Abschluss der Renovierungsarbeiten an der Wallfahrtskirche Maria Himmelfahrt in Bad Höhenstadt

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Liebe Schwestern und Brüder im Glauben,

ich möchte Sie einladen, sich einmal persönlich in die Situation hineinzuversetzen, die im Evangelium von heute geschildert ist. Jesus ruft seine Jünger zu sich und sendet sie aus. Er sendet Sie zu zweit aus, ohne irgendwelche große Ausstattung, ohne Geld und Vorräte. Sie werden ausgesendet um, wie es hier und anderswo heißt, das Evangelium vom Reich Gottes zu verkündigen, um die Menschen zur Umkehr zu rufen und Dämonen auszutreiben und Kranke zu heilen.

Stellen Sie sich also vor, ich würde Sie nun bitten, gehen Sie hinaus und verkündigen Sie das Evangelium vom Reich Gottes und rufen Sie zur Umkehr. Ich beschränke mich auf diese Punkte, weil die Forderung, die Dämonen auszutreiben und Kranke zu heilen, für uns vielleicht zunächst noch mehr überfordernd wäre, als die ersten beiden Forderungen. Wir wissen zwar, dass auch solche Dinge bei den Jüngern geschehen sind, aber schon im weit geringeren Maß als sie für Jesus selbst berichtet sind. Trotzdem erleben wir dennoch immer wieder auch heute, dass Menschen durch Segen und Fürbitte spontan geheilt werden. Also, alles das gibt es auch heute noch. Aber bleiben wir dennoch einmal mal bei den ersten Punkten: Stellen Sie sich vor, Sie sollen das Evangelium vom Reich Gottes verkünden und die Menschen zur Umkehr rufen. Wie würden Sie vorgehen und was würden Sie sagen?! Was ist überhaupt das Reich Gottes und was ist Umkehr? Von was sollen die Menschen den umkehren? Und wohin? Wüssten Sie für sich selbst, was Sie mit so einem Auftrag tun sollten? Was Sie sagen sollten? Was ist Reich Gottes und was Umkehr?

Ich stelle diese Frage, liebe Schwerstern und Brüder, weil wir hier und heute diese wunderschöne Kirche in Bad Höhenstadt wieder eröffnen dürfen. Wie ich erfahren habe, war das früher eine sehr wichtige Wallfahrt in unserem Bistum. Von weither kamen die Menschen zur „Schönen Maria im Thurm“, wie es hieß. Und weil hier auch noch heilkräftige Schwefelquellen entdeckt wurden, wurde das in einen Zusammenhang gebracht: Eine besondere Gnadenzutat der Gottesmutter, die ja auch als die Quelle der Gnade verehrt wird. Durch sie ist der Erlöser in die Welt gekommen, durch ihre Fürbitte kommt auch die Gnade des Erlösers in die Welt.

Zurück zur Ausgangsfrage: Präzisieren wir einmal Ihre Aufgabe als Verkündiger, die von Jesus ausgesendet werden. Nehmen wir an, Sie sollten die Wallfahrt hierher zur Mutter Gottes wieder anstoßen, weil sie glauben, das hätte etwas mit Umkehr und mit Reich Gottes zu tun. Was wäre dann die Botschaft? Liebe Schwestern und Brüder, ich frage deshalb ein wenig herausfordernd, weil ich glaube, dass wir in unserer Kirche genau diese Dimensionen neu gewinnen müssen. Wir dürfen neu und tiefer verstehen, was von Jesus mit dem Reich Gottes gemeint ist – und was mit Umkehr, mit Bekehrung, mit Erneuerung des Glaubens. Ich meine das deshalb, weil wir sehr häufig in unserer Kirche dazu neigen, den Glauben einfach zum Beispiel vor allem mit Mitmenschlichkeit zu verwechseln. „Ich bin ja nett oder gut zu den anderen, also bin ich schon ein Christ.“ Sie ahnen selbst, liebe Schwestern und Brüder, dass das viel zu kurz greift – und vor allem, dass das noch nichts mit Reich Gottes zu tun hat. Und dabei ist es doch ganz unbestritten, dass „Reich Gottes“ der inhaltliche Kern dessen war, wovon Jesus immerzu in seiner Verkündigung, in seinen Reden und Gleichnissen gesprochen hat.

