Dein Angesicht, Herr, will ich suchen. Anwege zum Vater Unser

„Dein Angesicht, Herr, will ich suchen“ (Ps 27,8) – Anwege zum Vater Unser. Der Vortrag von Bischof Stefan Oster am Gebetsabend in Passau.

„Dein Angesicht, Herr, will ich suchen.“ Dieses Wort aus den Psalmen steht im Zentrum einer uralten Sehnsucht: der Wunsch des Menschen, Gott nicht nur zu glauben, sondern ihm nahe zu sein. Denn der Mensch weiß aus dem Glauben Israels, dass niemand Gott in seiner vollen Herrlichkeit von Angesicht zu Angesicht sehen kann, ohne zu vergehen – und doch bleibt das Verlangen, sein Antlitz nicht verborgen zu wissen und seine Gegenwart im eigenen Leben zu erfahren.

Der Glaube Israels erzählt von einem Gott, der den Menschen nicht loslässt. Er schließt einen Bund, geht mit seinem Volk durch die Geschichte und lädt immer wieder ein, ihm zu vertrauen – nicht als Besitz, nicht als Gegenstand, sondern als Du, als lebendige Person, die Freiheit schenkt und Frieden verheißt.

Das Evangelium führt diese Sehnsucht weiter und radikal neu: Gott gibt sich ein menschliches Gesicht. In Jesus wird sichtbar, wer der Vater ist. „Wer mich sieht, sieht den Vater“, sagt er. Nicht ein ferner Gott, sondern ein Vater, der liebt, trägt und umarmt – selbst mitten in einer gebrochenen Welt. In Jesus erfahren wir die vermittelte Unmittelbarkeit.

Und die Frage bleibt: Wie lassen wir uns hineinlieben in diese Nähe? Wie lernen wir, Gott nicht festzuhalten, sondern ihm zu begegnen – in Freiheit, im Frieden, als Kinder eines Vaters, der uns längst erwartet? Das erfahrt ihr im Vortrag von Bischof Stefan Oster.

Der Vortrag oben als Video – und hier zum Nachhören: