ReligionslehrerINNENtag

In Predigten von Pressestellekommentieren

Liebe Lehrerinnen und Lehrer, Schwestern und Brüder im Glauben,

die Texte, die uns die Liturgie der Kirche heute schenkt, können auch als eine Herausforderung für das gelesen werden, was uns als Frage für den Religionsunterricht beschäftigt. Geht es beim Religionsunterricht um die Vermittlung von Wissen? Oder um die Einführung in den Glauben und in die Weitergabe des Glaubens. Wir haben gehört, wie in der Apostelgeschichte der Diakon Philippus dem Kämmerer der Kandake in der Schrift liest. Er kam aus Jerusalem, war dort um Gott anzubeten und nun liest er im heiligen Buch der Juden. Er liest den Propheten Jesaja. Er scheint ihn aber nicht zu verstehen. Er braucht Anleitung, wie er zu Philippus sagt.

Sie alle geben Anleitung. Sie helfen Kindern und Jugendlichen etwas vom Glauben zu verstehen. Aber wie tun Sie das? Und wie hilft uns das Beispiel des Philippus, unser eigenes Handeln zu reflektieren. Natürlich gibt es im Religionsunterricht eine Art Vorrang auf der Wissensebene, eine Vorgabe in der Bewältigung eines bestimmten Wissensstoffes. Es geht auch um Vergleichbarkeit und Abprüfbarkeit von Wissensinhalten. Religionsunterricht ist unterschieden von Katechese, obgleich es dennoch katholischer, also bekenntnisorientierter Unterricht ist.

Wäre Ihr Schüler nun dieser Kämmerer, könnten Sie ihm beispielsweise erklären, wann der Prophet Jesaja geschrieben hat, welche Stellung sein großes Buch im Alten Testament hat, wie es untergliedert ist, unter welchen Umständen die einzelnen Teile geschrieben sind und so fort. Sie könnten das Buch auch religionswissenschaftlich einordnen, ähnliche Motive aus anderen Schriften der Zeit und aus vergleichbaren Kulturen beibringen und so fort. Sie könnten so nützliches Wissen für Ihren Schüler bereitstellen.

Sie könnten nun auch noch einen Schritt weitergehen und sagen: Und Philippus tut nun etwas spezifisch Christliches. Philippus deutet das Alte Testament und damit auch das Buch Jesaja auf Jesus hin. Die Christen haben nämlich schon früh angefangen, das Alte Testament und seine Aussagen, Visionen, Prophetien, Geschichten auf Jesus hin zu lesen und zu deuten und zwar so, dass Jesus hier als Erfüllung von allem erscheint. Und Sie könnten dann mit den Schülern abwägen und versuchen zu klären, ob diese Deutung gelingt. Oder ob sie nicht manchmal sperrig und weit hergeholt ist, oder Sie zeigen, wo die Erfüllung sehr frappierend ist, wie eben hier bei dem Beispiel, das Philippus selbst gibt in der Apostelgeschichte. Die Lieder vom Gottesknecht bei Jesaja lassen sich nahezu eins zu eins auf Christus und seinen Leidensweg hin lesen.

Und nun könnten Sie noch einen Schritt weitergehen und gerade dieses zuletzt genannte  Verhältnis von Altem und Neuem Testament aus christlicher Sicht so erläutern, dass die Schüler verstehen lernen: Sie selbst glauben das auch. Sie selbst sind überzeugt davon, dass sich in Christus alles erfüllt, dass er der verheißene Messias ist. Sie selbst könnten so darin stehen, dass Schüler sich mitnehmen lassen von Ihrer Überzeugung und so selbst mit hineinfinden könnten. Jetzt begänne in der Schule nicht nur die Wissensvermittlung, sondern das Hineinführen in den Glauben, hineinführen in das Geheimnis der Taufe: das Leben mit Jesus.

Wenn die Schüler spüren dürfen: Dieser Glaube prägt auch Sie selbst und Ihre Überzeugungen, dann geben Sie Ihnen nicht bloß Wissen, sondern auch das Brot des Lebens. Sie können ja alles nötige Wissen vermitteln, aber ob es für Sie klar ist, dass Jesus wirklich der Messias ist;  ob er der ist, der tatsächlich das Brot des Lebens ist, ob er der ist, in dem sich die ganze Schrift erfüllt, wie wir wiederholt im Neuen Testament lesen, das ist Sache Ihres inneren, Ihres eigenen Engagements. Die Schüler würden vermutlich offen oder indirekt wissen wollen, ob Sie tatsächlich selbst Jesus kennen, weil Sie ein betender Mensch sind, sie würden wissen wollen, ob Sie mit Ihm leben, und Sie sich von dem Brot nähren, dass er selbst ist.

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Lehrerinnen und Lehrer, ich bin überzeugt davon dass Schülerinnen und Schüler für den Glauben neben der Gnade Gottes kaum etwas mehr benötigen als Ihr persönliches Zeugnis. Ein Zeugnis, das der Vermittlung von Wissen nirgendwo widersprechen muss. Im Gegenteil: wenn Ihnen eine Sache persönlich wichtig ist, wollen Sie ja selbst so viel wie möglich darüber wissen. Die Informationen brauchen also keinesfalls zu kurz kommen, sie können alle Teil sein einer Überzeugung, die in Ihnen immer mehr wächst und die da in allen Unterrichtseinheiten durchscheinen und aufstrahlen könnte.

Sie heißt: Er lebt. Er ist es, in dem sich alles erfüllt und er trägt unser Leben. Er erfüllt auch mein Leben. Mit Sinn, mit Schönheit und Wahrheit. Und er nährt uns alle mit dem Brot, das er selber ist. Er nährt uns mit dem Brot, das er uns auch in dieser Feier wieder zur leiblich-geistlichen Speise gibt. Ich danke Ihnen allen für Ihren oft nicht leichten Dienst in der Kirche und an den Kindern und Jugendlichen von heute. Amen.

Bild: Pressestelle Bistum Passau

Kommentieren