Was also ist das Reich Gottes? Was sagen wir den Menschen? Eine Antwort wäre: Schauen Sie auf Maria, die hier verehrt wird, schauen Sie auf ihr Herz und ihre Seele. Maria ist die, die Gott die Antwort des Herzens gibt, die gewissermaßen innerlich immer erfüllt ist von Gottes, von Jesu Gegenwart. Sie singt den Lobpreis Gottes: „Meine Seele preist die Größe des Herrn und mein Geist jubelt über Gott meinen Retter!“ Diese Herzenshaltung bedeutet im Grunde, dass in Maria, in ihrem Herzen Gott herrscht, er regiert ihr Leben. Sie richtet sich nach ihm. Und zwar weil sie ihn kennt und liebt. Sie ist erfüllt von Jesus – und singt immerfort sein Lob. Reich Gottes beginnt also in einem Menschen dort, wo dieser Gott beginnt, unser Herz in Besitz zu nehmen, wo wir anfangen, ihn wirklich zu lieben und immer besser von innen her zu erkennen.

Jetzt fragen Sie vielleicht: Wie sollen wir denn Gott erkennen? Liebe Schwestern und Brüder: Er hat uns sich selbst geschenkt – in seinem Brot, in seinem Wort, im Wort der Bibel, in der Kirche, die sein Leib ist. Wir haben im Grunde sehr viele Möglichkeiten, uns mit Jesus so zu beschäftigen, dass wir ihn besser kennen und besser lieben lernen. Und zwar so, dass er anfängt in uns zu wohnen, unser Herz immer mehr zu erfüllen. Wenn das beginnt, liebe Schwestern und Brüder, dann beginnt in uns Reich Gottes. Und wenn dann zwei Menschen, zwei Christen als Brüder und Schwestern zusammenkommen, dann erkennen sie sich in der Regel auch als Geschwister, als Geistesverwandte – weil beim anderen auch Jesus den wichtigsten Platz einnimmt. Zwei, drei, vier und mehr solche, die spüren: Wir gehören zusammen, unter uns beginnt Reich Gottes. Jesus regiert in uns und unter uns. Wir kennen und lieben ihm. Wir gehören zu ihm.

Aber vielleicht spüren Sie jetzt auch, liebe Schwestern und Brüder, dass es auch so etwas wie eine Abneigung in uns gibt, Jesus wirklich genauer kennen und lieben zu lernen. Ja, wir gehen in die Kirche, wir haben eine Tradition, aber von dorther wirklich in die Tiefe kommen, in eine persönliche Beziehung zu Christus und in der inneren Verwandtschaft mit anderen, das ist doch etwas anderes. Jesus will uns aber ohne jeden Zweifel zu einer Gemeinschaft aufrichten, in der andere Menschen spüren: „Die Christen hier, wenn ich zu denen gehe, in ihre neue Kirche nach Bad Höhenstadt, diese Christen, die wissen zu wem sie gehören. Sie kennen ihn, sie haben ihn im Herzen. Sie wissen zu wem sie beten, sie wissen, was sie glauben, sie wissen in der Tiefe ihres Herzens, warum sie hier sind!“

Schwestern und Brüder, von solchen Sätzen her spürt man dann auch schon, was Umkehr bedeutet. Umkehr bedeutet immer neu Jesus, den inneren Herzensraum frei räumen, ihn immer wieder hineinlassen, ihm immer wieder Zeit schenken, sich immer wieder mit seinem Wort beschäftigen und so fort. Umkehr heißt: Wenn ich Jesus wirklich in mir anfange regieren zu lassen, dann merke ich auch: „Es gibt einiges in mir, das mich von ihm wegzieht, das mich von ihm abhält. Und es gibt sogar einiges, das hat in meinem Herzen im Grunde gar keinen Platz, wenn ich ihn dort einziehen lassen will.“

