Erwachsenenfirmung im Spectrum Kirche

In Predigten von Pressestellekommentieren

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben, liebe Firmlinge,

was ist das eigentlich, der Geist Gottes? Und warum braucht es eine Firmung als ein Sakrament, das unsere Taufe gewissermaßen bestätigt und bekräftigt. Wofür dieses zusätzliche, und was ist der Unterschied?

Sie alle, Schwestern und Brüder, sind schon getauft, die meisten in der Kindheit. Und daher war es oftmals kein eigener Entschluss von Ihnen, sondern Sie sind im Idealfall hinein genommen worden in eine Gemeinschaft von Glaubenden, in eine Gemeinschaft von Menschen, die Gott schon kennen, die schon mit ihm vertraut sind. Ich sagte idealerweise, denn wir alle wissen, dass das mit der Kenntnis Gottes und mit dem Vertraut-sein mit Gott oftmals nicht mehr weit her ist. Wir sind im häufigsten Fall als Kinder getauft, wir hatten und haben Umgang mit anderen jungen Leuten oder Erwachsenen, die manchmal mehr, manchmal weniger glauben. Wir selbst sind also aufgefordert, zum Glauben, zu unserer Taufe Stellung zu beziehen.

Man kann sagen, die Firmung ist die Bekräftigung der Fähigkeit, eine eigene, aus der eigenen Existenz kommende, positive Stellungnahme zum Glauben abzugeben. Aber, meine Lieben, das klingt sehr technisch. Viel schöner hat das Paulus heute im Römberbrief ausgedrückt. Denn derjenige, der uns in der Firmung neu bekräftigt, das ist der Heilige Geist. Wir werden durch Ihn gestärkt – von innen her. Aber was ist das für eine Stärkung, mit welcher Erfahrung kann diese Stärkung einhergehen? Paulus denkt radikal: Ihr seid nicht mehr Sklaven, ihr müsst euch nicht mehr fürchten. Ihr seid jetzt Freie, denn ihr habt einen Geist empfangen, der euch zu Söhnen und Töchtern macht. Im Geist lernen wir rufen: Abba, das heißt: Vater, oder herzlicher: Papa.

Liebe Schwestern und Brüder, hinter dieser Aussage steckt unglaublich viel. Zuerst die Sache mit der Angst. Paulus sagt allen Ernstes: Wenn Ihr den Heiligen Geist in Euch wirklich Raum gebt, dann wächst in Euch ein Zutrauen auf Gott, ein Getragensein in Gott, das Euch die Angst nimmt. Dann müsst Ihr keiner sklavischen Furcht mehr gehorchen, dann handelt Ihr nicht mehr aus Angst vor irgendwelchen Konsequenzen, dann seid Ihr vielmehr frei, in Gott. Und zwar nicht deshalb, weil dann in der Welt alles rosig und schön wird, sondern weil Ihr in eine innere Dimension hineinwachst, die das Schöne in der Welt schön findet, aber trotzdem nicht mehr an ihm klebt, weil sie in Gott, dem Allerschönsten gründet. Und Ihr wachst in eine Dimension, die das Schreckliche an der Welt nicht mehr als allerletztes Drama fürchten müsst, weil Gott immer noch der Allererste ist und zugleich der Allerletzte bleibt. Der Tod hat nicht mehr das letzte Wort. Christus ist Gottes letztes, äußerstes Liebes-Wort in Person. Und zu Ihm gehört Ihr. Es gibt für den Gläubigen nicht mehr so Schreckliches in der Welt, dass darin auch alle Hoffnung gestorben und alles Licht ausgelöscht wäre. Gott hat in Christus das Allerschrecklichste schon überwunden und er will, dass Ihr zu Ihm gehört und bei Ihm bleibt, selbst dann, wenn die Welt schmerzvoll und schrecklich und todbringend ist.

