Versöhnt die Menschen mit Gott! – Über den Dienst des Priesters heute

In Maria-Hilf-Woche 2018, Predigten von Bischof Stefan Oster SDBkommentieren

Predigt zur Priesterweihe – von Dr. Florian Haider, Hubertus Kerscher, Michael Osterholzer und Simon Steinbauer – am 30.6.2018 im Passauer Dom

„Rede, Herr, denn dein Diener hört.“ Es sind berühmte Worte aus dem Alten Testament, aus der Berufungsgeschichte des jungen Propheten Samuel und seines Begleiters, des Priesters Eli. „Rede, Herr, denn dein Diener hört.“ Aber Eli braucht ein wenig, bis er als Priester des Tempels versteht, dass Samuel tatsächlich von Gott berührt und angesprochen ist. Wenn wir diese Geschichte von weiter vorne angefangen hätten zu lesen, dann hätten wir auch folgenden Satz gehört: „In jenen Tagen waren Worte des Herrn selten, Visionen waren nicht häufig“. Und wenn wir die Geschichte auch noch im breiten Kontext lesen, dann finden wir auch den Grund dafür: Die Priester, vor allem die beiden Söhne des erwähnten Eli, waren bestechlich und lasterhaft, der Kult im Tempel war verdorben.

Die geistliche Atmosphäre

Meine lieben Weihekandidaten: In dieser kleinen Geschichte eröffnet und zeigt sich so viel für uns, für Euch und Euren Dienst. Zunächst dies: Ich bin überzeugt, dass es so etwas wie eine geistliche Atmosphäre gibt, die in der und durch die gläubige Gemeinschaft entsteht. Die Frage ist: Wendet sich eine Glaubensgemeinschaft wirklich mit offenem, erwartungsvollen und freudigen Herzen an Gott, an Jesus? An den Gott, den sie feiert, dem sie vertraut, von dem sie wirklich etwas erwartet? Vermutlich habt Ihr das auch schon erlebt: Dort, wo diese auf Gott hin ganz offene innere Haltung auch in einer Gemeinschaft da ist, da fällt dann auch die Gnade leichter in offene Herzen. Und dann erleben wir eine gläubige Gestimmtheit, in der sich dann auch viel leichter ein Hören auf Gott ereignen kann, ein Sensibel-werden für sein Wirken in uns und unter uns. Dann mehren sich, um mit dem Alten Testamtent zu sprechen, Worte des Herrn, und innere Erfahrungen, Bilder, Eindrücke – im besten Fall Visionen. Aber umgekehrt: Wenn der gemeinschaftliche Sinn für Gott kaum da ist, wenn jeder nur sich sieht oder auch wenn die Gemeinschaft nur um sich selbst kreist, dann sind „Worte des Herrn selten, Visionen nicht häufig“. Dann nimmt man eine Atmosphäre wahr, die bloß weltlich, bloß irdisch ist. Die vielleicht manchmal auch emotional ist, aber trotzdem keine Atmosphäre, in der Gottes Gegenwart durchdringt. Das bedeutet für uns: Gläubige Atmosphäre verstärkt den Glauben der Menschen und schenkt dann auch gläubige Erfahrungen.

Der Priester als Schlüsselgestalt

Ein zweites: die zentrale Schlüsselgestalt dafür, ob sich eine gläubige Gemeinschaft auf Gott hin öffnet, ist der Priester. Er ist der, der im Gottesdienst in Person von Christus in Anspruch genommen wird, damit der durch ihn wirken kann. Und natürlich, das Entlastende für uns Priester ist zunächst einmal: Gott tut es so und so. Egal ob ich selbst grade gut oder schlecht gestimmt bin, gesund oder krank, alt oder jung: Er wirkt das Wunder der Wandlung durch unser Gebet. Und das ist die objektive Seite, die die wesentliche ist, weil jeder Mensch, der mit Euch die Messe mitfeiert, darf sich verlassen, dass Gott wirkt und da ist. Und Ihr selbst als zukünftige Priester dürft Euch gewiss sein: Er ist immer voller Liebe bei Euch und mit Euch.

