Frieden: Der österliche Auftrag an uns Christen. Die Kurzpredigt von Bischof Stefan Oster beim ökumenischen Evensong im Rahmen der Maria-Hilf-Woche in der Emmauskirche Bad Griesbach.
„Uns alle verbindet der Wunsch nach und die Bitte um den Frieden in der Welt…“ Mit diesen Worten begrüßte Dekan Jochen Wilde am frühen Samstagabend, 27. Juni, die Gläubigen beim ökumenischen Evensong in Bad Griesbach. „Gott sucht unsere tätige Mithilfe, um Frieden zu schaffen.“
Unter dem Leitwort „Unser Auftrag ist der Frieden“ luden der katholische Bischof Dr. Stefan Oster SDB und der evangelische Dekan Jochen Wilde zu einer ökumenischen Andacht in die Emmauskirche ein. Rund 70 Besucher nahmen an dem abendlichen Gottesdienst teil, der sich gestalterisch an die anglikanische Tradition des Abendgesangs anlehnte.
In einem gemeinsamen Gebet, das sich am Versöhnungsgebet von Coventry orientierte, thematisierten Wilde und Bischof Oster gesellschaftliche Fehlentwicklungen wie Hass, Neid und Gier sowie die Not von Gefangenen, Heimatlosen und Flüchtlingen und baten um Vergebung.
Der biblische Friedensbegriff im Fokus
Der Kurzimpuls von Bischof Stefan Oster setzte sich mit der Frage auseinander, was der Auftrag zur Friedensstiftung konkret bedeutet. Oster bezog sich dabei auf eine Passage aus dem Johannesevangelium, in der der auferstandene Jesus vor seine Jünger tritt, die sich aus Angst eingeschlossen hatten. Der Bischof gab zu bedenken, dass die Jünger Jesus kurz zuvor im Stich gelassen hatten, als dieser den Kreuzweg und sein Leiden durchstehen musste.
Trotz dieser Vorgeschichte habe Jesus den Jüngern den Friedensgruß überbracht. Oster erläuterte in diesem Zusammenhang den Begriff „Schalom“ aus der jüdischen Tradition. Dieser bedeute weit mehr als die bloße Abwesenheit von Krieg; er stehe für ein umfassendes Heilsein und das Leben in intakten Beziehungen zu Gott, den Mitmenschen, der Schöpfung und sich selbst. In diesen Frieden und in den Dienst der Vergebung seien Christen gesandt. Es gehe nicht darum, das Geschehene auszublenden – Jesus habe den Jüngern seine Wunden gezeigt –, sondern ohne Bitterkeit und gegenseitige Schuldzuweisungen zu handeln.
Historische Beispiele und Alltagsbezug
Als historische Beispiele für Menschen, die diesen inneren Frieden auch unter extremen Bedingungen bewahrt haben, nannte der Bischof Persönlichkeiten aus der Zeit des Nationalsozialismus. Er verwies auf die evangelische Widerstandskämpferin Sophie Scholl, die ihrem Todesurteil gefasst entgegenseh, sowie auf den Theologen Dietrich Bonhoeffer, der im Gefängnis im Angesicht des Todes sein bekanntes Gedicht von den „guten Mächten“ verfasste. Zudem erinnerte Oster an die katholische Ordensfrau Edith Stein, die im Konzentrationslager verängstigten Kindern beistand, und an den Pater Maximilian Kolbe, der im Tausch gegen einen Familienvater in den Tod ging.
Oster zitierte zudem einen christlichen Brief aus dem zweiten Jahrhundert, wonach Christen in der Welt die Funktion der Seele im menschlichen Körper einnehmen sollten. Wenn Christen im Frieden leben und sich um Benachteiligte kümmern, wirke sich dies auf die gesamte Gesellschaft aus. Zum Abschluss rief der Bischof dazu auf, auch das eigene Handeln im Alltag – ob in der Familie, im Freundeskreis oder im Beruf – auf Bitterkeit und Vergebungsbereitschaft hin zu prüfen.
Musikalische Gestaltung und liturgischer Rahmen
Der Charakter des Evensongs wurde durch die musikalische Gestaltung bestimmt. Das sechsköpfige Vokalensemble Cappella Cathedralis Passau unter der Leitung von Domkapellmeister Andreas Unterguggenberger übernahm den Chorgesang mit Werken aus der anglikanischen Kirchenmusik. Die Orgelbegleitung gestaltete Maximilian Jäger.
Die liturgischen Lesungen übernahmen Kurseelsorgerin Regina Roßmadl und Klinikseelsorger Dr. Philipp Augustin. Als Mitzelebrant wirkte Domkapitular Gerhard Auer mit. Die anschließenden Fürbitten wurden von Regina Roßmadl und Kurseelsorger Dr. István Bruncsák vorgetragen. Sie beteten für die Bereitschaft zur Verständigung sowie für einen gerechten Frieden in der Ukraine, im Nahen Osten und weltweit. Auch des Leids der Opfer von Krieg und Terror wurde gedacht. Zum Abschluss des Gottesdienstes ging das Orgelnachspiel in das Geläut der Kirchenglocken über.
Einen ausführlichen Bericht finden Sie hier.
Der Impuls von Bischof Oster hier zum Nachhören:
Hören Sie auch die Predigt „Die Seligpreisungen und wir Friedensmenschen“ von Bischof Stefan Oster der Friedensandacht anlässlich des Jahrestages des russischen Überfalls auf die Ukraine.
