Zulassung zur Erwachsenentaufe

In Predigten von Pressestellekommentieren

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben, liebe Katechumenen,

diese Erzählung von der Berufung der ersten Jünger passt wunderbar zum heutigen Anlass, der uns hier und heute im Dom, in der ersten Kirche unseres Bistums,  zusammen geführt hat. Jesus ist am See Genezareth unterwegs und er begegnet Menschen. Zunächst ist für mich interessant, dass hier vier Männer von ihm ausgewählt werden, die entweder verwandt oder zumindest untereinander sehr bekannt sind. Es sind zwei Brüderpaare, die in unmittelbarer Nachbarschaft am See als Fischer arbeiten und sich vermutlich auch untereinander gut kennen. Man muss sich das vorstellen, allein vier von den nachher so großen und wichtigen Aposteln kommen hier aus einen Dorf am Rand des Sees. Warum ist das ein interessantes Detail? Ich denke zunächst, dass Jesus mit seinem Ruf bei denen ansetzt, wo schon etwas da ist. Wir sagen im katholischen Glaubensverständnis, dass die Gnade die Natur voraussetzt und nicht einfach wegwischt, sondern sie arbeitet mit ihr. Mit Natur meine ich eine bereits geformte menschliche, natürliche Voraussetzung für Jesus. Er findet offenbar bei diesen Männern gute Bedingungen vor, gleichsam einen aufnahmebereiten, guten Ackerboden, in den sein Wort, sein Ruf, wie ein Same hineinfallen kann. Ich bin sicher, dass Jesus nicht willkürlich vorgeht und einfach ein paar Leute auswählt. Er sieht ihnen mit seinem Liebesblick vielmehr ins Herz, er meint jeden einzelnen ganz persönlich. Und wenn das alles stimmt, dann ist hier in der Gruppe dieser Männer und im Herzen eines jeden einzelnen offenbar zuvor etwas gewachsen, was schon bereit ist für den Ruf Jesu. Womöglich sind es Männer eines tiefen jüdischen Glaubens, die intensiv den Messias herbei sehnen, die Männer des Gebetes sind, die eine gute Gemeinschaft miteinander leben und sich auch gegenseitig in ihrem gläubigen Leben bestärken. Ich stelle mir jedenfalls vor, dass es ein so vorbereiteter Boden war, in den hinein Jesus sein Wort an sie spricht: „Folgt mir nach, ich werde euch zu Menschenfischern machen“.

Und offenbar sind diese Männer in ihrer Erwartungshaltung, ihrem Gebet nun ihrerseits auch sensibel geworden für die Erkenntnis Jesu. Sie erkennen ihn offenbar als den, der zutiefst vertrauenswürdig ist, der abgründig anders als alles ist, was ihnen zuvor begegnet ist. Sie spüren wohl, dass dieser über ihr normales tägliches Leben hinausreicht. Würden sie das nicht spüren, würden sie ja nicht einfach ihr altes Leben so plötzlich hinter sich lassen können. Wirklich mit Jesus gehen und sein altes Leben verlassen kann man nur, wenn man ahnt, dass hier einer ist, der „mehr ist als Salomo“, wie er einmal selbst von sich sagte. Also einer, der mehr ist als der mächtigste, prächtigste damals bekannte König in Israel.

Liebe Katechumenen, Sie sind heute hier, weil Sie sich auf die Taufe vorbereiten. Sicher ist es Ihnen nicht ganz genau so ergangen wie den Aposteln, aber ich kann mir vorstellen, dass die meisten von Ihnen im Lauf der letzten Zeit einmal eine Erfahrung gemacht haben, die Ihnen innerlich gesagt hat: Ja, er ist es; Christus ist es! Oder vielleicht haben Sie die Ahnung gewonnen: in der Kirche, da ist etwas anders als woanders. Da spürt man einen anderen Geist, eine andere Tiefe, bei der es um mehr geht als nur um diese sichtbare Welt.

Und vielleicht haben Sie diese Erfahrung auch in einer Gemeinschaft von Menschen machen dürfen, die schon glauben; Menschen, die schon Erfahrung haben auf dem Weg mit Jesus und dem Weg in der Kirche. Vielleicht ist dabei auch bei Ihnen der Boden bereitet worden, in den hinein ein Wort, eine Geste, eine Handlung fallen konnte, die Sie auf Jesus, auf den Glauben an Ihn zurückgeführt haben. Und sie haben sich auf den Weg gemacht. Sie lernen die Kirche kennen, Sie lernen den Gottesdienst kennen, Sie beschäftigen sich mit Inhalten des Glaubens. Alles das lässt sich zusammenfassen in dem Satz: Sie beginnen, Jesus persönlich nachzufolgen. Persönlich und in Gemeinschaft.

Die Taufe, der Sie entgegen gehen, hat uns Jesus selbst aufgetragen: alle die Seine Jünger und Jüngerinnen sind, sollen auf seinen Namen getauft werden, vereint mit dem Vater und dem Heiligen Geist. Wenn Sie sich wirklich auf diesen Weg einlassen, dann wird er auch ein Abenteuer sein; eine abenteuerliche Reise Ihres Glaubens. Jesus will nämlich einen Weg mit Ihnen gehen, einen Weg der Vertiefung, der Reifung, einen Weg des Vertrauens und der Liebe. Die Kirche ist dafür da, dass wir durch sie Jesus und den Vater immer mehr erkennen und lieben lernen und dass wir auf diese Art selbst neue Menschen werden, Menschen, die anders leben können, weil sie in Jesus Gott selbst kennen und mit Ihm gehen dürfen.

Ich beglückwünsche sie von Herzen dazu. Ich freue mich als Ihr Bischof neue, bewusste Frauen und Männer in die Kirche hineinbegleiten zu dürfen. Der Glückwunsch kommt deshalb, weil Sie damit eine Entscheidung treffen für ein Leben, das nie mehr aufhört, für ein Leben, dem zwar nicht verheißen ist, dass ihm die Erfahrung von Leid, von Krankheit, von Bösem oder Tod erspart bleibt. Aber es ist ein Leben, in dem alles das keine letzte Kraft mehr hat und niemals das letzte Wort. Es ist ein Leben, das tiefer reicht und höher und das uns in der Tiefe befähigt, Menschen der Freude zu sein. Das wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen und dazu segne Sie der dreifaltige Gott. Amen.

Bild: Pressestelle Bistum Passau

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