Foto: Pfarrei Thurmannsbang

Woher kommen wir – wohin gehen wir? Von der Wichtigkeit der Mitte

Woher kommen wir – wohin gehen wir? Von der Wichtigkeit der Mitte. Die Predigt von Bischof Stefan Oster zum 550-Jahre-Jubiläum der Pfarrei Thurmannsbang.

Zum 550-jährigen Bestehen der Pfarrei Thurmansbang hat Bischof Stefan Oster am 26. April 2026 die Pfarrkirche als geistliches Zentrum des Dorfes und des persönlichen Lebens in den Mittelpunkt seiner Predigt gestellt. In seiner Predigt spannte er den Bogen von der Pfarreierhebung im Jahr 1476 bis in die Gegenwart – und verband den Jubiläumsfesttag mit einem eindringlichen Appell: Kirche dürfe nicht zum Museum werden.

Oster erinnerte daran, dass kirchliches Leben in Thurmansbang bereits vor der offiziellen Pfarreierhebung bestanden habe. Entscheidend sei aber nicht nur das historische Datum, sondern die Frage, warum Menschen seit Jahrhunderten das Bedürfnis hätten, mitten im Ort ein Gotteshaus zu errichten. Für den Bischof ist die Antwort klar: Die Kirche sei der Ort, an dem Menschen ihr Leben „in einen größeren Horizont“ stellen – in die Frage nach Herkunft, Sinn und Ziel des Lebens.

Christen glauben nicht an eine abstrakte Macht, sondern an einen persönlichen Gott, den Jesus als „Abba“, als liebenden Vater, offenbart habe. Dieser Glaube sei der Grund, warum Menschen die entscheidenden Stationen ihres Lebens in die Kirche trügen: Taufe, Erstkommunion, Firmung, Ehe und Abschied von den Verstorbenen. Die Kirche sei damit nicht nur ein Gebäude, sondern geistliche Heimat für das ganze Leben.

Zugleich warnte der Passauer Bischof vor einem Verlust dieser Mitte. Wenn Kirche und Glaube aus dem Zentrum des Lebens verschwänden, drohten Egoismus, gesellschaftliche Spaltung und Sinnverlust. „Wenn wir die Mitte verlieren, gibt es mehr Auseinander und Gegeneinander“, sagte Oster. Gerade in einer Zeit von Wohlstand, Dauerablenkung und wachsender Distanz zum Glauben sei die Gefahr groß, die eigenen geistlichen Wurzeln zu verlieren.

Von der Wichtigkeit der Mitte

Mit Blick auf die Zukunft sprach Oster offen von einem tiefgreifenden Umbruch. Die Zeit der selbstverständlichen „Volkskirche“ sei vorbei. Christen müssten heute bewusster denn je wissen, woran sie glauben, warum sie glauben – und darüber auch sprechen können. Die Zukunft der Kirche liege nicht im bloßen Brauchtum, sondern im persönlichen Glaubenszeugnis.

Besonders eindringlich warb der Bischof dafür, neu auf „die Stimme des guten Hirten“ zu hören – auf Jesus Christus, den Oster als eigentliche Mitte des Glaubens bezeichnete. Wer in dieser Beziehung lebe, finde Halt, Trost und Orientierung, auch in den Brüchen des Lebens.

Zum Abschluss dankte Oster allen, die das kirchliche Leben in Thurmansbang tragen: den Seelsorgern, Ehrenamtlichen, Gremien, Vereinen und Verbänden. Sie alle sorgten mit dafür, dass die Kirche auch nach 550 Jahren ein lebendiger Ort des Glaubens bleibe. Denn: Thurmansbang hat seit 550 Jahren eine Mitte – und diese Mitte müsse lebendig bleiben.

Die Predigt hier zum Nachhören:


Hören Sie auch die Predigt „Über die alte und die neue Mitte!“.