Liebe Schwestern und Brüder im Glauben, was muss passieren, damit ein Fest, das Sie besuchen, auch wirklich ein Fest wird? Wir erleben ja manchmal Folgendes, vielleicht kennen Sie das: Wir gehen zu einem Fest und wir erleben vielleicht auch, dass sich dort viele Menschen amüsieren, aber wir selbst kommen nicht hinein. Wir stehen irgendwie abseits, und so gehen wir irgendwann wieder heim und sind dann in derselben oder in noch schlechterer Stimmung als zuvor. Aber andererseits gibt es Feste, in die wir „eintauchen“, wie wir sagen. Wir lassen uns ein, lassen uns mitnehmen von der Stimmung, werden offen und sind manchmal auch fähig, verrückte Dinge zu tun, die wir sonst nicht tun, zum Beispiel ausgelassen zu tanzen. Oder den anderen etwas vorsingen. Und meine Frage ist: Wie finden wir in ein Fest hinein? Wann wird ein Fest ein Fest? In jedem Fall hat es etwas mit sich geben zu tun. Sich hinein geben, es hat etwas mit einem vertrauensvollen Rahmen zu tun, dass da Leute sind, die ich mag, auf die ich mich einlassen und öffnen kann. Ich kann mich loslassen und überlassen. Ich bin einfach da, ohne Zwänge und Zwecke des alltäglichen Lebens, ich muss nicht auf die Uhr schauen. Es ist so ausgelassen. Ein schönes Wort „ausgelassen“; gelassen steckt da drin und aus, hinaus. Als wäre die Gelassenheit hinaus gelassen, ausgeströmt für alle. Das Fest ist im gelingenden Fall eine Atmosphäre, in die ich eintrete und in die ich mich hinein nehmen lasse. Eine Art Raum für unverzwecktes Dasein. Und gerade, weil es da unverzweckt ist und weil sich viele einlassen, ereignet sich manchmal Tiefes, wir begegnen einander in Offenheit und kommen oft schnell in intensive Begegnungen, in gute Gespräche. Oder wir haben Freude und Spaß miteinander, ohne große Hemmungen, ohne Ängste. Wir spüren, die äußere Atmosphäre hat mit der eigenen inneren Freiheit und Offenheit zu tun. Der Raum, die Atmosphäre eines Festes wächst oder wird dichter gewissermaßen von innen nach außen, sie wächst mit der Offenheit der Teilnehmer. Es ist eine Erfahrung von: neben der alltäglichen Welt oder über die alltägliche Welt hinaus. Aber, nicht jeder kommt hinein, nicht jeder findet ohne weiteres hinein. Mancher muss aus irgendeinem Grund in seiner Alltagswelt bleiben und kommt nicht in die Welt des Festes. „Ich bin nicht in Stimmung", sagen wir dann. „Ich kann mich nicht öffnen, ich bin nicht bereit. Ich geh wieder heim.“ Oder wir spielen den anderen etwas vor. Vertrauensvolle Öffnung und Sich-hineingeben, das muss einem auch gegeben sein, man kann es oft nicht einfach produzieren, nicht einfach machen. Ein Fest gelingt nicht immer und nicht automatisch. Aber wir wissen: Vorbereitung ist gut. Wir wissen, dass man für ein Fest die äußeren und inneren Bedingungen begünstigen kann. Wir bereiten die Räume vor, das Essen und Trinken, wir machen uns fesch, wir freuen uns auf die Leute, die wir hoffentlich sehen werden, die wir gern haben,– oder auf die, die wir kennen lernen. Wir kümmern uns um gute Musik. Wir versetzen uns gewissermaßen schon im Vorfeld in die Vorfreude. Und schon geht es dann auch leichter, sich einzulassen. Liebe Schwestern und Brüder, warum dieser Anlauf? Warum diese Gedanken über das Fest? Nun, weil wir als Christen hier und heute in diesem Gottesdienst das wichtigste und schönste Fest der Christenheit feiern. Und wir haben uns vorbereitet, damit wir es feiern können. Wir kommen zusammen und bitten den Auferstandenen: „Herr öffne unser Herz, Herr erbarme dich, Herr sei jetzt da und hilf, dass wir uns einlassen können. Hilf, dass wir nicht innerlich draußen bleiben. Hilf, dass wir aufmerksam hören auf dein Wort, hilf, dass unser Gebet wirklich Gebet ist, gemeinsames Lob für dich oder ehrliche Bitte an dich. Lass uns mit dem Herzen dabei sein, wenn wir dich nachher empfangen, in deinem Leib, deinem Blut. Und vor allem, lass Ostern sein. Lass uns berührt sein, von dem Geheimnis, dass du kein Toter bist, sondern lebst. Sei du der Grund, warum wir hier sind. Nicht aus bloßer Gewohnheit, nicht aus Konvention, nicht, weil es unsere Angehörigen erwarten. Nein, lass uns dich erwarten, lass uns an dir freuen, an deiner Gegenwart. Komm in unser Herz mit deinem Geist, mit deiner Freude. Seit du am Ostermorgen den Frauen begegnet ist, hat sich alles verändert, alles. Mag die Welt äußerlich gesehen auch ihren Gang gehen wie immer. Mit schönen und hässlichen Seiten, mit den Wundern der Natur, ebenso wie mit Leid und Tod und Krieg und Terror. Es war im Grunde immer so. Aber derjenige, der von dir berührt ist, für den ist alles anders. Für den hört das Leben im Grunde nie mehr auf, in der Tiefe ein Fest zu sein, ein Ja zum Leben, eine Freude an dir und den Menschen und deiner Schöpfung. Seit die Frauen am Ostermorgen dir begegnet sind und seit die Jünger in die Welt hinausgegangen sind, um von deiner Auferstehung zu erzählen, seitdem haben alle Schrecken dieser Welt ihren letzten Stachel verloren. Das Fest hat schon angefangen. Wir sind getauft. Wir gehören schon zum Leben. Wir haben in uns Zugang zu einer Quelle, die nie versiegt. Und wir kommen immer und immer wieder zusammen, um es nicht zu vergessen, um uns gegenseitig darin zu stärken. Wir kommen zusammen, um miteinander Fest zu erleben, Tiefe, aus der wir uns nähren. Wir kommen zusammen, um zu bezeugen, dass alles, was uns im Leben sonst noch beschäftigt, nicht mehr das letzte Gewicht hat. Wir kommen zusammen, um uns gegenseitig und miteinander zu zeigen, dass wir getragen sind von dir und deinem Leben, dem ewigen Leben. Wir kommen zusammen, um dich zu bitten: Hilf uns hinein, in das Fest des Lebens. Wir finden oft den Zugang nicht. Wir sind oft verschlossen, wir brauchen dich, Herr, wir wollen feiern, wir wollen glauben, hilf unserem Unglauben. Wir brauchen es, dass du uns an der Hand nimmst und hineinführst in die festliche Gemeinschaft, in die Menge derer, die mit dir tanzen, den Tanz des Lebens; mit dir und mit denen, die mit dir schon in der Freude sind, die du uns verheißen hast. Wir sind alle die verlorenen Söhne und Töchter im Gleichnis, die zu dir heimkommen wollen, um mit dem Vater das Fest zu feiern. Heute, ja heute wird auch für uns das Mastkalb geschlachtet, heute lassen wir uns von dir die festlichen Gewänder anziehen, zum Zeichen dafür, dass auch wir Kinder des Lebens sind, Königskinder. Heute ist Ostern. Du Herr bist auferstanden. Hallelujah.“