Und wenn Ihr nun fragt, wie Ihr zu Gott gehört, dann hat Paulus eine noch wunderbarere Antwort parat: Der Geist in uns hilft uns sprechen: Abba, Vater. So hat Christus als erster Gott angesprochen. Abba, das ist aramäisch und heißt so viel wie Papa. Er hatte ein unglaublich inniges, liebevolles Verhältnis zum Vater. Und der Heilige Geist, wenn Ihr Ihn wirken lasst, der hilft Euch innerlich immer mehr wirklich mit der ganzen Existenz zu sagen und zu glauben: Gott ist unser Vater.

Wie oft haben wir schon „Vater Unser“ gebetet, meine Lieben. Aber sind wir ehrlich: Haben wir dabei schon einmal mit unserer ganzen Existenz so gesprochen, dass wir wirklich von innen her gemeint haben: Vater, Du mein Vater, Du mein liebevoller, zärtlicher Vater, der mich geschaffen hat und nie verlässt? Haben wir das schon einmal gespürt, gelebt, gesagt? Wenn nicht, meine Lieben, dann ahnen Sie vielleicht jetzt, wohin Sie der Geist führen will, was er mit Ihnen machen will. Er will sie beschenken, immer mehr, immer mehr in den Glauben, in das Vertrauen führen, dass Gott wirklich Vater ist.

Nun, wie geht das? Müssen wir dafür jetzt lange Theologie studieren? Müssen wir viele Bücher lesen? Oder müssen wir zuerst mal ganz viel den Armen helfen? Nichts von alledem: Wir müssen zunächst weder viel wissen noch großartige soziale Taten tun. Wir müssen zuerst einfach glauben, einfach vertrauen, einfach Jesus lieben lernen.

Im Evangelium hat uns Jesus das vorgemacht: Er preist seinen Vater, dass dieser die Geheimnisse des Himmelreiches nicht zuerst den besonders Gescheiten eröffnet hat. Nein, sondern den Kleinen, den Unmündigen, wie er sagt. Das sind diejenigen, Schwestern und Brüder, die glauben, die vertrauen können mit der Herzenskraft eines Kindes, dass Gott wirklich ihr Vater und dass Jesus ihr Herr und ihr Bruder ist. Diejenigen, die im Vertrauen wachsen, die lernen von innen her mehr und mehr zu spüren, dass sie wirklich beim Vater leben dürfen und unendlich von Ihm geliebt sind. Und die Antwort auf diese Liebe, die wird dann auch die soziale Tat, die Liebestat an den Menschen, besonders an den Armen. Aber Gott liebt uns zuerst und unser Glaube, unsere Liebe, das sind Antworten darauf. Wir können den Anderen lieben, weil wir uns von Gott geliebt wissen.

Liebe Firmlinge, der Heilige Geist will Ihnen heute zu einem Leben verhelfen, in dem Sie immer mehr spüren dürfen: Ich brauche keine Angst mehr zu haben; zu einem Leben, in dem Sie in den Glauben, in das Vertrauen hineinwachsen dürfen: Gott ist mein Vater – und von dieser Erfahrung her wird es möglich sein, aufzubrechen und mitzuhelfen, dass die Welt, dass auch die anderen Gott kennen lernen und dadurch besser lieben lernen.  Das Evangelium sagt uns auch: Lerne Jesus kennen und lieben, bete zu Ihm, bitte zu Ihm. Er ist ja der Sohn, dieser Weg zum Vater. Er ist es, den der Geist uns offenbaren will. Wir lernen mit Jesus und Ihm rufen: Abba, Vater. Dazu, meine Lieben, stärke Sie jetzt der Geist Jesu mit dem Firmsakrament und helfe Ihnen jeden Tag neu, von innen her zu sagen, Vater. Und angstfrei und voller Glaube und Hoffnung und Liebe in der Welt zu leben. Dazu segne Sie der Herr und dazu erbitten wir nun das Sakrament der Firmung für Sie. Amen.

Bild: Pressestelle Bistum Passau

Kommentieren