Anton Haslberger wird zum Priester geweiht

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Lieber Anton Haslberger, liebe Eltern, Angehörige, Freunde und Bekannte des Weihekandidaten, liebe Festgäste, Schwestern und Brüder im Glauben,

was ist das eigentlich, ein Priester? Was passiert heute in diesem Dom und in dieser wunderbaren Feier, wenn Sie, lieber Diakon Anton Haslberger, zum Priester „geweiht“ werden, wie wir sagen? Was heißt Weihe? Wir weihen ja allerhand Gegenstände, Speisen, Andenken, Autos, Häuser und anderes. Ist das dasselbe? Und was bedeutet überhaupt Weihe? Weihe heißt zunächst: Etwas oder jemand wird Gott geschenkt oder unter den besonderen Einflussbereich Gottes gestellt, etwas oder jemand wird dazu auch herausgenommen aus dem so genannten profanen Bereich und irgendwie dem Heiligen zugeordnet, eben dem, was Gott gehört. Im Alten Testament wird beispielsweise immer von den Leviten berichtet, sie waren einer der zwölf Stämme Israels. Aber sie bekamen beim Einzug ins Gelobte Land kein Gebiet zugeteilt wie die anderen Stämme, sondern sie wurden herausgenommen für den priesterlichen Dienst am Offenbarungszelt und später dann am Tempel von Jerusalem. Dafür erhielten sie von den Israeliten und aus dem Tempel bestimmte Abgaben. Wir lesen etwa im Buch Numeri, wie der Herr zu Mose sagt: sondere sie ab und reinige sie, denn sie gehören mir.  Und weiter heißt es: Sie sollen am Offenbarungszelt den Gottesdienst der Israeliten vollziehen und die Israeliten entsühnen. Dann wird die Israeliten kein Unheil treffen, wenn sie dem Heiligtum zu nahe kommen.

Im Alten Testament also wird ein priesterliche Dienst also vor allem von den Leviten vollzogen, die in besonderer Weise Gott gehören. Aber sie tun diesen Dienst nicht für sich: Sie tun es zur Ehre Gottes und für das Heil des Volkes. Der Dienst besteht vor allem im lobpreisenden Gebet und in der Darbringung der Vielzahl von Opfern, meist Tieropfern, die Israel gekannt hat.

Nun ist uns einerseits klar, liebe Schwestern und Brüder, dass wir in der Weihe, die Anton Haslberger heute empfängt, nicht einfach alttestamentliche Muster wiederholen, aber trotzdem spüren wir auch, dass wir in einer tiefen Tradition stehen, dass wir eine Geschichte fortschreiben, die seit Jahrtausenden andauert: die Geschichte Gottes mit uns, seinem Volk. Aber seit Christus in die Welt gekommen ist, gilt für uns: Er, der Herr, im Grunde der einzige, der wahre Hohepriester. Und er hat es auch nicht nötig, wie es im Hebräerbrief heißt, ständig neue Opfer darzubringen. Denn schon ganz früh haben die Jünger Jesu erkannt und auch aufgeschrieben: er selbst ist das Opfer, er ist das Lamm Gottes, das sich selbst aus tiefster Liebe hingegeben, sich dem Tod überliefert hat. Und er ist zugleich der Geweihte, derjenige, der im tiefst möglichen Sinn Gott gehört, dem Vater gehört. Er ist der Heilige Gottes, lesen wir im Evangelium. Sein Leben ist ein Leben der Ganzhingabe an den Vater. Aber eben deshalb an die Menschen und für die Menschen, die er mit seinem Blut reinigt.

Priestertum im Neuen Bund gibt es daher nur noch durch Jesus, mit Jesus und in Jesus. Priesterweihe im Geist des Neuen Bundes bedeutet also: von Jesus ganz in Besitz genommen und von ihm zu den Menschen und in die Welt gesandt werden.

Aber wie geht das, von Jesus in Besitz genommen werden? Wir glauben, dass Gott durch die Weihe eine Veränderung an der Seele des Kandidaten vornimmt. In einem Bild gesprochen, kann man sagen, wenn die Seele wie Wachs gedacht wird, dann drückt ihm Gott eine Art Siegel ein, ein „Prägemal“, sagt die Theologie. Und zwar eines das bleibt, das nie mehr weggeht, und eines, das den Kandidaten damit in besonderer Weise befähigt, Christus zu repräsentieren, und zwar zuallererst in der Feier der Eucharistie.

Christus ist zu uns gekommen in unfassbarer Erniedrigung, in Demut, in der Bereitschaft zu leiden und zu sterben. Zugleich ist er aber in dieser Bereitschaft trotzdem nicht einfach für uns verfügbar geworden. Er gleicht sich uns nicht einfach an, er macht nicht einfach das, was wir wollen. Das heißt also: Er ist einerseits ganz wie wir geworden, ganz Mensch und trotzdem bleibt er auch der ganz Andere, der Unverfügbare. Er ist der, der uns verändern will und nicht der, den wir uns so benutzen könnten, wie wir ihn halt grad brauchen.

