Abschluss der Kirchenrenovierung in Wisselsing

In Predigten von Pressestellekommentieren

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben,

mir gefällt das Wort: Innensanierung. Denn ich möchte mit Ihnen aus Anlass Ihres schönen Festes die Frage stellen. Wer oder was ist das eigentlich, die Kirche? Es ist ja gar nicht so leicht, das zu sagen. Wenn wir im alltäglichen Gespräch „die Kirche“ sagen, dann kommen sofort ganz viele Assoziationen. Die einen sagen, die Kirche, das ist zuerst einmal der Papst und das sind die Bischöfe und die Priester, die so genannte Amtskirche. Andere sagen: die Kirche, das ist ein Gebäude aus Stein, in das wir zum Beten hinein gehen. Wieder andere sagen: Die Kirche, das ist ein wohltätige Organisation, die tun viel Gutes, denn sie haben Krankenhäuser, Pflegeheime, Schule, Kindergärten, Sozialstationen, Einrichtungen für Behinderte und vieles mehr. Wieder andere sagen: Kirche, das sind wir alle, zumindest alle Getauften und vielleicht noch die, die getauft werden wollen. Es gäbe noch ein paar mehr Beschreibungen, auch solche, die nicht nur positiv sind, aber ich will es zunächst mal dabei belassen, denn Sie ahnen natürlich schon: diese Beschreibungen sagen alle etwas Richtiges, aber sie sagen alle auch nicht das Ganze. Dazu ist das, was wir Kirche nennen, viel zu vielschichtig.

Vielleicht fragen wir uns deshalb auch einmal, wozu ist eigentlich Kirche da? Wem nützt sie, wem dient sie eigentlich? Diese Antwort führt uns schon ein wenig tiefer und ich möchte versuchen, sie mit Hilfe Ihrer schönen Kirche zu geben, besser gesagt mit Hilfe Ihres Altarbildes. Die Kirche ist den beiden Apostelfürsten geweiht, Petrus und Paulus. Und auf dem Bild des Hochaltares bekommt Jesus den Schlüssel überreicht und wir sagen gerne so schnell dahin, das seien die Schlüssel zum Himmelreich. Und mit Petrus hat sie irgendwie die ganze Kirche, den er ist ja ihr erster Repräsentant. Ein Schlüssel kann eine Tür öffnen und er kann sie verschließen. Und um zu verstehen, was Kirche ist, ist es gut, dieses Bild ernst zu nehmen, das Bild vom Öffnen und Verschließen. Sicher kennen Sie das folgende Phänomen: Nehmen wir an, Sie haben ein paar gute Freunde und sie bilden eine Art Clique im positiven Sinn; es sind Menschen, die sich verstehen, die zusammenhalten und vielleicht bewegen Sie auch richtig etwas. Beispielsweise wenn Sie einen Verein haben und im Vorstand sehr gut zusammenhalten und man merkt, die Leute verstehen sich nicht nur auf der sachlichen oder geschäftlichen, sondern auch auf der persönlichen Ebene. Bei einem richtigen Zusammenhalt, da lässt sich unheimlich was bewegen. Und nun stellen Sie sich vor, es gibt einen Menschen, der möchte da auch mitwirken, aber er kennt die anderen noch nicht so gut. Stellen wir uns nun vor, dieser Mann wäre ein wenig ein Gschaftlhuber, der sich auch wichtig macht, aber im Grunde meint er es doch gut. Und Sie spüren plötzlich: Er will auch rein, er will auch dazugehören zum inneren Kreis. Und es ist nun an Ihnen, an denen, die drinnen sind, zu entscheiden, ob er hineinkommt oder ob er draußen bleibt. Entpuppt sich ihre Gruppe als offene, einladende Gruppe, die auch andere gerne aufnimmt. Oder wird sie plötzlich doch eine Clique im schlechten Sinn von Leuten, die nur unter sich bleiben wollen und zum Beispiel die Macht alleine in der Hand behalten wollen. Die Frage ist also: Sperren Sie anderen die Tür nach innen auf, oder nicht? Vielleicht liegt es an einer Person ganz besonders: Nehmen Sie an, der Verein wird von einem dominanten Vorstand geleitet und im Grunde hängt ganz viel an seiner Entscheidung: Lässt er den hinein, der mitwirken und mitgestalten will? Oder muss er draußen bleiben? Welcher Geist herrscht also in so einem Kreis, ein offener oder einer, der verschließt.

Liebe Schwestern und Brüder, die Kirche ist im Grunde so ein Kreis, wie ich ihn beschrieben habe, nur mit dem großen Unterschied, dass der Geist, der im Innersten der Kirche herrscht, der die Kirche ausmacht, das ist der heilige Geist, das ist der Geist Jesu. Wir alle haben diesen Geist schon empfangen, in der Taufe, die meisten auch in der Firmung und immer wenn wir zum Gebet beinander sind, hoffen wir, dass wir aus diesem Geist heraus beten.