Und deshalb gibt es auch die Seite in mir, die da sagt: „Ich brauch keine Umkehr, es soll alles so bleiben, wie es ist. Ich komme schon zurecht“. Liebe Schwestern und Brüder, eine solche Haltung, die ich von meinem Herzen her auch kenne, die ist dem Pharisäertum der Bibel verwandt. Auch die Pharisäer haben irgendwas von Gott gewusst, aber eben nicht Jesus erkannt. Und dann kam er, der Gottmensch, und hat ihnen ganz neu, ganz tief, ganz persönlich und intensiv vom Vater erzählt und vom Reich des Vaters, in das er alle hineinführen wollte und will.

Und am Ende haben ihn die so genannten Religiösen seines Volkes als erstes umbringen wollen. Und sie haben es schließlich auch geschafft, sie haben ihn getötet. Und glauben Sie nicht, Schwestern und Brüder, dass diese Gefahr nicht auch für uns bestünde: Jesus ist für uns gestorben und auferstanden, er hat uns seinen Geist geschenkt, damit er auch in unserem Herz einziehen kann, damit wir ihn lieben lernen, damit Reich Gottes beginnt. Aber wir können so mit ihm umgehen, dass unser Inneres ein pharisäisches Nein zu ihm bleibt. Ein Reich, in dem das „Ich weiß es besser, wer Gott ist“ herrscht. Ein Reich, in dem am Ende ich selbst König bin – auch dann, wenn ich noch manchmal über Gott nachdenke! Das Evangelium aber ist anders, das Evangelium sagt uns: „Jesus ruft uns in die Entscheidung: Er oder ich!“ Ist mein Herz am Ende Königreich meines Ego, in dem Gott letztlich tot ist? Oder ist es Königreich Gottes, ist es Anbruch des Himmelreiches, in dem Jesus regiert?

Liebe Schwestern und Brüder, wenn wir zu Maria gehen, hierher in die alte Wallfahrt nach Bad Höhenstadt, dann gehen wir zu der Person, die in ihrem Leben auf Erden wie keine andere in ihrer Seele schon Reich Gottes war. Und das Fest Maria Himmelfahrt, das hier als Patronat gefeiert wird, bedeutet im Grunde: dieses Innere ihrer Seele ist jetzt vollends Wirklichkeit geworden. Der Himmel in ihr, ihr innerer Wohnort bei Gott ist jetzt ihr einziger, ihr eigentlicher Wohnort. Aber das Wunderbare ist: Weil Maria schon ganz bei Gott ist, kann sie auch ganz bei uns sein und auch uns helfen, hier in Bad Höhenstadt, in ihrer Kirche, immer mehr selbst Wohnort Jesu zu werden.

Liebe Schwestern und Brüder, ich habe von Ihrem Pfarrer Christian Böck gehört, wie viel so viele von Ihnen hier geleistet haben. Wie viel hier unter dem tatkräftigen Antrieb Ihres Kirchenpflegers, Herrn Kreilinger, und ihrer PGR-Vorsitzenden, Frau Voggenreiter ehrenamtlich geleistet wurde. Ich habe gehört, wie gut die vielen Handwerker und die vielen, vielen Freiwilligen geleistet und gespendet haben. Ich danke Ihnen von ganzem Herzen. Sie haben jetzt wieder ein großartiges Gotteshaus aus Stein. Jesus wird hier Wohnung nehmen und er lässt immer neu auf dem Altar Wandlung geschehen. Aber er tut es aus dem einzigen Grund, damit er im Herzen von jedem von uns immer mehr Wandlung geschehen lassen kann. Und damit er in uns Wohnung nehmen kann, damit wir alle immer mehr Kirche werden, Wohnort Gottes in der Welt. Denn dazu sind wir alle gesandt. Möge diese wunderbare Kirche und möge die Fürsprache der Gottesmutter dazu beitragen, dass dies in den Herzen von uns allen wieder neu geschieht. Gott segne Sie dazu. Amen.

 

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