Glaube ist Herzenssache. Die Predigt von Bischof Stefan Oster anlässlich des Abschlussgottesdienstes der Visitation für den Pfarrverband Neuötting/Alzgern in St. Nikolaus, Neuötting.
Mit einem feierlichen Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Nikolaus in Neuötting ist die Visitation des Pfarrverbands Neuötting/Alzgern am 22.02.2026 zu Ende gegangen. In seiner Predigt betonte der Bischof, dass der christliche Glaube primär eine Herzensangelegenheit sei, die über bloßes Wissen oder kirchliche Traditionen hinausgehe. Er stellte die Frage nach dem inneren Kern kirchlichen Lebens – jenseits von Organisation und Engagement.
Ausgangspunkt seiner Überlegungen war das Evangelium von der Versuchung Jesu in der Wüste. Gleich zu Beginn seines öffentlichen Wirkens zog sich Jesus für 40 Tage zurück, bevor er mit Versuchungen konfrontiert wurde: der Verwandlung von Steinen in Brot, dem spektakulären Sprung vom Tempel und dem Angebot weltlicher Macht. Diese biblischen Bilder deutete der Bischof als Grundmuster menschlicher Versuchungen: materielle Sicherheit, Anerkennung und Macht.
Jesus widerstand, indem er sich auf Gott bezog. Daraus leitete der Bischof die Frage ab, was im eigenen Leben den ersten Platz einnehme. Alles, was zum absoluten Maßstab werde, könne zum „Götzen“ werden – auch an sich legitime Bedürfnisse wie Nahrung, Wertschätzung oder Einfluss.
Glaube, so betonte er, erschöpfe sich nicht im Wissen über kirchliche Lehre, in gewachsenen Traditionen oder im organisatorischen Engagement innerhalb der Pfarrei. All das habe seinen Platz und seine Bedeutung. Entscheidend sei jedoch die persönliche Beziehung zu Christus. Christsein beginne dort, wo Gläubige ihm den ersten Platz in ihrem Inneren einräumten.
In diesem Zusammenhang stellte der Bischof der Gemeinde eine bewusst zugespitzte Frage: Wer oder was sitzt auf dem Thron meines Herzens? Diese Selbstprüfung sei unbequem, aber notwendig, um den eigenen Glauben ehrlich zu reflektieren. Gerade in der Fastenzeit seien die Gläubigen eingeladen, ihr Gebetsleben zu erneuern und Christus neu in die Mitte zu stellen.
