Ich bin dem Papst dankbar für sein Schreiben

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Liebe Schwestern und Brüder im Glauben an Christus in unserem Bistum Passau,

es ist ein ziemlich einmaliges Ereignis, dass ein amtierender Papst einen langen Brief schreibt „An das pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ – also an uns alle.

Sicher haben viele von Ihnen mitbekommen, dass wir Bischöfe in Deutschland vor einigen Wochen beschlossen haben, einen so genannten synodalen Weg zu gehen, zusammen mit dem Zentralkomitee der Katholiken in Deutschland (ZdK) und unter Beteiligung vieler anderer. Diese Entscheidung ist auch im Nachgang zur Veröffentlichung der wissenschaftlichen Studie über den sexuellen Missbrauch in der Kirche getroffen worden. Die Autoren der Studie hatten empfohlen, dass in der Kirche auch ernsthaft über die Themen Macht, Sexualmoral und die Lebensform der Priester gesprochen werden müsste.

Nun wird gemeinsam ausgelotet und intensiv darüber debattiert, wie ein solcher synodaler Weg gegangen werden kann. Welche Gesprächsformate beinhaltet er, wie können Entscheidungen gefällt und umgesetzt werden und mit welcher Verbindlichkeit? Das sind die Fragen, die uns gerade beschäftigen.

„Synodalität setzt die Einwirkung des Heiligen Geistes voraus und bedarf ihrer.“ – Papst Franziskus

In diese Situation hinein nun schreibt der Papst einen Brief und erläutert seine Sicht der Dinge auf das, was „synodaler Weg“ heißt. Er ermutigt uns einerseits einen solchen Weg zu gehen, aber andererseits mahnt er auch an, dass es notwendig ein geistlicher Weg sein müsse. „Synodalität“, schreibt Papst Franziskus, „setzt die Einwirkung des Heiligen Geistes voraus und bedarf ihrer.“ (Nr.3). Franziskus möchte ausdrücklich, dass auch die Basis einbezogen werden soll – und er nennt konkret die Räte, die Pfarrgemeinden, die Beteiligung der Laien (vgl. Nr. 3). Mittelpunkt aller Bemühungen der Kirche ist für den Papst die Evangelisierung. Sie müsse „unser Leitkriterium schlechthin sein“, weshalb der Papst auch davon spricht, dass ein gemeinsamer Prozess eine „pastorale Bekehrung“ brauche (vgl. Nr. 6), ein Weg, der neu in die Freude am Christsein führe und in „eine Leidenschaft für Jesus“ und zugleich in „eine Leidenschaft für sein Volk“ (Nr. 8), besonders für die Leidenden, die Armen und die Ausgegrenzten. Der Papst erwähnt die oben genannten Einzelthemen nicht, vielmehr spricht er davon, in welchem Geist das Gespräch geführt werden muss. Vor allem auch im so genannten „sensus ecclesiae“ – also im Denken und Fühlen mit der gesamten Weltkirche.

Ich bin dem Papst dankbar für sein Schreiben an uns alle. Und deshalb möchte ich Sie alle auch einladen, den Brief aufmerksam zu lesen und über seine Inhalte mit anderen ins Gespräch zu kommen. Sie finden den Brief auf der Internetseite der Deutschen Bischofskonferenz und auch auf unserer Bistumshomepage – oder Sie bitten Ihren Pfarrer, Ihnen den Brief zukommen zu lassen. Der Brief ist zwar nicht kurz, aber authentisch und tief. Papst Franziskus wünscht sich darin, dass wir alle immer mehr von der Freude an Jesus und am Evangelium erfasst werden – und deshalb auch in der Lage sind, anderen freudig zu dienen oder ihnen von dieser Freude zu erzählen. Möge sich sein Wunsch bei immer mehr Menschen erfüllen.

Gott segne Sie dazu!

Ihr Bischof Stefan Oster SDB

 

Bildquelle: Archiv pbp

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