Foto: Dionys Asenkerschbaumer

Die Frage aller Fragen: Ist Gott wirklich da?

Die Frage aller Fragen: Ist Gott wirklich da? Die Predigt von Bischof Stefan im Festgottesdienst anlässlich des 950jährigen Bestehens der Pfarrei Kellberg.

Mit einem festlichen Gottesdienst, einer großen Prozession und der Einweihung eines neu gestalteten Denkmals hat die Pfarrei St. Blasius Kellberg einen Höhepunkt ihres Jubiläumsjahres zum 950-jährigen Bestehen gefeiert. Zahlreiche Vereine mit ihren Fahnenabordnungen, pfarrliche Gruppen, Erstkommunionkinder, Firmlinge und Vertreter aus dem gesamten Pfarrverband begleiteten den Bischof vom Festplatz zur Pfarrkirche St. Blasius. Dort wurde er unter Glockengeläut und Orgelklängen empfangen. Pfarrgemeinderatsvorsitzender Hans Käser begrüßte neben Bischof Stefan Oster SDB unter anderem Priorin Sr. Lucia aus Thyrnau, Bundestagsabgeordneten Hans Koller, die stellvertretende Landrätin Cornelia Wasner-Sommer, Bürgermeister Franz Mautner sowie Vertreter der Vereine und zahlreiche Gläubige.

Hans Käser erinnerte daran, dass im Laufe der Jahrhunderte vieles vom „Staub der Geschichte“ bedeckt worden sei. Geblieben sei jedoch das Wesentliche: der Glaube, der von Generation zu Generation weitergetragen worden sei und die Menschen bis heute verbinde. Für die Zukunft warb er für eine hörende Kirche, die auf Gottes Wort, aufeinander und auf das Wirken des Heiligen Geistes höre.

„Eine Stadt, die auf dem Berg liegt“

Den Pontifikalgottesdienst feierte Bischof Oster gemeinsam mit Pfarrer Andreas Erndl sowie den Pfarrern im Ruhestand Herbert Oberneder und Alois Anetseder. Diakon Christoph Kochmann assistierte bei der Feier.

„Eine Stadt, die auf dem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben!“, begann Oster seine Predigt. Ausgehend von der besonderen Lage Kellbergs schlug er den Bogen zu den zahlreichen Bergen der Heiligen Schrift. Von Sinai und Morija über den Zionsberg bis zur Bergpredigt, der Verklärung Jesu und Golgotha seien Berge Orte entscheidender Begegnungen mit Gott. Auf einem Berg, so der Bischof, scheine der Mensch dem Himmel näher zu sein.

Zugleich stellte Bischof Oster die Frage, die angesichts gesellschaftlicher und kirchlicher Veränderungen viele Menschen beschäftige: „Ist Gott wirklich da?“ Die Kirche befinde sich in einem tiefgreifenden Veränderungsprozess, der sowohl gesellschaftliche Ursachen habe als auch durch eigenes Versagen mitbedingt sei. Gerade in solchen Zeiten komme es darauf an, die Gegenwart Gottes neu wahrzunehmen.

Gott im „leisen Säuseln“ erfahren

Am Beispiel des Propheten Elija verwies Bischof Stefan Oster darauf, dass Gott nicht unbedingt im Spektakulären erfahrbar werde. Elija begegne Gott am Horeb nicht im Sturm, im Erdbeben oder im Feuer, sondern im „leisen Säuseln“. Dies stelle auch für die Gegenwart eine Herausforderung dar: In einer von Bildern, Informationen und Krisen geprägten Zeit stelle sich die Frage, ob Menschen noch Stille aushielten und offen dafür seien, Gott darin zu begegnen.

Der Glaube könne dabei zum tragenden Fundament werden. Aus der Beziehung zu Gott erwachse zugleich die Kraft, sich dem Mitmenschen zuzuwenden und Verantwortung für andere zu übernehmen. Bischof Oster wünschte der Pfarrei einen solchen Glauben für die kommenden 50 ebenso wie für die nächsten 950 Jahre.

Denkmal erinnert an die Glaubensgeschichte

Im Anschluss an den Gottesdienst enthüllten der Künstler Alfred Seidel und Bischof Oster das neu gestaltete Denkmal vor dem Hauptportal. Es zeigt den Kellberger Kirchturm auf einem bergförmigen Quarzfindling, auf den von beiden Seiten Menschengruppen zugehen. Das Werk erinnert an die frühere Bedeutung Kellbergs als Pfarrzentrum und steht zugleich für die Gemeinschaft der Gläubigen. Für die Bronzeplastik wurde von Menschen aus dem Ort gespendetes Metall eingeschmolzen. Bischof Oster segnete das Denkmal mit Weihwasser und Weihrauch. Beim anschließenden Treffen im Kurgästehaus dankte Pfarrer Andreas Erndl den Verantwortlichen für die Vorbereitung des Festes und des gesamten Jubiläumsjahres.

Auch die Geschichte der Pfarrei selbst wird im Jubiläumsjahr noch einmal genauer erzählt. Zum Erntedankfest soll ein Büchlein mit interessanten und kuriosen „Geschichten zur Geschichte von Kellberg“ erscheinen. Mitherausgeber und Gestalter Dionys Asenkerschbaumer gab beim Fest bereits einen kleinen Vorgeschmack und erzählte unter anderem von einer nächtlichen Begegnung mit dem Teufel auf dem Kellberger Friedhof. Am Ende stellte sich allerdings heraus: Es war lediglich eine ausgebüxte Geiß.

Die Predigt „Die Frage aller Fragen: Ist Gott wirklich da? “ von Bischof Stefan Oster beim Altmannfest in Kellberg kann hier nachgehört und heruntergeladen werden:


Lesen Sie auch die Predigt „Die Augen des Herzens reinigen – um Seine Herrlichkeit zu sehen“ von Bischof Stefan Oster zur Diakonenweihe von Christoph Kochmann im Jahr 2016.