Foto: Synodaler Weg / Marko Orlovic

Interview: Abschluss des Synodalen Weges

Mit der letzten Sitzung von 29.01. – 01.02.2026 endet der Synodale Weg in Deutschland. In einem Interview mit dem Passauer Bistumsblatt äußert sich Bischof Stefan Oster ausführlich zur letzten Sitzung.

Das vollständige Interview hier zum Nachlesen:

Herr Bischof Oster, mit welchem Gefühl gingen Sie aus dieser letzten Sitzung des Synodalen Weges?

Zunächst im Blick auf entstandene Beziehungen: Ich bin auf diesem Weg vielen engagierten Kirchenleuten aus dem ganzen Bundesgebiet begegnet und mit einigen auch ins nähere Gespräch gekommen. Das war menschlich und inhaltlich immer bereichernd. Dafür bin ich dankbar. In der Sache selbst war ich ja in mehrfacher Hinsicht kritisch, weil ich gesehen habe: Hier geht es um Reformforderungen, die einen sehr zentralen Kern der Kirche berühren, nämlich das, was wir theologisch die sakramentale Verfassung der Kirche nennen. Würden alle Reformforderungen des Synodalen Weges umgesetzt, wäre das sehr grundsätzlich der Weg in eine andere Art von Kirche.

Gibt es Beschlüsse, bei denen Sie bewusst sagen: Diesen Weg gehe ich nicht mit?

Ein Beispiel: Im Laufe des Weges hat es ja vor einigen Jahren einen theologischen Grundlagentext als Vorschlag gegeben, der eine neue Sexualethik beinhaltet hat. Dieser Text ist im Grunde gegen die Erwartungen der meisten Synodalen bei der Abstimmung durchgefallen, weil er nicht die nötige Mehrheit der Bischöfe gefunden hat. Ich habe damals auch gegen diesen Text gestimmt – auch wenn ich natürlich selbst sehe, dass die derzeit geltende kirchliche Lehre zu diesem Thema weitere Vertiefung und Differenzierungen braucht. Aber der damalige Textentwurf ging aus meiner Sicht viel zu weit. Ich bin überzeugt, dass er auch unter den Gläubigen Polarisierungen verstärkt hätte.

Der Vatikan hat mehrfach Grenzen aufgezeigt. Haben die deutschen Bischöfe Ihrer Meinung nach ausreichend auf die Warnungen aus Rom gehört?

Nein. Ich bin der Ansicht, dass sich die Polarisierungen innerhalb des Volkes Gottes, innerhalb der Bischofskonferenz wie auch zwischen der Kirche in Deutschland und der Weltkirche durch den Synodalen Weg eher verstärkt haben. Und ich hoffe, dass es gelingen kann, nun wieder verstärkt an der Einheit zu arbeiten.

Der Synodale Weg entstand auch als Reaktion auf den Missbrauchsskandal. Hat er diesem Anspruch gerecht werden können?

Tatsächlich ist das ein Feld, auf dem wir als Kirche in Deutschland viel erreicht haben. Und dafür war der Synodale Weg sicher einer von mehreren Bausteinen, die zu mehr Bewusstseinsbildung beigetragen haben. Wir haben jetzt überall in den Diözesen strukturelle und inhaltliche Maßnahmen etabliert, die Betroffenen helfen, die präventiv wirken, die Vertuschung kaum mehr ermöglichen und die sich um einen nachhaltigen Umgang mit Beschuldigten mühen. Ich habe auch den Eindruck, dass allmählich der öffentliche Eindruck wächst, dass bei der Kirche tatsächlich wirkungsvoll etwas gegen den Missbrauch getan wird, während in weiten Teilen der Gesellschaft das Problem auch da ist, aber weit weniger intensiv beachtet oder bekämpft wird.

Wo sehen Sie den Kern der Problematik des Synodalen Weges?

Im Kern geht es um die Auffassung des Menschen – und damit zusammenhängend die Auffassung von dem, was wir Sakrament nennen. Und gerade im Menschenbild kommt beides zusammen: Als Getaufte sind wir berufen, den Geist Gottes in uns wirksam werden zu lassen – also in einem analogen Bild gesprochen selbst Sakrament zu werden. Von diesem Verständnis hängt dann auch ab, wie wir Kirche verstehen, wie wir Erlösung verstehen, wie wir den priesterlichen Dienst verstehen – und anderes mehr. Papst Franziskus hat mehrfach in Richtung des Synodalen Weges gesagt: „Es gibt in Deutschland schon eine Evangelische Kirche. Es braucht nicht noch eine.“ Und ich meine, er hat damit – freilich ein wenig flapsig – trotzdem den Kern getroffen. Denn das Verständnis von Sakramentalität ist im Kern auch das, was uns von unseren evangelischen Geschwistern unterscheidet.

Wie soll es aus Ihrer Sicht mit dem Synodalen Weg weitergehen – was können Sie ins Bistum Passau mitnehmen?

Zunächst ist ja bereits eine so genannte „Synodalkonferenz“ auf Bundesebene beschlossen. Das wird eine kleinere Versammlung als die vergangene von insgesamt 72 Menschen. Sie muss aber noch von der Bischofskonferenz und dann von Rom bestätigt werden. Ich glaube aber, dass das als neues Gremium auf der Bundesebene kommen wird. Damit – so wurde immer gesagt – wird Synodalität auf Dauer gestellt. Was mich gefreut hat: In dieser letzten Versammlung hat man auch versucht, den Anschluss an die römische Synode über Synodalität herzustellen, bei der ich ja auch dabei sein durfte. Dort wurde intensiv mit der Methode „Gespräch im Hl. Geist“ gearbeitet. Und das hat man nun erstmals auch bei der letzten Synodalversammlung in Deutschland versucht.

Diesen Weg und diese Methode versuchen wir nun schon seit einiger Zeit im Bistum Passau zu etablieren. Wir werden demnächst ein Synodalteam benennen, rund 12-15 Menschen aus Ehrenamtlichen und verschiedenen Berufsgruppen, die die Methode selbst einüben – und die wir dann in die Teams der Pastoralen Räume oder andere Gremien im Bistum aussenden, um dort mit den Menschen eine neue Gesprächskultur einzuüben und damit auch eine neue Kultur, gemeinsam zu gehen und auch anstehende Entscheidungen gemeinsam zu beraten.

Informationen rund um den Synodalen Weg können Sie auf der Homepage des Bistums nachlesen.


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