Gedenkgottesdienst für Bischof Franz Xaver Eder

Bischof Franz Eder war ein tief Glaubender und ein großer Menschenfreund. Warum man auch im Amt ein Mensch mit offenem Herzen bleiben kann – Predigt zum Gedenken an den 83. Bischof von Passau.

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben,
„wie schade“ dachte ich mir. „Wie schade, dass ich Bischof Franz nicht mehr gekannt habe“. Als Vorbereitung auf diesen Gedenkgottesdienst diente mir das sehr persönliche Buch, das Uschi und Werner Friedenberger unter der Mitarbeit von Maria Höllrigl zusammen mit Bischof Franz Eder verfasst und aufgezeichnet haben. „Gemeinsam unterwegs“ heißt es, und es ist ein Dokument eines bewegten Lebens in jeder Hinsicht.

Hier erzählt ein Mensch mit einem großen, weiten und tiefem Herzen. Ein tief Glaubender und ein  großer Menschenfreund. Und auch wenn er in seinem Nachdenken über die Lebenszeit schreibt, dass man im Alter das schnelle Vergehen der Zeit als etwas erlebe, das sich „eng und beängstigend“ anfühlen könne, so spricht hier dennoch zugleich einer, der auch die Dimension kennt, in der die Zeit die Ewigkeit berührt, die stillen Stunden, die Ruheplätze, in denen wir wahrhaft gegenwärtig sind, ganz bei Gott und deshalb auch ganz bei uns selbst.

Ja zu sich und seinem Leben

Hier spricht ein reif gewordener Mensch, der Ja zu sich und seinem Leben sagen konnte, weil er es leben und annehmen konnte aus dem tiefen Ja Gottes zu ihm, das er geglaubt hat und das der tragende Grund seines Lebens geworden ist. Bischof Franz Eder war ganz offensichtlich ein Mann, der eine väterliche Güte ausgestrahlt hat und der deshalb wohl auch so gut hierher gepasst hat, in das Bistum, aus dem er hervorgegangen ist.

Mir ist im Nachvollzug seines Lebens eine Parallele zu meinem Ordensvater Don Bosco aufgefallen: Auch Don Bosco hat wie Franz Xaver Eder seinen Vater sehr früh, als Kleinkind verloren. Und er hat durch diese Vaterlosigkeit offenbar kein psychologisches Defizit davongetragen, sondern ist – durch schwierige Zeiten hindurch – selbst ein Vater geworden.

Ein väterlicher Mensch

Don Bosco wurde geistlicher Vater von so vielen jungen Menschen, Bischof Franz Eder geistlicher Vater seines Bistums und offenbar auch für viele Gläubige. Ein väterlicher Mensch. Ich glaube, solche gereifte Väterlichkeit ist nur unter zwei Bedingungen zu haben: echte Weisheit wächst nur im Durchgang durch das wirklich Menschliche, nur im Durchgang auch durch Schmerzen und Leid. Und ihr Wachstum hängt vor allem von der Weise ab, wie wir uns in Leid und Schmerz bewähren.

Es gibt keine echte Weisheit, die nicht wirklich vom Leben „gezeichnet“ wurde, und das meine ich im doppelten Sinn des Wortes. Das Leben zeichnet unser Gesicht und quasi unser Herz und unsere Erfahrungen schreiben sich da hinein. Aber wir bestimmen mit, ob dieses „Gezeichnet-werden“ tief oder oberflächlich geschieht. Denn es ist in jedem Schmerz und in jedem Leid möglich, davonzurennen und sich zu verschließen oder es sich schönzureden oder irgendetwas ähnliches.

Sein Kreuz tragen lernen

Und es ist möglich, das Leid zusammen mit Christus, dem Kreuzträger zu tragen, zu lernen es anzunehmen und so von innen her verwandeln zu lassen, zu jener Gestalt, aus der eben Lebensweisheit erwächst. Ich denke, insbesondere die Erfahrung des Krieges und das Ausharren in der drei Jahre währenden russischen Kriegsgefangenschaft in Georgien, haben eine solche tiefe Prägung in Bischof Franz hinterlassen.

Damit ist die zweite Bedingung schon mitgenannt: der Glaube daran, dass in der Welt der Schmerz, das Leid, ja selbst der Tod nie das letzte Wort haben, sondern noch einmal unterfangen und überwunden sind von dem, der durch den Tod hindurch gegangen ist, weil er das Leben selbst ist. Dieser Glaube schließt auch die Erfahrung ein, dass das Schöne, das Wahre und das Gute in dieser Welt Vorschein, Vorahnung sind, von der Herrlichkeit Gottes, deren Anschauung auf uns wartet, wenn wir uns darauf vorbereitet haben. Und auch das konnte Bischof Franz Eder: Hinzeigen auf das, was diese Welt, insbesondere unsere Heimat so lebens- und liebenswert macht.