Auch dies, lieber Anton Haslberger, wird Ihnen in Zukunft bleibende Aufgabe, aber auch Herausforderung sein: Als Priester wird es Ihnen aufgetragen sein, wirklich wie Christus zu den Menschen zu gehen, also auch weit hinaus zu gehen. Die Menschen sollen und dürfen spüren, dass es Ihnen um sie geht, besonders auch um diejenigen an den Rändern, von den Papst Franziskus immer wieder spricht. Die Menschen sollen spüren, dass Christi Liebe Grenzen überschreitet, ohne je übergriffig zu werden. Sie dürfen spüren, dass Sie als Priester vom Herrn gesandt sind um zu versöhnen, aber auch um Ihnen die Wahrheit in Liebe zu verkünden. Ich bin nun sehr zuversichtlich, dass Sie das können, zumal Sie schon in Ihrer ersten Ausbildung als Heilerziehungspfleger den intensiven Umgang mit den Menschen, vor allem auch mit benachteiligten Menschen, gelebt und eingeübt haben. Christus sendet Sie, lieber Anton, und die Menschen sollen spüren, dass Sie Ihnen in bestimmter Weise auch gehören, weil Sie sich für sie auch verfügbar machen. Aber dennoch bleibt es die Aufgabe des Priesters mit Christus zugleich eine bleibende Unterschiedenheit zu den Menschen zu leben. Die Liebe, die sich klein machen kann, die Liebe, die von IHM her kommt, diese Liebe ist eine, die sich nicht abhängig macht vom Applaus der Welt oder vom Gefühl, doch bitte gebraucht und geschätzt zu werden. Wenn wir uns den Menschen vor allem deshalb angleichen, weil wir ihre Anerkennung brauchen, dann sind wir schlechte Diener Christi, weil wir dann nicht um seinetwillen handeln, sondern weil wir letztlich unfähig sind, das Umsonst seiner Liebe wirklich zu leben. Wenn wir also nur die lieben, die uns dann auch wieder lieben, wenn wir nur denen geben, die uns dann auch wieder was geben, dann sagt Jesus, unterscheidet uns nichts von einer Welt ohne Glauben. Denn das machen irgendwie alle. Aber die immer tiefere Bindung an den Herrn, die Sie jetzt gleich auch als tägliche Übung versprechen werden, die macht Sie wahrhaft und von innen her frei zu einem Dienst, der wahr ist und heilig ist, weil er wirklich aus Christus kommt. Christus ist uns näher und innerlicher als wir uns selbst und gerade als solcher bleibt er auch der andere, der Unverfügbare, der Freie. „Wo der Geist des Herrn wirkt, da ist Freiheit“. Diese Worte des Heiligen Paulus, die Ihr Wahlspruch als Priester sind, weisen auf diese Freiheit hin, die allein aus dem Herrn kommt.

Mein Hinweis auf die Versuchung, sich vom Applaus und der Anerkennung der Menschen abhängig zu machen, sei Ihnen gleichzeitig Ansporn, wirklich immer mehr ein betender Mensch zu werden, einer, der auch deshalb zu Christus geht, weil er ihn wirklich liebt und nicht nur weil er ihn braucht. Pflegen Sie bitte täglich Zeiten mit dem Herrn, bei denen Sie einfach nur bei ihm und mit ihm sind, bei denen Sie sein Wort meditieren, bei denen Sie ihn loben und preisen, bei denen Sie ihm auch die Anliegen all derer vorbringen dürfen, die Ihnen anvertraut sind. Diese Zeit, die Sie dem Herrn umsonst schenken, sollten Sie auch nicht einfach verzwecken oder darauf leichtfertig verzichten. Die Welt wird das einfache, aber nötige Gebet vor Christus nicht immer verstehen. Sie wird vielleicht wie Maria im heutigen Evangelium den Sohn erstaunt fragen: Wie konntest Du uns das antun und einfach wegbleiben, im Tempel? Die Welt wird vielleicht ähnlich fragen: Müssen Sie dauernd beten, draußen ist doch so viel Not? Und Jesus antwortet: Wusstet Ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört? Und Sie dürfen antworten: Wisst Ihr nicht, dass ich bei dem sein muss, von dem alles Hinausgehen zu den Menschen erst wirklich seine Tiefe und seine Kraft bekommt? Wisst Ihr nicht, dass alles kirchliche Handeln, das nicht aus dem Gebet kommt, zum bloßen Betrieb wird?