Ostersonntag im Passauer Stephansdom

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben,

was muss passieren, damit ein Fest, das Sie besuchen, auch wirklich ein Fest wird? Wir erleben ja manchmal Folgendes, vielleicht kennen Sie das: Wir gehen zu einem Fest und wir erleben vielleicht auch, dass sich dort viele Menschen amüsieren, aber wir selbst kommen nicht hinein. Wir stehen irgendwie abseits, und so gehen wir irgendwann wieder heim und sind dann in derselben oder in noch schlechterer Stimmung als zuvor. Aber andererseits gibt es Feste, in die wir „eintauchen“, wie wir sagen. Wir lassen uns ein, lassen uns mitnehmen von der Stimmung, werden offen und sind manchmal auch fähig, verrückte Dinge zu tun, die wir sonst nicht tun, zum Beispiel ausgelassen zu tanzen. Oder den anderen etwas vorsingen. Und meine Frage ist: Wie finden wir in ein Fest hinein? Wann wird ein Fest ein Fest?

In jedem Fall hat es etwas mit sich geben zu tun. Sich hinein geben, es hat etwas mit einem vertrauensvollen Rahmen zu tun, dass da Leute sind, die ich mag, auf die ich mich einlassen und öffnen kann. Ich kann mich loslassen und überlassen. Ich bin einfach da, ohne Zwänge und Zwecke des alltäglichen Lebens, ich muss nicht auf die Uhr schauen. Es ist so ausgelassen. Ein schönes Wort „ausgelassen“; gelassen steckt da drin und aus, hinaus. Als wäre die Gelassenheit hinaus gelassen, ausgeströmt für alle. Das Fest ist im gelingenden Fall eine Atmosphäre, in die ich eintrete und in die ich mich hinein nehmen lasse. Eine Art Raum für unverzwecktes Dasein. Und gerade, weil es da unverzweckt ist und weil sich viele einlassen, ereignet sich manchmal Tiefes, wir begegnen einander in Offenheit und kommen oft schnell in intensive Begegnungen, in gute Gespräche. Oder wir haben Freude und Spaß miteinander, ohne große Hemmungen, ohne Ängste. Wir spüren, die äußere Atmosphäre hat mit der eigenen inneren Freiheit und Offenheit zu tun. Der Raum, die Atmosphäre eines Festes wächst oder wird dichter gewissermaßen von innen nach außen, sie wächst mit der Offenheit der Teilnehmer. Es ist eine Erfahrung von: neben der alltäglichen Welt oder über die alltägliche Welt hinaus. Aber, nicht jeder kommt hinein, nicht jeder findet ohne weiteres hinein. Mancher muss aus irgendeinem Grund in seiner Alltagswelt bleiben und kommt nicht in die Welt des Festes. „Ich bin nicht in Stimmung“, sagen wir dann. „Ich kann mich nicht öffnen, ich bin nicht bereit. Ich geh wieder heim.“ Oder wir spielen den anderen etwas vor. Vertrauensvolle Öffnung und Sich-hineingeben, das muss einem auch gegeben sein, man kann es oft nicht einfach produzieren, nicht einfach machen. Ein Fest gelingt nicht immer und nicht automatisch.

