Kelchweihe und Admissio im Priesterseminar

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Lieber Herr Diakon Haslberger, lieber Herr Leuchtner,

heute sind Admissio und Kelchweihe, zwei Ereignisse, die wir in dieser Vesper begehen, die einen Vorausblick geben und hingeordnet sind, auf das, was kommt. Beide haben zu tun mit Weihe, der Kelch, mit ihm Schale, Patene und Messgewand werden heute schon geweiht. Und Herr Leuchtner wird zugelassen zur Weihe zum Diakon, auf die er sich von nun an vorbereitet. Weihe heißt, dass eine Person oder ein Gegenstand in den Verfügungsbereich Gottes hineingenommen wird. Er wird dem bloß Profanen, dem Welthaften entzogen und durch den Akt der Weihe wird deutlich gemacht: Mitten in der Welt hat Gott einen Wirkungsbereich, den wir ausdrücklich anerkennen und in den wir uns als Menschen hineinnehmen lassen. Wir wollen und sollen das als Christen im Grunde immer tun, uns immer neu hineinnehmen lassen in den Wirkungsbereich Gottes. Aber es gibt Menschen, die machen durch eine Weihehandlung, die an ihnen vollzogen wird, auch nach außen deutlich: Ich gehöre nun zuerst da hinein. Ich will mit meiner ganzen Existenz für Gott leben und wirken. Ich bin ihm geweiht. Und in diesem Wirkungsbereich Gottes benutzen wir auch Dinge, Gegenstände, die wir ihm weihen. So diesen Kelch und die anderen Dinge heute. Ein gewöhnlicher Gegenstand, der freilich besonders kunstvoll gestaltet ist, empfängt die Weihe und damit die Würde, Gottes Gegenwart aufzunehmen, dieser Gegenwart in besonders zeichenhafter Form zur Verfügung zu stehen.

Ich freue mich sehr, dass dieser Abend heute auf das Herz-Jesu-Fest fällt. Denn mit diesem Fest wird deutlich und noch einmal konkreter, was wir eigentlich meinen, wenn wir vom Wirkungsbereich Gottes sprechen. Gott ist in Christus Mensch geworden und die Personmitte eines jeden Menschen, das, was sein Innerstes ausmacht, wo Wollen und Wissen und Fühlen und Gewissen und Überzeugungen und Integrität ineinander laufen, wo der Mensch ganz wird, das heißt biblisch das Herz. Das Herz Jesu ist der konkreteste Ort, in dem Gott in dieser Welt radikal entäußert und radikal als Liebe in dieser Welt ganz gegenwärtig war und ist und bleibt. Das Herz Jesu ist der Ort des Wirkens Gottes in der Welt. Und geweiht werden oder zur Weihe zugelassen zu werden bedeutet also auch: Ja, ich glaube, dass Gott mich liebt, dass er mich in Christus ins Herz geschlossen hat. Ich habe schon einen Wohnort im Herzen Jesu. Ich sage ja zu meiner Weihe, das heißt: Ich habe festes Vertrauen darauf, dass ich da hineingehöre. Und ich will, dass in Zukunft mein Handeln davon bestimmt werde, dass ich mit meinem eigenen Herzen im Herzen Jesu wohne, Heimat habe. Ich gehe von dort hinaus ist die Welt und handle aus diesem inneren Wohnort. Freilich: In mir gibt es bleibend die Neigung, die sich auch in dieser Welt mit all ihrem Schönen und weniger Schönen festmachen will. Ich bin auch nur ein gebrochener Mensch aus Fleisch und Blut. Aber die Erinnerung an diese Weihe, der sich ein Diakon unterziehen wird, diese Erinnerung wird ihm immer wieder deutlich machen, wo er eigentlich wohnt! Im Herzen Jesu. Lieber Herr Leuchtner: Ich freue mich, Sie zur Weihe zum Diakon zulassen zu dürfen und wünsche Ihnen von Herzen Gottes Segen auf diesem Weg des immer tieferen Wohnung-Nehmens im Herzen Jesu.

Lieber Herr Diakon Haslberger: Ich freue mich, nachher auch gleich Ihren Kelch und die anderen Dinge weihen zu dürfen. Er wird das Zeichen und die immer neue Erinnerung dafür sein, dass Jesus für uns sein Herz gegeben, es ausgeschüttet hat. In diesen Kelch hinein vergießt er immer neu sein Blut, damit wir lernen, aus dieser Hingabe in der Freiheit der Kinder Gottes zu leben.

Als Geweihte sind Sie aber nicht nur in besonderer Weise hineingenommen in das Herz Jesu, Sie sind von dort auch gesandt. An Ihnen sollen und dürfen die Menschen erkennen: Ja, Gott ist gegenwärtig. Er hat ein Herz für uns. Er hat an uns sein Herz verloren und jeder Mensch ist eingeladen, dorthin zurückzufinden. Dafür sind Sie Zeugen. Und dazu segne Sie unser Herr. Amen.

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