Aber umgekehrt: Wenn Sie dem Herrn diese Zeit schenken, dann werden Ihnen die Menschen allmählich auch immer mehr glauben, dass Sie den wirklich kennen, von dem Sie in der Verkündigung sprechen. Dann werden Sie spüren, dass Christus in Ihrem Herzen gegenwärtig ist und bleibt. Dann werden Sie in Ihnen einen Priester erleben, der gibt und geben kann, was er selbst nicht hat, was er aber geschenkt bekommt. Sie dürfen sein Wort weiterschenken, sie dürfen die Eucharistie feiern und in der Kommunion die Liebe Christi verschenken, Sie dürfen im Sakrament der Versöhnung die von Ihm kommende Vergebung der Sünden zusprechen, Sie dürfen taufen und die Menschen in den Stand der Ehe begleiten, Sie dürfen die Kranken durch Salbung stärken und die Sterbenden begleiten. Alles das schenken Sie nie aus sich selbst. In allem sind Sie ein Diener dessen, der Sie heute in seine besondere Nähe und in seinen besonderen Dienst hineinnimmt.

Sie haben sich lange auf diesen Dienst vorbereitet, Sie sind dabei auch den einen oder anderen Umweg gegangen. Aber wenn mich meine Wahrnehmung nicht trübt, sind Sie darin ein Mann geworden, der reif ist für diesen Dienst. Ich sage nicht „würdig“, denn nie ist einer je würdig, wir bleiben allesamt, gerade in diesem Dienst auch unwürdige Sünder und wir haben kein Recht, keinen Anspruch auf diesen Dienst. Er, der Herr, erwählt souverän. Aber es gibt den Weg der fortlaufenden Reifung, den Weg der Heiligung, den Weg, der uns immer mehr befähigt zu glauben, zu hoffen und den Herrn und die Menschen zu lieben. Freilich auch durch Brüche, durch Zweifel, durch Kämpfe hindurch. Gäbe es die nicht mehr, wären wir schon im Himmel. Aber wir sind zuversichtlich, dass es keinen Kampf, kein Leid, keinen Zweifel gibt, in dem der Herr nicht selbst gegenwärtig wäre und mit uns kämpft und trägt und leidet und vor allem liebt.

Und vielleicht gibt es hier und heute im Dom Menschen, die sich von dieser unfassbaren inneren Schönheit Christi angezogen fühlen, oder die im Herzen spüren: wenn irgendwo Wahrheit ist, dann nur bei Ihm. Wenn Sie das spüren und ahnen: er könnte Sie einladen, wirklich Ihr Leben mit Ihm zu teilen, dann fragen Sie sich bitte sehr ernsthaft, ob Er selbst nicht auch Sie einlädt zu diesem Wagnis eines Lebens der Ganzhingabe mit Ihm. Ich darf aus eigener Erfahrung ehrlich sagen: Wenn Sie sich auf diesen Ruf einlassen und dann spüren, er ruft Sie, er zieht Sie an – und wenn Sie dann auch nicht aufhören, ihn immer neu zu suchen, mit ihm zu leben, dann ist das freilich kein leichter Weg, aber es ist ein Königsweg zu einem erfüllten Leben. Es gibt keinen tieferen Sinn in unser aller Leben als Christus.

Und ich freue mich nun von Herzen, lieber Anton, dass Sie ja gesagt haben, dass Sie sich vom Herrn in diesen Dienst nehmen lassen für unsere Diözese Passau. Und ich bitte die Mutter des Herrn, die – wie wir im Evangelium gehört haben – alles in ihrem Herzen bewahrt hat, ich bitte diese Mutter, dass sie auch Sie, lieber Anton, in ihrem fürbittenden Herzen bewahren möge. Und Sie alle liebe Brüder und Schwestern, möchte ich herzlich einladen, für Anton Haslberger, aber auch für alle anderen Mitbrüder, im diakonalen, priesterlichen und bischöflichen Dienst zu beten. Glauben Sie nicht, dass einmal geweiht bedeutet, dass die inneren Kämpfe und Versuchungen weniger werden. Die geistliche Tradition lehrt uns seit mindestens zwei Jahrtausenden, dass es der Teufel auch besonders auf diejenigen abgesehen hat, die durch die Weihe eine besondere Verantwortung in der Kirche übertragen bekommen. Deshalb auch brauchen unsere Amtsträger so dringend Ihr Gebet, denn sie tun den Dienst nicht zuerst für sich. Sie tun ihn zum Lob Gottes und zum Heil der Menschen, zum Heil von uns allen. Wir sind daher allen treuen Betern von Herzen dankbar, aber eben auch Ihnen, lieber Anton Haslberger und allen, die sich als Antwort auf einen Ruf des Herrn so tief in den Dienst nehmen lassen. Amen.

Bild: Pressestelle Bistum Passau

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