Warum Anbetung? Kurze Gedanken zum Wesentlichen von Bischof Stefan Oster in der Hl. Messe zum „Tag der Anbetung“ innerhalb der Maria-Hilf-Woche in der Barbarakapelle.
„Wo genau steht denn in eurer Bibel, dass Jesus Gott ist?“ Es ist eine Frage, die Menschen ohne oder mit einem anderen Glauben Christen gar nicht so selten stellen – und auf die viele im ersten Moment keine spontane Antwort wissen. Mit genau diesem Gedanken eröffnete Bischof Stefan Oster am Freitagmorgen, den 03.07.2026 seine Predigt in der Barbarakapelle. Anlässlich des „Tags der Anbetung“ innerhalb der Maria-Hilf-Woche ging der Passauer Bischof einer ganz wesentlichen Frage nach: Warum eigentlich Anbetung?
Das Vorbild des ungläubigen Thomas
Eine der schönsten Antworten auf die Frage nach der Gottheit Jesu liege im aktuellen Evangelium, so der Bischof. Es ist die Begegnung mit dem Apostel Thomas. Als dieser den auferstandenen Christus sieht, ruft er aus: „Mein Herr und mein Gott!“ Das Entscheidende dabei: Jesus weist ihn nicht zurück. Er sagt nicht, Thomas habe sich getäuscht und man dürfe nur den Vater anbeten. Nein, Jesus akzeptiert diese Anbetung und bestätigt Thomas in seinem Glauben.
Die Herausforderung: Ägypten aus dem Herzen bekommen
Um zu verdeutlichen, warum die regelmäßige Anbetung für das eigene Leben so wichtig ist, schlug Bischof Oster eine Brücke zum Alten Testament und zitierte einen prägnanten Satz: „Als Gott die Israeliten aus Ägypten herausgeführt hat, da war die größere Herausforderung im Nachgang, dass Ägypten aus den Herzen der Israeliten herausgeführt werden musste.“ Kaum war das Volk in der Wüste und Mose eine Weile auf dem Berg Horeb, verfielen die Menschen in alte Muster, sehnten sich nach der Kultur der Unterdrücker zurück und beteten das goldene Kalb an.
Das lasse sich direkt auf die heutige Zeit übertragen, betonte der Bischof. Jeder Mensch sei ein Kind seiner Zeit und werde von der herrschenden Kultur beeinflusst. Das menschliche Herz sei von Natur aus so programmiert, dass es immer irgendetwas oder irgendjemanden für das Allerwichtigste hält und somit „anbetet“ – viel zu oft sei das schlichtweg das eigene Ego.
Ein Prozess des inneren Neujustierens
Hier setzt laut Oster die Anbetung an: Sie lädt dazu ein, sich selbst zu „dezentralisieren“. „Die Welt dreht sich nicht um mich, sondern sie dreht sich de facto um ihn.“ Die Gegenwart vor dem Allerheiligsten zu suchen – ob im Knien, Sitzen oder Stehen – sei ein Weg, um den Herrn Schritt für Schritt zum echten Zentrum des eigenen Lebens werden zu lassen.
Die ganze Predigt hier zum Nachhören:
Die Barbarakapelle am Passauer Domplatz ist seit Frühjahr 2015 geöffnet und entwickelt sich seitdem immer mehr zu einem beliebten Ort des Gebets – für persönliche Anliegen sowie im Besonderen für die Anliegen des Bistums. Zu vielen Zeiten findet dort Anbetung vor dem Allerheiligsten statt. Alle Infos und den Kalender finden Sie hier.
Wer sich beteiligen möchte ist herzlich eingeladen eine der Anbetungsstunden zu übernehmen. Dafür können Sie sich entweder falls vorhanden mit Ihrem persönlichen Link in den Anbetungskalender eintragen oder hier nachschauen, welche Stunden noch frei sind und sich dann im Referat Neuevangelisierung melden.
Hören Sie auch den Vortrag „Anbetung – die Quelle der Hoffnung“ von Bischof Stefan Oster am Adoratio-Kongress in Altötting.