Aber wir wissen: Vorbereitung ist gut. Wir wissen, dass man für ein Fest die äußeren und inneren Bedingungen begünstigen kann. Wir bereiten die Räume vor, das Essen und Trinken, wir machen uns fesch, wir freuen uns auf die Leute, die wir hoffentlich sehen werden, die wir gern haben,– oder auf die, die wir kennen lernen. Wir kümmern uns um gute Musik. Wir versetzen uns gewissermaßen schon im Vorfeld in die Vorfreude. Und schon geht es dann auch leichter, sich einzulassen.

Liebe Schwestern und Brüder, warum dieser Anlauf? Warum diese Gedanken über das Fest? Nun, weil wir als Christen hier und heute in diesem Gottesdienst das wichtigste und schönste Fest der Christenheit feiern. Und wir haben uns vorbereitet, damit wir es feiern können. Wir kommen zusammen und bitten den Auferstandenen: „Herr öffne unser Herz, Herr erbarme dich, Herr sei jetzt da und hilf, dass wir uns einlassen können. Hilf, dass wir nicht innerlich draußen bleiben. Hilf, dass wir aufmerksam hören auf dein Wort, hilf, dass unser Gebet wirklich Gebet ist, gemeinsames Lob für dich oder ehrliche Bitte an dich. Lass uns mit dem Herzen dabei sein, wenn wir dich nachher empfangen, in deinem Leib, deinem Blut. Und vor allem, lass Ostern sein.

Lass uns berührt sein, von dem Geheimnis, dass du kein Toter bist, sondern lebst. Sei du der Grund, warum wir hier sind. Nicht aus bloßer Gewohnheit, nicht aus Konvention, nicht, weil es unsere Angehörigen erwarten. Nein, lass uns dich erwarten, lass uns an dir freuen, an deiner Gegenwart. Komm in unser Herz mit deinem Geist, mit deiner Freude. Seit du am Ostermorgen den Frauen begegnet ist, hat sich alles verändert, alles. Mag die Welt äußerlich gesehen auch ihren Gang gehen wie immer. Mit schönen und hässlichen Seiten, mit den Wundern der Natur, ebenso wie mit Leid und Tod und Krieg und Terror. Es war im Grunde immer so.

Aber derjenige, der von dir berührt ist, für den ist alles anders. Für den hört das Leben im Grunde nie mehr auf, in der Tiefe ein Fest zu sein, ein Ja zum Leben, eine Freude an dir und den Menschen und deiner Schöpfung. Seit die Frauen am Ostermorgen dir begegnet sind und seit die Jünger in die Welt hinausgegangen sind, um von deiner Auferstehung zu erzählen, seitdem haben alle Schrecken dieser Welt ihren letzten Stachel verloren. Das Fest hat schon angefangen. Wir sind getauft. Wir gehören schon zum Leben. Wir haben in uns Zugang zu einer Quelle, die nie versiegt.

Und wir kommen immer und immer wieder zusammen, um es nicht zu vergessen, um uns gegenseitig darin zu stärken. Wir kommen zusammen, um miteinander Fest zu erleben, Tiefe, aus der wir uns nähren. Wir kommen zusammen, um zu bezeugen, dass alles, was uns im Leben sonst noch beschäftigt, nicht mehr das letzte Gewicht hat. Wir kommen zusammen, um uns gegenseitig und miteinander zu zeigen, dass wir getragen sind von dir und deinem Leben, dem ewigen Leben.

Wir kommen zusammen, um dich zu bitten: Hilf uns hinein, in das Fest des Lebens. Wir finden oft den Zugang nicht. Wir sind oft verschlossen, wir brauchen dich, Herr, wir wollen feiern, wir wollen glauben, hilf unserem Unglauben. Wir brauchen es, dass du uns an der Hand nimmst und hineinführst in die festliche Gemeinschaft, in die Menge derer, die mit dir tanzen, den Tanz des Lebens; mit dir und mit denen, die mit dir schon in der Freude sind, die du uns verheißen hast. Wir sind alle die verlorenen Söhne und Töchter im Gleichnis, die zu dir heimkommen wollen, um mit dem Vater das Fest zu feiern. Heute, ja heute wird auch für uns das Mastkalb geschlachtet, heute lassen wir uns von dir die festlichen Gewänder anziehen, zum Zeichen dafür, dass auch wir Kinder des Lebens sind, Königskinder. Heute ist Ostern. Du Herr bist auferstanden. Hallelujah.“