Foto: Rotthalmünster Pfarrverband

Das Zimmer aufräumen – und die eigene Kirche erneuern!

Das Zimmer aufräumen – und die eigene Kirche erneuern! Die Predigt von Bischof Stefan Oster anlässlich des Abschlusses der Innenrenovierung der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt in Rotthalmünster.

Mit einem feierlichen Festgottesdienst hat die Pfarrgemeinde Maria Himmelfahrt in Rotthalmünster am 18.07.2026 den Abschluss der mehrjährigen Innenrenovierung ihrer Pfarrkirche gefeiert. Als Hauptzelebrant würdigte Bischof Stefan Oster das gelungene Werk und zog in seiner Predigt eine Parallele zwischen dem praktischen Aufräumen und dem geistlichen Leben.

Das Kirchengebäude als „heiliger Raum“ zum Aufräumen der Seele

Ausgehend von einer populären Lebensregel des kanadischen Psychologen Jordan Peterson – „Räum erst dein Zimmer auf, bevor du die Welt veränderst“ – schlug der Bischof den Bogen zur frisch renovierten Pfarrkirche. „Auch dieses Haus ist eine Art Raum, ein heiliger Raum, in den Menschen kommen, um sich innerlich in Ordnung zu bringen, Ausrichtung zu bekommen und Orientierung zu finden“, so Oster. Das äußere Herrichten des Gotteshauses, dessen Wurzeln als einer der ältesten Gebetsorte des Bistums bis ins 8. Jahrhundert zurückreichen, spiegele den Wunsch wider, auch dem inneren Leben wieder einen würdigen Platz zu geben. In einer warmen, einladenden Kirche öffne sich das Herz der Menschen leichter für die Botschaft Gottes.

Die Zusage Gottes steht vor jeder Leistung

Im Zentrum seiner Predigt betonte der Bischof die christliche Botschaft, die einen Gegenpol zu den Leistungs- und Schönheitszwängen der modernen Welt bilde. Während die Gesellschaft jungen wie älteren Menschen oft suggeriere, man sei erst durch Leistung oder Aussehen „etwas wert“, laute die Ur-Botschaft des Glaubens anders: „Unser Glaube ist zunächst einmal die unbedingte Zusage, dass Gott dich liebt. Vor aller Leistung, und oft genug sogar trotz aller Schuld und allem Versagen, sagt Gott: Du bist und bleibst mein geliebtes Kind.“ Regeln und Gebote, so Oster weiter, seien wichtig, kämen aber erst an zweiter Stelle – quasi als Hilfestellung, um in dieser lebendigen Beziehung zu Gott zu bleiben.

Sakramente als Chance zur Befreiung

In diesem Zusammenhang hob der Passauer Oberhirte auch die Bedeutung des neu errichteten Beichtstuhls in der Pfarrkirche hervor. Das Sakrament der Versöhnung dürfe nicht als Zwang missverstanden werden, sondern als die Chance, „den eigenen Mist abzuladen“. Dies tue er als Bischof im Übrigen genauso. Wer die Vergebung annehme, gehe gestärkt und „wie neu getauft“ wieder nach Hause.

Mit dem Verweis auf das Patrozinium der Kirche, Maria Himmelfahrt, schloss der Bischof: Der Glanz und das Gold der renovierten Kirche seien ein passender Vorgeschmack auf den Himmel, der im Hier und Jetzt in einer lebendigen Gemeinschaft beginne. Er dankte der Pfarrei für das große Engagement bei der Renovierung und ermutigte die Gläubigen, sich diese göttliche Liebeszusage im Alltag immer wieder gegenseitig zuzusprechen.

Die Predigt hier zum Nachhören: