Wenn der Herr im Leben wirklich wird. Die Predigt von Bischof Stefan Oster am Fest „Darstellung des Herrn“ im Passauer Stephansdom.
Am Tag von Mariä Lichtmess, wie das Fest der Darstellung des Herrn auch genannt wird, wird zugleich der Tag des geweihten Lebens gefeiert. In seiner Predigt verwies Bischof Oster so zunächst auf Thomas von Aquin. Auf sein Werk beziehen sich Theologen noch heute, obwohl es auf den ersten Blick beinahe langweilig daherkomme, so der Bischof. Bei genauerem Hinsehen jedoch werde deutlich, mit welch großer Hingabe und innerem Licht er die Dinge beschrieben habe und dadurch das, was er sagen wollte, zum Leuchten gebracht habe. Thomas von Aquin sei von Anfang an ein Gottgeweihter gewesen, weil er sein Leben in den Dienst Gottes stellte und nichts anderes wollte, als ihn zu verkünden und auf ihn hinzuweisen: „Geweihte Menschen suchen die Nähe, die Wirklichkeit zum Herrn.“
„Jemanden lieben bedeutet das Wirklichwerden des anderen für mich.“
Diese Art der Wirklichkeit beschrieb auch Valentin Tomberg: „Jemanden lieben bedeutet das Wirklichwerden des anderen für mich.“ Jeder könne das nachvollziehen, so Bischof Oster. Wenn man eine Person richtig gern habe, dann werde sie im eigenen Leben ganz wirklich. Dadurch nehme man teil am Leben einer anderen Person, teile Leid und Freud gleichermaßen. In der heiligen Messe feiern wird schließlich das Wirklichwerden Jesu im Hören seines Wortes und in unserer Gemeinschaft. „In gewisser Weise können wir sagen, dass wir alle gottgeweiht sind, weil wir alle getauft sind“, richtet sich der Bischof an die Gläubigen.
Warum also feiern wir dann überhaupt diesen Tag des geweihten Lebens? „Weil wir Zeuginnen und Zeugen in unserer Kirche brauchen. Menschen, die sagen: Das, was ich suche, was mir Sinn gibt, was mir innere Freude gibt, was mir Leben und größeres Glück verheißt – Für das oder besser für den will ich ganz leben.“ Diese Menschen würden alle anderen darauf hinweisen, wohin im Grunde jeder Getaufte unterwegs sei. „Wir gehen auf ein Lebensziel zu, in dem Gott unser Leben und das von uns allen miteinander erfüllen wird“, so der Bischof. Menschen wie etwa Ordensleute, die eine Weihe erfahren haben, haben ihr Leben Gott so zur Verfügung gestellt, dass sie anderen genau dies zeigen.
