Über das Bleiben – und seine Freuden und Beschwerden

In Audio, Predigten von Bischof Stefan Oster SDB1 Kommentar

Predigt in Altötting bei den Schwestern vom Hl. Kreuz: 13 Schwestern haben Professjubiläum gefeiert: 65,60,50 und 40 Jahre Ordensleben.

Was für ein schönes Zeugnis der Treue! In der Predigt habe ich über das „Bleiben“ im Johannes-Evangelium gesprochen und über das manchmal schöne, manchmal schwere „Bleiben“ in einer Ordensgemeinschaft. Hier zum Nachhören oder Downloaden.

Auf dem Bild (R. Kickinger) die Jubilarinnen mit Ministranten und Konzelebranten.

Kommentare

  1. Susanne Moehring

    Veehrte Exzellenz,

    danke sehr für Ihre Betrachtungen über das „Bleiben“ und die „Freundschaft“ mit dem Herrn. In meiner Muttersprache Deutsch trägt dieses übersetzte Wort „Bleiben“ auch den Sinngehalt von „verweilen“, „ausharren“, „innehalten“ und auch „Ruhe finden“.
    „Bleiben“ bedeutet kein Vorher und kein Nachher betrachten, sondern ganz gegenwärtig sich der Beziehung, der Situation, dem Geschehen aussetzen, um darin die Präsenz Gottes zu erfahren.

    Es ist nicht zu überschätzen, daß der Herr die Seinen zu „Freunden“ erklärt und aus der Knechtschaft nochmals in eine tiefere Beziehung überführt. Mehr als die Befreiung aus der Knechtschaft der Ägypter im Alten Testament. Die Erhebung auf die Ebene der Freundschaft unterstreicht den Beziehungsgrad aus Liebe und Freiheit zugleich, den Gott uns schenkt. Freundschaft, denke ich an die vier Arten der Liebe nach C.S.Lewis, ist die zerbrechlichste Form der Liebe und die selbstloseste und vollkommene zugleich. Liebende Beziehungen können aus Verwandschaft, Abstammung, sinnlicher Angezogenheit entstehen und auch trotz Enttäuschungen überdauern. Liebe gegründet auf Freundschaft braucht immer aufs Neue den liebenden Blick auf den Freund, die Freundin und den Willen ihm oder ihr die Freiheit zu lassen, so zu leben wie er oder sie meint vor Gott und mit Gott leben zu wollen und darin bleiben zu können. Sobald in Freundschaft aus noch so gut gemeinter Liebe einer über den anderen versucht Einfluß oder Druck auszuüben, so schnell verliert die Freundschaft an Bindungskraft und kann im schlimmsten Fall zu Grunde gehen.

    Ihre Betrachtungen über das „Bleiben“ setzt auch die Willensstärke des Herzens voraus, sich immer wieder Momenten auszusetzen, wo man am liebsten woanders wäre oder etwas ganz anderes machen würde. Die Gedanken driften ab, das Herz und der Verstand sind nicht bei der Sache.

    Der Heilige Augustinus wird gerne mit den Worten zitiert :
    „Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir.“

    „Ruhen in…“ klingt wie ein Ort. Wie Ihr Bezug zwischen „wo wohnst Du ?“ und „wo bleibst Du?“. Dieser Ort aber findet sich nicht auf einer geographischen Landkarte, sondern er ist Ausdruck von zeitloser Nähe, einer Präsenz, die bloße Anwesenheit übersteigt.

    Schon der Philosoph Blaise Pascal stellte im 17.Jahrhundert fest, daß das größte Leid des Menschen sei, mit sich allein (ich ergänze : und mit Gott) keine Stunde allein es in einem Raum auszuhalten.

    Umso mehr ist es bewunderswert und verpflichtet auch zu großem Dank für das Beispiel ihres Lebens, daß die Ordensleute es vermögen trotz des zur Zerstreuung neigenden Alltags, immer wieder die Innerlichkeit und Beziehung zum Herrn im „Bleiben“ und Verweilen zu suchen, zu finden und zu festigen. Die akzeptieren nicht nur, sondern leben den Glauben daran, daß in der Freundschaft mit dem Herrn und in Seiner Gegenwart ihr Leben getragen ist, in Seiner Nähe und in ihrem Mut zu „Bleiben“ und nicht wie viele in unsere Welt sich alle Optionen offenhalten und so ein Leben im Konjunktiv rastlos verbringen.

    Vergelt’s Gott
    Susanne Möhring

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