Diakonentag

In Predigten von Pressestellekommentieren

Liebe Mitbrüder im diakonalen Dienst, liebe Ehefrauen, Schwestern und Brüder im Glauben,

die Fragen, die uns vom Evangelium und der Lesung her beschäftigen, betreffen den Dienst des Diakons im Herzen. Der Prophet Jesaja schildert in einem längeren Abschnitt eine Art Dialog des Missverständnisses zwischen dem Volk Israel und seinem Gott. Israel will ja Gott suchen: „Sie suchen mich Tag für Tag, sagt der Herr, denn sie wollen meine Wege erkennen“, heißt es zuvor im Kap. 58. Da ist also Suche, Gottsuche. Und das Volk tut sogar Buße, sie fasten und beten. Sie haben also intensive religiöse Praxis und doch machen sie offenbar die Erfahrung: Gott sieht und hört uns nicht. „Sie fordern ein gerechtes Urteil von mir und dass ich ihnen nahe sei,“ sagt wiederum Gott. Aber Israel erlebt offenbar das Gegenteil. Und der Prophet Jesaja wird von Gott aufgerufen dem Volk zu erklären, warum das so ist: „Halte dem Volk seine Sünden vor“, heißt es.

Was sind die Sünden: trotz Gebet und Fasten und Gottsuche zanken und streiten sie, trotzdem gibt es Betrug und Gewalt und Geschäftemacherei, sogar am Fasttag oder am Sabbat. Außerdem gehen die Leute, die fasten, wie Trauerklöße umher und bedecken sich mit Sack und Asche. „So wie ihr jetzt fastet, verschafft ihr eurer Stimme bei Gott kein Gehör“ heißt es schließlich im Text.

Und dann sagt Gott: „Ein Fasten, das ich liebe, führt dazu, dass es Fesseln des Unrechts löst und Hungrige satt macht und Nackte bekleidet!“ Wenn das so ist, dann leuchtet Euer Licht auf, dann heilen deine Wunden, dann ist Gott dir nahe. Dann bist du ein bewässerter Garten, eine Quelle, die immerfort Wasser hat.

Liebe Schwestern und Brüder, die zentrale Frage an uns ist: Wie hängen unsere religiöse Praxis und unsere diakonale Praxis zusammen? Erwachsen sie auseinander und fließen sie ineinander? Oder sind sie einfach voneinander abgelöst? Glauben Sie nicht, dass das eine banale Frage wäre. Ich halte sie in unserer Existenz als Christen für eine der ganz zentralen Fragen und zugleich für eine Riesenherausforderung. Die Frage ist zunächst: Ist unser Fasten und Beten wirklich fasten und beten vor Gott und für Gott? Für einen Gott, der auch das Verborgene sieht, wie Jesus immer wieder in der Bergpredigt sagt? Oder tun wir es aus Motiven, die Gott am Ende gar nicht interessieren? Fasten um unseres eigenen Gewichtes willen, zum Beispiel. Dass das ein guter Nebeneffekt sein kann, keine Frage, aber als Hauptmotiv? Kann es sein, dass unser Beten und Fasten pharisäisch ist, sod ass wir zuerst auf uns, auf unsere eigene Leistung schauen, oder darauf gesehen zu werden, oder darauf, dass wir uns manche Dinge als Verdienst anrechnen können? Dann drehen wir uns zuerst um uns und nicht um ihn. Und dann geht es folgerichtig in dieser Ichhaftigkeit weiter auch in unseren alltäglichen Geschäften, nichts ändert sich. Dann hat mein Fasten und Beten auch nicht Auswirkung auf meine Umwelt, auf die Mitmenschen. Ich bleibe derselbe mit meinem Hang zu allem möglichen, was in den Augen Gottes nicht allzu gut ist. Und im Blick auf das Diakonale heißt die Frage: Bin ich gut zum anderen, handle ich sozial, weil es wirklich zuerst um den anderen Menschen geht, um seinetwillen, einfach weil er auch Gottes Geschöpf ist wie ich? Oder geht es hintergründig auch hier wieder zuerst um mich um meine Anerkennung, um meine Leistung? Was, liebe Schwestern und Brüder, sind die wahren Motive unseres Handelns? Christus sagt uns: Wenn unsere Motive nicht aus der Verbindung mit Ihm gespeist sind, dann sind sie am Ende fruchtlos. Und zwar sowohl unser Beten und Fasten wie unsere diakonale Zuwendung zum Nächsten. „Getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen“, sagt Jesus im Johannesevangelium. Daher ist im christlichen Leben, das tief wird und weit, das Ineinander von Gebet und aktivem Handeln unabdingbar. Oder umgekehrt: Wenn unser Gebet uns nicht fähiger macht, auf den anderen zuzugehen und für ihn da zu sein, dann stimmt aufs Ganze etwas mit dem Gebet nicht. Und wenn unser Dienst am Nächsten nicht im Gebet gründet, dann ist es sehr leicht möglich, dass wir trotz anderem Anschein immer noch zuerst ichhafte Ziele verfolgen aber eben nicht lieben – selbst wenn es nach Liebe aussieht!

Der Christus des Evangeliums ist hierfür beispielhaft: Wie sehr zeigt er sich in den Evangelien als zutiefst eins mit dem Vater. Sein Leben ist so sehr aus der Nähe des Vaters, dass er im Grunde nie aus dem Gebet herauszufallen scheint, aus der inneren Verbundenheit mit dem Vater. Trotzdem geht auch er immer wieder, bei Tag und bei Nacht in die Einsamkeit zum Gebet. Und die Fähigkeit, nun die Grenzen zu sprengen und zu den Randfiguren Israels zu gehen, zu den Zöllnern, den Prostituierten, den Aussätzigen, den Armen und Kranken, diese Fähigkeit erwächst aus dem inneren Verhältnis zum Vater: Er erkennt in diesen Kranken, die den Arzt brauchen, die Geschöpfe seines Vaters. Er liebt sie um ihret- und des Vaters willen. Er ist nicht gekommen, sich bedienen zu lassen, sondern zu dienen und er tut nicht seinen Willen, sondern so tief ist er mit dem Vater vereint, dass es seine Speise ist, den Willen des Vaters zu tun.

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Diakone: Lassen Sie uns alle jeden Tag neu zu dem gehen, der unsere erste Liebe ist, lassen Sie uns daraus empfangen und leben lernen, lernen hinauszugehen zu denen, die Jesu Nähe am meisten nötig haben. Ich danke Ihnen allen und Ihren Ehefrauen und Familien von Herzen, die Sie täglich auch im Miteinander um diese Vollzüge Ihres Glaubens ringen. Ich danke an diesem Tag besonders Ihnen allen, die Sie durch Ihren Dienst als Diakon die Liebe Gottes zu den Menschen sichtbar machen. Amen.

 

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