Das Stehen im Geheimnis

Aber genau deshalb ist der Priester in der Messe eben der erste der Empfangenden, der erste der Aufnehmenden, der erste der Betenden im Gottesdienst. Und so stellt sich für uns Priester die Frage: Wie stehen wir selbst im Geheimnis der Gegenwart Gottes? Wie sind wir selbst offen für Ihn, ergriffen von Ihm, Antwortende seiner Liebe? Wie sehr lassen wir unser Handeln und Sprechen im Gottesdienst eine Einheit von innen und außen werden? Wie sehr wird das, was Christus durch uns tut, auch durch unsere innere Haltung und äußeren Gesten wahrnehmbar? Wir sind Schlüsselmänner, von Jesus her beauftragt, und dürfen uns immer neu fragen: Sperren wir diese Tür nach innen und in die Tiefe auch für die Gemeinschaft auf? Erfahren die Menschen durch uns, dass es tatsächlich Nahrung gibt, geistliche Nahrung, gute Weide, nach der sie sich ausstrecken können? Erfahren die Menschen, dass wir schon wirklich gekostet haben, vom Brot des Lebens, dass wir den Schatz im Acker schon gefunden haben, für den wir bereit sind alles zu verkaufen? Oder werden wir Gefahr laufen, den Gottesdienst vor allem Routine werden zu lassen, Handlungen und Worte, die wir halt sagen, weil man sie sagt – ohne sie selbst vollzogen zu haben und ohne auch wirklich zu wünschen, dass die Menschen sie mitvollziehen? Hauptsache, es dauert nicht zu lange!? Wir sind Schlüsselmänner meine Lieben und daraus wächst uns der Auftrag zu: Zuerst durch IHN, mit IHM, in IHM.

Der Geist der Unterscheidung

Und das führt uns zu einem Dritten. Eli, der Priester erkennt allmählich, dass Samuel von Gott gerufen wird. Ich bin überzeugt, dass wir nur dann Menschen werden können, die den Ruf Gottes an andere verstehen, wenn wir selbst in uns das leise Rufen Gottes von den anderen Stimmen unterscheiden gelernt haben und immer neu üben; wenn wir auch erspüren können, nach und nach: diese oder jene Regung kommt vom Herrn, diese vom eigenen Denken und jene vom Widersacher. Unterscheidungshelfer und Entscheidungshelfer werden für Menschen auf ihrem Weg zu Gott, das ist eine für morgen besonders wichtige Kompetenz, die auch unser Papst immer neu und deutlich betont.

Vergebung der Sünden

Ihr habt das Evangelium ausgewählt, das wir gehört haben. Das österliche Evangelium, in dem Jesus die Jünger anhaucht – ihnen den Heiligen Geist zusagt und ineins damit die Vollmacht zur Vergebung der Sünden. Ist es nicht eigenartig, dass das das Erste ist gleich an Ostern, zusammen mit der Geistgabe die Vollmacht zur Sündenvergebung? Eigenartig deshalb, weil wir uns fragen: Wo wäre dies in unserer Verkündigung oder in unserer sakramentalen Praxis noch wirklich zentral heute oder das Erste? Aber hier ist es das Erste. Sündenvergebung als erste Vollmacht, die in der Kraft des Geistes gegeben und ausgeübt wird.

Versöhnung mit Gott

Liebe Schwestern und Brüder, das führt uns zur wenig behandelten Frage: Was ist eigentlich Sünde? Und die Antwort der Schrift ist: Es ist nicht zuerst die böse Tat. Die böse Tat ist immer erst das Zweite der Sünde, die Folge von Sünde im ursprünglicheren Sinn. Das erste ist: Entfernung von Gott, Entfernung von Jesus, kein Vertrauen, keine Liebe zu Gott. Und tatsächlich ist es ja so, dass es in jedem von uns Gedanken, Antriebe, schlechte Angewohnheiten, innere Herzensregungen, Hartherzigkeit gibt und vieles mehr: alles Dinge, die uns von Gott fernhalten. Wir sind nicht einfach bei Ihm und mit Ihm – obwohl Er immer bei uns ist. Tiefer als wir es erahnen. Und so können wir diese erste Aufgabe des Priesters auch so lesen: Den Menschen so begegnen, dass sie aufatmen können, dass sie innerlich frei werden von Verstrickungen in schlechte Beziehungen, in schlechte Abhängigkeiten, in schlechte Angewohnheiten, dass sie Distanz überwinden, dass sie neu Vertrauen lernen – oder kurz: damit sie versöhnt in die liebende Nähe Gottes zurückfinden – umkehren zu Ihm. Wofür wäre Jesus sonst gekommen? Damit wir alle, und auch noch der Allerärmste in die liebende Gemeinschaft mit dem Vater zurückfinden! Lasst Euch mit Gott versöhnen, ruft Paulus den Korinthern zu, dafür ist er da.

Geben, was man nicht aus sich selbst hat

Liebe Brüder, liebe Diakone, ich glaube, dass es für den Priester von heute und morgen wieder viel mehr genau darauf ankommen wird: Zu zeigen, wie Jesus selbst unser Versöhner mit Gott ist, wie Er uns immer und immer neu zurückführen will in die Gemeinschaft mit Ihm selbst und seinem Vater, wie Er alles, was in uns ungut ist wegnehmen und alles, was gut ist, befördern will. Damit unser Sprechen und Handeln immer mehr nach Ihm schmecken, nach Seiner Gegenwart, nach dem großen Versöhner, dem großen Friedensstifter, dem großen Liebenden. Und auch hier gilt wieder: Es wird viel an Euch als Priester hängen, aber eigentlich hängt trotzdem alles an IHM. Denn wir haben etwas zu geben, was wir selbst nicht aus uns haben. Wir schenken Ihn und seine heilende Gegenwart. Und daher ist das Erste für Euch: Bleibt auch Ihr in dieser Gegenwart

Ihr dürft auch selbst aus der Vergebung leben

Ich habe Euch vier nun schon oft und in vielen Begegnungen kennen lernen dürfen, im ehrlichen Austausch, in aller Nachdenklichkeit, in der Freude, im gemeinsamen Fragen danach, was unser priesterlicher Dienst heute bedeutet. Und ich muss sagen: Ich bin dem Herrn sehr, sehr dankbar für Euch. Vier so gute, konkrete, offene junge Männer, die sich alle auf ihren priesterlichen Dienst freuen, die sehr guten Zeugnisse von ihren Ausbildern bekommen haben, die mit Leidenschaft, Freude und Ernsthaftigkeit ihren Weg gegangen sind. Ihr seid vier Männer, von denen ich die große Zuversicht habe, dass sie ihren Dienst gut machen werden. Aber wichtig ist auch: Ihr dürft auch Fehler machen, Ihr müsst und könnt auch nicht gleich nicht perfekt sein. Auch Ihr seid immer neu in die große liebende Vergebung des Herrn hineingenommen, nicht nur die anderen. Ihr dürft hineinwachsen in diesen Dienst, der so erfüllend sein kann, der aber auch so herausfordernd sein wird. Und auch wenn Ihr es vielleicht schon tausendmal gehört habt, die entscheidende Freude und die Fruchtbarkeit, um die es geht, die kommen zuerst aus Eurer eigenen Nähe zu Jesus, aus der Qualität Eures eigenen geistlichen Lebens mit IHM. Ich sage es deshalb, weil die Versuchung, in dieser Qualität nachzulassen – und es zu einem Nebensächlichen zu erklären im alltäglichen Betrieb besonders groß ist.

Brüder zu Brüdern

Was mich persönlich angeht: Ich möchte Euch zusagen, dass Ihr immer kommen könnt, dass ich das Meine tun will, um nicht zuerst Vorgesetzter, sondern zuerst Bruder zu sein. Und ich möchte auch alle unsere Mitbrüder im priesterlichen Dienst bitten, unsere neuen Brüder in unserer Priestergemeinschaft offenen Herzens aufzunehmen und zu begleiten. Und es möge Euch mit Dank erfüllen, dass wir in einem so schönen Bistum wie dem unseren dienen dürfen – und mögen Euch Eure Namenspatrone und Maria, die Hilfe der Christen, unser Bruder Konrad und alle Engel und Heiligen allen Segen des Himmels erbitten. Amen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Simon Steinbauer und Michael Osterholzer im Passauer Dom am 30. Juni 2018 –