Bischof Franz Eder konnte predigen

Was mir noch aufgefallen ist und was mit dem Bisherigen tief zusammenhängt: In dem genannten Buch sind ein paar Predigten abgedruckt. An diesen wird wunderbar deutlich, dass Bischof Franz Eder ein Mann war, der die Geheimnisse des Glaubens in kräftigen, intensiven Bildern ausdrücken konnte. In einer Primizpredigt greift er den Primizspruch des Neugeweihten auf, der lautete „Bereitet dem Herrn den Weg, ebnet ihm die Straßen“. Der Bischof greift diesen Satz aus dem alttestamentlichen Prophetenbuch Jesaja auf und entfaltet ein Gleichnis unter Rückgriff auf den modernen Straßenbau und alles, was da technisch und handwerklich dazugehört.

Und er macht mit diesen kräftigen Metaphern deutlich, wie der Priester als Helfer beim Straßenbau wirken möge, damit Gott die Straße ins Herz der Menschen findet und der Mensch die Straße zu Gott nicht verliert. Wirkliche Gläubigkeit, liebe Schwestern und Brüder, kommt dort zum Ausdruck, wo einem Menschen das ganz Alltägliche, das Hier und Jetzt zu einem Ort, einem Zeichen wird, in dem wir plötzlich Gott begegnen. Dieses Auslegen des Evangeliums in Bildern und sprechenden Beispielen hat Bischof Franz von Jesus gelernt, der ein Meister darin war, Alltagssituationen als Gleichnisse zu verwenden, um sie für das Reich Gottes durchsichtig werden zu lassen.

„Ich vertraue darauf…“

Es ist bewegend für mich als Bischof, der gleichsam noch in den Starlöchern steht und insofern ein Anfänger im Amt ist, dieses Lebenszeugnis eines Vorgängers zu studieren, der ein Menschenfreund war und der sowohl das Amt wie sein irdisches Leben bereits vollendet hat. Bischof Franz erzählt mir persönlich dadurch: Ja, es ist möglich, im Amt ein Mensch zu bleiben mit offenem Herzen, mit dem Vertrauen in die Menschen, aber vor allem mit dem Vertrauen auf den Herrn, und dass er bei denen, die ihn suchen und lieben alles zum Guten führen wird.

Ganz bewusst hatte sich Bischof Franz für sein eigenes Requiem diesen Lesungstext aus dem Philipperbrief ausgewählt, den wir gehört haben. In ihm heißt es: „Ich vertraue darauf, dass er, der bei euch das gute Werk begonnen hat, es auch vollenden wird bis zum Tag Christi Jesu. Es ist nur recht, dass ich so über euch alle denke, weil ich euch ins Herz geschlossen habe.“

Jeder Mensch braucht Heimat

Jeder Mensch braucht Heimat, schreibt der Menschenfreund Bischof Franz in dem eingangs erwähnten Buch, in dem er sein Leben erzählt, und er beschreibt Heimat als einen verlässlichen Raum, der Atem und Leben schenkt. Aber wenn dann das Leben lehrt, schreibt er weiter, dass in der Welt solcher Raum nur mit Defiziten zu haben ist, dann kann im Menschen die Hoffnung keimen, auf jene Heimat, die liebenden Menschen zugesprochen ist, die große Heimat, die Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.

Wir sind guter Hoffnung, Schwestern und Brüder, dass Bischof Franz längst auf dem Weg in diese große Heimat ist, wenn er nicht schon dort ist. Wir sind guter Hoffnung, dass er wohl schon die Herrlichkeit schauen darf, die alleine das Menschenherz vollends selig macht. Und so er noch auf dem Weg dorthin ist, wollen wir ihn dankbaren Herzens mit unserem Gebet begleiten.

Wenn ich eingangs sagte: Schade, dass ich ihm nicht mehr begegnet bin, dann bin ich dennoch guter Hoffnung und sage: Danke, Bischof Franz, für alles, was Du uns geschenkt und als Vermächtnis hinterlassen hast. Und weil Du geschrieben hast, dass schon den über 30-Jährigen die Zeit dahinfliegt, möchte ich sagen: Auf bald. Ich freu mich aufs persönliche Kennenlernen im Reich unseres himmlischen Vaters. Amen.


So wirkt Bischof Franz Eder weiterhin Gutes: Mit dem von ihm gegründeten Bischof-Eder-Fonds werden Familien in Not von der Caritas Passau unterstützt.


Bild: Pressestelle Bistum Passau