Missionare: Diener der Freude – Die Predigt von Bischof Stefan Oster am Hochfest des Heiligen Valentin 2026 im Passauer Stephansdom hier Video und Audio.
90 Jahre Passauer Bistumsblatt, die Vorstellung des neuen Synodalteams des Bistums Passau und der Segen für die neuen Pfarrgemeinderatsvorsitzenden: Beim diesjährigen Hochfest des Heiligen Valentin, Diözesanpatron des Bistums Passau, gab es viel zu feiern. So hat Bischof Stefan Oster zum 90-jährigen Jubiläum des Bistumsblatts eine Kerze gesegnet. Und den neuen Pfarrgemeinderatsvorsitzenden sowie dem neuen Synodalteam hat er seinen Segen erteilt und ihnen für ihren wertvollen Dienst für die Kirche von Passau gedankt. Zahlreiche Gläubige haben den feierlichen Pontifikalgottesdienst im Passauer Stephansdom am 1. Juli miterlebt, der im Rahmen der 11. Maria-Hilf-Woche stattfand. In seiner Predigt sprach der Bischof über das Thema „Missionare: Diener der Freude“.
Missionare: Diener der Freude
„Unsere Kirche von Passau ist von außen missioniert worden, durch Menschen wie den Heiligen Valentin, der aus den heutigen Niederlanden kam und hier das Evangelium verkündete“, eröffnete Bischof Stefan Oster seine Predigt. Er stellte den Gläubigen die Frage: Was bedeutet heute Mission? Innerhalb der Kirche sei das Wort eher negativ beladen. Niemand wolle gerne missioniert werden. Außerhalb der Kirche sei gerade das Gegenteil der Fall. Das englische Wort „mission“ ist bei Firmen sehr beliebt. Sie formulieren „mission claims“, um ihre Produkte oder Dienstleistungen besser zu anzupreisen und motivierende Statements zu formulieren. „Andere Organisationen übernehmen unseren Begriff und besetzen ihn wieder positiv“, so der Bischof. Er erzählte in seiner Predigt von einem englischen Sozialpsychologen, der ein sehr markantes Experiment in den 80er-Jahren durchgeführt hatte. Etwa 50 Frauen und Männer wurden in einem spiegellosen Raum versammelt. In dem Experiment ging es vermeintlich darum, wie Menschen auf andere Menschen reagieren, die entstellt sind. Visagisten sorgten für Narben quer über das Gesicht der Teilnehmenden, danach sollten diese hinausgehen und anderen Menschen begegnen. Die Erfahrung war, dass die Mehrheit sich angestarrt gefühlt habe, dass sie Vorurteilen begegnet seien und dass sie sich herabgewürdigt fühlten, so der Bischof. „Das interessante an dem Experiment ist aber, dass die Menschen sich vor dem Hinausgehen im Spiegel betrachtet haben. Vor dem Hinausgehen haben die Visagisten unter dem Vorwand, dass sie noch etwas korrigieren möchten, allen die Narben wieder weggemacht“, so der Bischof. Dennoch fühlten sie sich ohne Narben angestarrt und negativ beurteilt.
Mission statt Menschenfurcht
„Wie ist das jetzt mit uns als Angehörige der Kirche“, fragte der Bischof die Gläubigen. Beinahe jeden Tag lese man etwas Negatives über die Kirche und man fühle sich von vorneherein komisch beurteilt. „Der oder die ist von der Kirche? Der oder die ist jetzt sogar Pfarrgemeinderatsvorsitzende oder Pfarrgemeinderatsvorsitzender? Um Gottes Willen“, beschreibt der Bischof eine mögliche Reaktion. „Da geht man gewissermaßen mit vernarbtem Gesicht hinaus und denkt sich: was denken die anderen? Die starren mich an. Da geh ich doch lieber in Deckung.“ Es sei schon in der Antike so gewesen. Menschenfurcht hindere uns daran, freimütig und freudig von unserem Glauben zu erzählen. Der Bischof betonte aber zugleich, dass ein jeder von uns seinen Glauben einer anderen Person verdanke, „die diesen Glauben überzeugend vorgelebt, verkündet oder bezeugt hat.“ Wir haben den Glauben geschenkt bekommen und es sei wichtig, sich immer wieder daran zu erinnern. Der Glaube ist ein Geschenk, das wir nicht aus uns selbst haben. Der Herr geht mit uns durch die Zeit. „Er ist bei uns, was immer auch passieren mag. In guten wie in schlechten Tagen. Davon kommen auch der Trost, die Hoffnung und die Freude“, so der Bischof. „Es gibt eine Freude, die nicht aus uns selbst kommt, die uns geschenkt ist und die wir miteinander teilen können.“
Einer der schönsten Begriffe von Mission ist: „Den anderen einzuladen in die Freude.“ Die Kirche sei auch ein Club der Sünder, dennoch ist sie dafür da, dass aus Sündern hoffentlich heiligere und freudigere Menschen werden. „Daher ist unser Dienst für die Welt: der Welt vorzuschlagen, in die Freude zu finden. In den größeren Sinn“, so der Bischof. Als Gefahr sehe der Bischof, dass wir vergessen, diese Diener der Freude zu sein, dass wir selbst die Beziehung zu dem nicht pflegen, der uns die Freude schenkt. Der Bischof erzählte von seiner Reise nach Malawi, in eines der ärmsten Länder der Welt. „Die Menschen haben keine Hoffnung, was die Politik und den Staat angeht. Aber solche Hoffnung und Freude im Glauben“, so der Bischof tief beeindruckt. Wenn man merke, dass einem diese tiefe geschenkte Freude vielleicht abhandenkommt, dann gehen wir mit IHM in die Stille oder wir suchen das Gespräch mit Menschen bei denen wir spüren: der oder die hat die Freude.“
Diener der Freude
Die drei Gruppen, die im Rahmen des Gottesdienstes in besonderer Weise gewürdigt wurden, „die dienen dem Geheimnis“, das die Freude bringt. Das Bistumsblatt berichtet seit 90 Jahren über das gläubige Leben in der Kirche von Passau. Sie tun es „in spannenden Geschichten, in tiefgründigen Artikeln mit der Auslegung des Evangeliums oder wunderbaren Reportagen. Und sie stiften Einheit und Gemeinschaft“, so der Bischof. Seinen großen Dank richtete er auch an die noch frisch gewählten Pfarrgemeinderätinnen und -räte und die Pfarrgemeinderatsvorsitzenden. „Wie schön ist das, dass Sie Kirche von Passau mitgestalten!“. Und auch an das Synodalteam richtete Bischof Stefan direkt sein Wort. „Synodalität heißt: miteinander gehen in der Freude. Lassen Sie uns das Miteinander einüben liebe Brüder und Schwestern. Danke für Ihren Dienst!“
Die Predigt als Podcast zum Nachhören
Hören Sie auch die Predigt vom letzten Jahr: Identität als Kind Gottes