„Rede, Herr, denn dein Diener hört.“ Es sind berühmte Worte aus dem Alten Testament, aus der Berufungsgeschichte des jungen Propheten Samuel und seines Begleiters, des Priesters Eli. „Rede, Herr, denn dein Diener hört.“ Aber Eli braucht ein wenig, bis er als Priester des Tempels versteht, dass Samuel tatsächlich von Gott berührt und angesprochen ist. Wenn wir diese Geschichte von weiter vorne angefangen hätten zu lesen, dann hätten wir auch folgenden Satz gehört: „In jenen Tagen waren Worte des Herrn selten, Visionen waren nicht häufig“. Und wenn wir die Geschichte auch noch im breiten Kontext lesen, dann finden wir auch den Grund dafür: Die Priester, vor allem die beiden Söhne des erwähnten Eli, waren bestechlich und lasterhaft, der Kult im Tempel war verdorben.

Die geistliche Atmosphäre

Meine lieben Weihekandidaten: In dieser kleinen Geschichte eröffnet und zeigt sich so viel für uns, für Euch und Euren Dienst. Zunächst dies: Ich bin überzeugt, dass es so etwas wie eine geistliche Atmosphäre gibt, die in und durch die gläubige Gemeinschaft entsteht. Die Frage ist: Wendet sich eine Glaubensgemeinschaft wirklich mit offenem, erwartungsvollen und freudigen Herzen an Gott, an Jesus? An den Gott, den sie feiert, dem sie vertraut, von dem sie wirklich etwas erwartet? Vermutlich habt Ihr das auch schon erlebt: Dort, wo diese auf Gott hin ganz offene innere Haltung auch in einer Gemeinschaft da ist, da fällt dann auch die Gnade leichter in offene Herzen. Und dann erleben wir eine gläubige Gestimmtheit, in der sich dann auch viel leichter ein Hören auf Gott ereignen kann, ein Sensibel-werden für sein Wirken in uns und unter uns. Dann mehren sich, um mit dem Alten Testamten zu sprechen, Worte des Herrn, und innere Erfahrungen, Bilder, Eindrücke – im besten Fall Visionen. Aber umgekehrt: Wenn der gemeinschaftliche Sinn für Gott kaum da ist, wenn jeder nur sich sieht oder auch wenn die Gemeinschaft nur um sich selbst kreist, dann sind „Worte des Herrn selten, Visionen nicht häufig“. Dann nimmt man eine Atmosphäre wahr, die bloß weltlich, bloß irdisch ist. Die vielleicht manchmal auch emotional ist, aber trotzdem keine Atmosphäre, in der Gottes Gegenwart durchdringt. Das bedeutet für uns: Gläubige Atmosphäre verstärkt den Glauben der Menschen und schenkt dann auch gläubige Erfahrungen.

Der Priester als Schlüsselgestalt

Ein zweites: die zentrale Schlüsselgestalt dafür, ob sich eine gläubige Gemeinschaft auf Gott hin öffnet, ist der Priester. Er ist der, der im Gottesdienst in Person von Christus in Anspruch genommen wird, damit der durch ihn wirken kann. Und natürlich, das Entlastende für uns Priester ist zunächst einmal: Gott tut es so und so. Egal ob ich selbst grade gut oder schlecht gestimmt bin, gesund oder krank, alt oder jung: Er wirkt das Wunder der Wandlung durch unser Gebet. Und das ist die objektive Seite, die die wesentliche ist, weil jeder Mensch, der mit Euch die Messe mitfeiert, darf sich verlassen, dass Gott wirkt und da ist. Und Ihr selbst als zukünftige Priester dürft Euch gewiss sein: Er ist immer voller Liebe bei Euch und mit Euch.