Aber nun, stellen Sie sich einmal vor, sie würden zu einer Gemeinschaft von Freunden gehören, die wirklich was ganz Besonderes sind; Freunde zum Beispiel, die sich zum Ziel gesetzt haben, dass sie in ihrem Leben ganz wahrhaftig sein wollen und ganz viel Gutes tun wollen; Freunde, die sich auch gegenseitig durchs Leben helfen. Stellen Sie sich vor, Sie gehören zu so einer Gemeinschaft. Und dann stellen Sie sich vor, Sie haben irgendwas Schlimmes getan. Sie haben zum Beispiel einen Ihrer Freunde bei einem Geschäft übers Ohr gehauen, einfach weil Sie zu gierig waren. Oder Sie sind fremd gegangen mit der Ehefrau Ihres Freundes. Wenn Sie nun trotz dieser bösen Tat ein ehrlicher Mensch bleiben wollen und trotzdem weiter zum Freundeskreis gehören wollen, dann verstehen Sie nun mit Sicherheit, dass Sie irgendeinen Akt der Versöhnung brauchen, einen Akt der Wiedergutmachung, einen Akt, durch den Sie wieder hineinkommen können und einfach da sein können im Kreis dieser wunderbaren Freunde. Und es braucht dann auch irgendjemanden von diesen Freunden, der sagt: „Alles ist gut. Wir verzeihen Dir. Komm wieder rein.“

Liebe Schwestern und Brüder: Sie verstehen vielleicht, wie ich in solchen Beschreibungen auch das Geheimnis der Kirche darzustellen versuche. Die Kirche ist gewissermaßen der Ort, wo Gott unter uns wohnt. Sie ist symbolisiert in diesem wundervollen Haus aus Stein. Aber im Grunde wird sie dann wirklich und lebendig, wenn in diesem Haus Menschen sind, die zu Jesus gehören, die ihn kennen, die aus seinem Geist leben. Und Jesus will, dass alle dazugehören, aber er sagt uns auch: Das geht nicht ohne Innensanierung. Innensanierung ist ein anderes Wort für das biblische Wort Umkehr. „Willst Du wirklich voll dazu gehören, zu denen, die aus meinem Geist leben“, sagt er uns, „dann musst Du gewissermaßen immer wieder umkehren, Dich erneuern lassen. Das geht ganz persönlich, in jedem Gebet zum Beispiel. Aber ich habe einigen von Euch den Schlüssel dazu gegeben, dass sie das quasi auch offiziell tun dürfen. Sie können in meinem Namen taufen und die Eucharistie austeilen. Sie können in meinem Namen die Sünden vergeben, Sie wollen dich einladen, wieder einzutreten in den inneren Kreis. Dieser Schlüssel ist ein echter Türöffner. Sie wollen dich zur inneren Sanierung Deiner Seele einladen, zur Sanierung der Kirche in Dir. Und zwar so, dass das, was in dieser erneuerten Kirche hier zum Ausdruck kommt, auch ein Spiegel deines und eures Inneren ist.“ Ist es nicht so, Schwestern und Brüder, dass im Grund jedes Haus, in dem ein lebendiger Mensch wohnt, auch Ausdruck seines Inneren ist? Man kann spüren, wie ein Mensch innen ist, wenn wir seine engste äußere Umgebung wahrnehmen, also seine Wohnung.

Und wenn Sie von hier zum Beispiel an die Heilige Messe denken, die wir gerade feiern: Sie wissen, dass am Anfang jeder Messe ein Bußakt steht. Ein Akt, in dem wir miteinander bekennen: Wir kommen jetzt aus einer Welt, in der wir nicht immer nach dem Willen Gottes leben. Und wir treten jetzt ein, in dieses wunderschöne frisch sanierte Gotteshaus. Aber mehr noch: Wir treten damit ein in die Gemeinschaft derer, die Gottes Wort hören wollen, die neue aus seiner Gegenwart leben wollen. Und der Priester ist dann gewissermaßen der, der mit der Einladung zum Bußakt die Tür öffnet für den Eintritt in diese Feier der Gegenwart Jesu.

Also, wie ist das hier in der Gemeinde Wisselsing? Ist in dem schönen Ausdruck, die Innensanierung dieser Kirche, auch etwas gesagt, was im Innenleben der Gemeinde vor sich geht? Ist die Gemeinde auch durch eine Art Innensanierung gegangen? In jedem Fall, Schwestern und Brüder, darf das wieder ein Anstoß dazu sein. Die Schönheit des Gotteshauses darf uns alle immer neu daran erinnern, dass wir selbst lebendige Tempel sind, Gott will in unserem Inneren wohnen, alleine in Dir und mir – und in unserer Gemeinschaft, die diesen Gott in diesem Raum feiert.

Und dazu hat er uns die Kirche geschenkt und die Schlüsselgewalt. Die Kirche kann den Raum zu Jesus aufschließen – als getaufte Männer und Frauen müssen wir nur davon Gebrauch machen: Und ich sage Ihnen ganz ehrlich: Wenn Menschen spüren, dass hier ins Wisselsing Leute Leben, die von innen her Kirche sind, die – weil sie Innenraumsaniert sind –  wirklich und spürbar Wohnort Gottes sind, dann macht das hier Schule. Dann wird Kirche auch aus der Tiefe neu und auch an anderen Orten, dann wächst die Erfahrung, dass der lebendige Gott wirklich da ist und unser ganzes Leben begleitet. Und dann kommen sie auch wieder zu uns, weil sie ahnen: Die Christen, das sind die, die irgendwie einen ganz besonderen Schlüssel haben zu einem erfüllten Leben. Amen.

 

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