wann hast Du jemand anderem von dieser Freude erzählt? Man könnte im hier gemeinten Sinn auch noch hinzufügen: Wann war Deine Erzählung von Gott einfach der Lobpreis Deiner Lippen?

Liebe Schwestern und Brüder, lassen Sie uns von hier aus noch einen kurzen Blick in das heutige Evangelium werfen: Petrus sagt zu Jesus: Wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt. Was bekommen wir dafür? Und Jesus spricht in seiner Antwort zuerst davon, dass seine Nachfolger in der kommenden Welt mit ihm auf dem Thron sitzen werden. Und jeder, der um seines Namens willen, alles verlassen hat, werde das Hundertfache erhalten und das ewige Leben gewinnen. Auch hier wieder, Schwestern und Brüder, stellt sich an uns die Frage: warum handeln wir für Christus? Weil wir von den anderen gelobt und gesehen werden wollen? Weil wir uns dabei gut fühlen wollen? Weil wir unser schlechtes Gewissen abarbeiten wollen? Alles das sind keine Gründe, die in der Tiefe unserem Herrn angemessen sind. Der einzig angemessene Grund ist: Um seinetwillen. Oder wie es hier im Text hieß: um seines Namens willen. Aber dazu, liebe Schwestern und Brüder, dazu müssten wir ihn erkannt haben, dazu müssten wir von ihm berührt worden sein, von seiner Gegenwart, seiner Wahrheit, seiner Güte, dafür müssten wir uns halt auch mit ihm beschäftigt haben, beispielsweise mit seinem Wort. Dann, wenn es uns im Herzen wirklich um Jesus geht, dann ist er auch der Bezugspunkt unserer Erwartung, unserer Hoffnung, unseres Lohnes. Und dann wird auch unser eigenes Handeln an den anderen Menschen eine neue Perspektive gewinnen. Wenn wir nämlich den anderen dienen um Jesu willen, dann dienen wir ihnen erst wirklich. Denn dann handeln wir an ihnen einfach deshalb, weil sie seine Geschöpfe sind und weil er sie genauso liebt wie mich, und nicht, weil ich mir im Grunde doch von ihnen den Lohn, die Anerkennung, die Gunst erwarte. „Wenn ihr nur die liebt, die euch lieben“, sagt Jesus, „was könnt ihr dafür erwarten? Das tun auch die, die nicht an Gott glauben.“

Das Evangelium von der Frage des Petrus nach dem Lohn, das wir hier in der Version des Matthäus gehört haben, das hat im Lukas-Evangelium noch einmal eine zusätzliche Note: Lukas sagt ausdrücklich: Diejenigen, die um meinetwillen alles verlassen, die werden schon in dieser Welt ein Vielfaches erhalten und in der kommenden Welt das ewige Leben. Mich interessiert hier dieses: Schon in dieser Welt! Liebe Schwestern und Brüder, das hängt mit alledem zusammen, was ich vorher zu sagen versuchte. Wenn wir Jesus wirklich einmal erkannt und berührt und im Herzen haben, dann ist es im Grunde, wie im Gleichnis mit dem Schatz im Acker: dann braucht es keinen anderen Lohn, dann schmeckt der Erfolg und die Anerkennung dieser Welt nicht mehr so, weil jeder Lohn hinter der Erfahrung zurückbleibt: Er, er selbst ist meine Freude, mein Anfang, mein Weg, mein Ziel. Liebe Schwestern und Brüder, wir kennen in IHM wirklich den Sinn und den Ursprung des Lebens, wir kennen in auch IHM das Ziel des Lebens und wir kennen in Ihm den, der sich vom Ursprung zum Ziel auch noch als der Weg selbst anbietet. Was könnte da besser sein, als ihm das Opfer des Lobes, die Frucht unserer Lippen darzubringen und ihm unser Herz und unser Leben zu schenken. Amen

Bild: Pressestelle Bistum Passau

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