Lass

Aber genau deshalb ist der Priester in der Messe eben der erste der Empfangenden, der erste der Aufnehmenden, der erste der Betenden im Gottesdienst. Und so stellt sich für uns Priester die Frage: Wie stehen wir selbst im Geheimnis der Gegenwart Gottes? Wie sind wir selbst offen für Ihn, ergriffen von Ihm, Antwortende seiner Liebe? Wie sehr lassen wir unser Handeln und Sprechen im Gottesdienst eine Einheit von innen und außen werden? Wie sehr wird das, was Christus durch uns tut, auch durch unsere innere Haltung und äußeren Gesten wahrnehmbar? Wir sind Schlüsselmänner, von Jesus her beauftragt, und dürfen uns immer neu fragen: Sperren wir diese Tür nach innen und in die Tiefe auch für die Gemeinschaft auf? Erfahren die Menschen durch uns, dass es tatsächlich Nahrung gibt, geistliche Nahrung, gute Weide, nach der sie sich ausstrecken können? Erfahren die Menschen, dass wir schon wirklich gekostet haben, vom Brot des Lebens, dass wir den Schatz im Acker schon gefunden haben, für den wir bereit sind alles zu verkaufen? Oder werden wir Gefahr laufen, den Gottesdienst vor allem Routine werden zu lassen, Handlungen und Worte, die wir halt sagen, weil man sie sagt – ohne sie selbst vollzogen zu haben und ohne auch wirklich zu wünschen, dass die Menschen sie mitvollziehen? Hauptsache, es dauert nicht zu lange!? Wir sind Schlüsselmänner meine Lieben und daraus wächst uns der Auftrag zu: Zuerst durch IHN, mit IHM, in IHM.

Der Geist der Unterscheidung

Und das führt uns zu einem Dritten. Eli, der Priester erkennt allmählich, dass Samuel von Gott gerufen wird. Ich bin überzeugt, dass wir nur dann Menschen werden können, die den Ruf Gottes an andere verstehen, wenn wir selbst in uns das leise Rufen Gottes von den anderen Stimmen unterscheiden gelernt haben und immer neu üben; wenn wir auch erspüren können, nach und nach: diese oder jene Regung kommt vom Herrn, diese vom eigenen Denken und jene vom Widersacher. Unterscheidungshelfer und Entscheidungshelfer werden für Menschen auf ihrem Weg zu Gott, das ist eine für morgen besonders wichtige Kompetenz, die auch unser Papst immer neu und deutlich betont.

Vergebung der Sünden

Ihr habt das Evangelium ausgewählt, das wir gehört haben. Das österliche Evangelium, in dem Jesus die Jünger anhaucht – ihnen den Heiligen Geist zusagt und ineins damit die Vollmacht zur Vergebung der Sünden. Ist es nicht eigenartig, dass das das Erste ist gleich an Ostern, zusammen mit der Geistgabe die Vollmacht zur Sündenvergebung? Eigenartig deshalb, weil wir uns fragen: Wo wäre dies in unserer Verkündigung oder in unserer sakramentalen Praxis noch wirklich zentral heute oder das Erste? Aber hier ist es das Erste. Sündenvergebung als erste Vollmacht, die in der Kraft des Geistes gegeben und ausgeübt wird.

Versöhnung mit Gott

Liebe Schwestern und Brüder, das führt uns zur wenig behandelten Frage: Was ist eigentlich Sünde? Und die Antwort der Schrift ist: Es ist nicht zuerst die böse Tat. Die böse Tat ist immer erst das Zweite der Sünde, die Folge von Sünde im ursprünglicheren Sinn. Das erste ist: Entfernung von Gott, Entfernung von Jesus, kein Vertrauen, keine Liebe zu Gott. Und tatsächlich ist es ja so, dass es in jedem von uns Gedanken, Antriebe, schlechte Angewohnheiten, innere Herzensregungen, Hartherzigkeit gibt und vieles mehr: alles Dinge, die uns von Gott fernhalten. Wir sind nicht einfach bei Ihm und mit Ihm – obwohl Er immer bei uns ist. Tiefer als wir es erahnen. Und so können wir diese erste Aufgabe des Priesters auch so lesen: Den Menschen so begegnen, dass sie aufatmen können, dass sie innerlich frei werden von Verstrickungen in schlechte Beziehungen, in schlechte Abhängigkeiten, in schlechte Angewohnheiten, dass sie Distanz überwinden, dass sie neu Vertrauen lernen – oder kurz: damit sie versöhnt in die liebende Nähe Gottes zurückfinden – umkehren zu Ihm. Wofür wäre Jesus sonst gekommen? Damit wir alle, und auch noch der Allerärmste in die liebende Gemeinschaft mit dem Vater zurückfinden! Lasst Euch mit Gott versöhnen, ruft Paulus den Korinthern zu, dafür ist er da.

Geben, was man nicht aus sich selbst hat

Liebe Brüder, liebe Diakone, ich glaube, dass es für den Priester von heute und morgen wieder viel mehr genau darauf ankommen wird: Zu zeigen, wie Jesus selbst unser Versöhner mit Gott ist, wie Er uns immer und immer neu zurückführen will in die Gemeinschaft mit Ihm selbst und seinem Vater, wie Er alles, was in uns ungut ist wegnehmen und alles, was gut ist, befördern will. Damit unser Sprechen und Handeln immer mehr nach Ihm schmecken, nach Seiner Gegenwart, nach dem großen Versöhner, dem großen Friedensstifter, dem großen Liebenden. Und auch hier gilt wieder: Es wird viel an Euch als Priester hängen, aber eigentlich hängt trotzdem alles an IHM. Denn wir haben etwas zu geben, was wir selbst nicht aus uns haben. Wir schenken Ihn und seine heilende Gegenwart. Und daher ist das Erste für Euch: Bleibt auch Ihr in dieser Gegenwart.

Ihr dürft auch selbst aus der Vergebung leben

Ich habe Euch vier nun schon oft und in vielen Begegnungen kennen lernen dürfen, im ehrlichen Austausch, in aller Nachdenklichkeit, in der Freude, im gemeinsamen Fragen danach, was unser priesterlicher Dienst heute bedeutet. Und ich muss sagen: Ich bin dem Herrn sehr, sehr dankbar für Euch. Vier so gute, konkrete, offene junge Männer, die sich alle auf ihren priesterlichen Dienst freuen, die sehr guten Zeugnisse von ihren Ausbildern bekommen haben, die mit Leidenschaft, Freude und Ernsthaftigkeit ihren Weg gegangen sind. Ihr seid vier Männer, von denen ich die große Zuversicht habe, dass sie ihren Dienst gut machen werden. Aber wichtig ist auch: Ihr dürft auch Fehler machen, Ihr müsst und könnt auch nicht gleich nicht perfekt sein. Auch Ihr seid immer neu in die große liebende Vergebung des Herrn hineingenommen, nicht nur die anderen. Ihr dürft hineinwachsen in diesen Dienst, der so erfüllend sein kann, der aber auch so herausfordernd sein wird. Und auch wenn Ihr es vielleicht schon tausendmal gehört habt, die entscheidende Freude und die Fruchtbarkeit, um die es geht, die kommen zuerst aus Eurer eigenen Nähe zu Jesus, aus der Qualität Eures eigenen geistlichen Lebens mit IHM. Ich sage es deshalb, weil die Versuchung, in dieser Qualität nachzulassen – und es zu einem Nebensächlichen zu erklären im alltäglichen Betrieb besonders groß ist.

 Brüder zu Brüdern

Was mich persönlich angeht: Ich möchte Euch zusagen, dass Ihr immer kommen könnt, dass ich das Meine tun will, um nicht zuerst Vorgesetzter, sondern zuerst Bruder zu sein. Und ich möchte auch alle unsere Mitbrüder im priesterlichen Dienst bitten, unsere neuen Brüder in unserer Priestergemeinschaft offenen Herzens aufzunehmen und zu begleiten. Und es möge Euch mit Dank erfüllen, dass wir in einem so schönen Bistum wie dem unseren dienen dürfen – und mögen Euch Eure Namenspatrone und Maria, die Hilfe der Christen, unser Bruder Konrad und alle Engel und Heiligen allen Segen des Himmels erbitten. Amen.

 

 

 

 

 

 

 

 

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