Lieber Herr Diakon Christoph Leuchtner, lieber Herr Stephan Zarda, eine Frage, die nicht leicht zu beantworten ist, kommt zumindest indirekt in der Lesung vor, die wir von Paulus aus dem Römerbrief gehört haben. Da hießt es: „Jetzt gibt es keine Verurteilung mehr für die, die in Christus Jesus sind. Denn das Gesetz des Geistes, des Lebens in Christus Jesus, hat dich frei gemacht vom Gesetz der Sünde und des Todes.“ Was ist da der Unterschied? Was heißt hier Gesetz und was ist Gesetz der Sünde und des Todes, von dem wir nun frei sind? Nun, ich denke, Paulus spricht aus einer sehr intensiven, sehr persönlichen Erfahrung. Als strenger Pharisäer war er selbst ein Diener des Gesetzes, des jüdischen Gesetzes mit seinen zahlreichen Vorschriften und religiösen Anweisungen. Und ganz offenbar musste er die Erfahrung machen, dass ihm die möglichst penible Einhaltung der Vorschriften nicht freier gemacht hat, wohl auch nicht näher zu Gott geführt hat. Warum nicht? Wo doch das Gesetz auch von Gott gegeben war, jedenfalls in den ganz grundlegenden Dingen, in den zehn Geboten zum Beispiel. Die Erfahrung des Paulus ist: Das Gesetz selbst ist gut, es ist von Gott. Aber wenn es zum Ausdruck meiner Selbstgerechtigkeit wird, meiner eigenen Leistung, mit der ich mich selbst vor Gott recht machen will, dann wird es zum Gegenteil von dem, was Gott will. Dann wird es Selbstdarstellung – und nicht zur demütigen Antwort auf einen Anruf Gottes. Dann wird es Gesetz der Sünde und des Todes. Ein zweites Problem gibt es mit dem Gesetz. Es ist so ähnlich wie mit unserem Gewissen. Je genauer ich das befolgen möchte, was ich da wahrnehme, was mir vorgeschrieben wird, desto mehr merke ich, dass ich scheitere und dahinter zurück bleibe. Das Gesetz deckt also auch unsere Unfähigkeit auf, es genau zu befolgen. Es verdreht sich und wird zum permanenten Ankläger von mir selbst. Und damit ist es ein Instrument in den Händen des Teufels, den uns die Schrift als Ankläger vorstellt, der uns bei Tag und Nacht vor Gott verklagt. Man kann sich das richtig vorstellen, wie er Gott immer wieder hinweist auf unsere Schwächen: „Sieh nur, du hast ihnen doch so ein großartiges Gesetz gegeben – sieh nur, wie schwach sie sind, sieh nur, wie wenig sie es befolgen.“ Paulus kennt diese Dinge zu gut, als eifriger Befolger des Gesetzes und erfährt nun genau aus diesen Zwängen seine Rettung: Christus ist ihm begegnet und hat ihm seinen Geist geschenkt. Und in diesem Geist ist er frei geworden. Er denkt nicht mehr andauernd daran, ob er alles richtig macht, sondern er weiß sich geliebt von Christus und liebt ihn – und diese Beziehung hilft ihm, die Dinge recht zu sehen und recht zu tun – aus der Kraft Christi. So umstürzend, so befreiend ist für ihn diese Erfahrung, dass er sagen wird: Wer in Christus ist, ist eine neue Schöpfung. Das Leben in Christus hat dich frei gemacht, hieß es in der heutigen Lesung. Ich lebe in Ihm und er hilft mir zu tun, was ich tun soll. Nun, wir wissen auch, dass wir das nicht immer tun, dass wir nicht immer in Christus sind. Wenn wir das spüren, meine Lieben, dann haben wir immer noch unser Gesetz, unsere Handlungsanweisungen, die uns sagen, was gerade gut und richtig ist. Aber im Grunde handelt Paulus aus dem heraus, was Augustinus später in dem berühmt gewordenen Satz gesagt hat: Liebe, und dann tu, was du willst. Lieber Herr Diakon Leuchtner, wenn wir nun Ihren Kelch weihen, dann hoffe ich und wünsche ich Ihnen, dass Sie das, was uns hier im Zeichen begegnet, immer tiefer verinnerlichen können. Der Herr vergießt sein Blut für uns - als Ausdruck seiner vergebenden Liebe und als Ausdruck des neuen Bundes, in den Sie hineingenommen sind. Jetzt ist nicht mehr Gesetz als Gesetz gefragt; jetzt ist Erfüllung des Gesetzes im Geist Jesu, zu dem Sie gehören. Sie können das Gesetz erfüllen und in Liebe überbieten, weil der Herr Ihnen alles geschenkt hat, was er zu geben hat: Sich selbst. Sie lieber Herr Zarda darf ich zulassen zur Weihe des Diakons. Auch Sie treten damit in die engere Vorbereitung auf eine Zeichenhandlung, durch die Sie der Herr ganz real für sich und seinen Liebesdienst in Anspruch nehmen wird. Aber auch diese Inanspruchnahme bedeutet zuerst und vor allem: Mit ihm, dem Herrn, in der Beziehung sein, in der konkreten Beziehung von Herz zu Herz. Das ist der Ort der Freiheit, von der Paulus spricht: das Herz Jesu. Wenn Sie dort wohnen, dann sind Sie frei vom Gesetz in seiner nur äußeren vorschrifthaften Form und Sie sind frei von der Anklage und vom Ankläger. Oder besser: Lassen Sie den Ankläger reden. Sie gehören zum Herrn. Und wenn Sie selbst danach streben, in dieser Beziehung zu bleiben, dann ist sie unzerstörbar, dann wird Sie nichts und niemand von seiner Liebe trennen können. Das wünsche ich Ihnen beiden von Herzen. Amen.

Admissio und Kelchweihe

Lieber Herr Diakon Christoph Leuchtner, lieber Herr Stephan Zarda,

eine Frage, die nicht leicht zu beantworten ist, kommt zumindest indirekt in der Lesung vor, die wir von Paulus aus dem Römerbrief gehört haben. Da hießt es: „Jetzt gibt es keine Verurteilung mehr für die, die in Christus Jesus sind. Denn das Gesetz des Geistes, des Lebens in Christus Jesus, hat dich frei gemacht vom Gesetz der Sünde und des Todes.“ Was ist da der Unterschied? Was heißt hier Gesetz und was ist Gesetz der Sünde und des Todes, von dem wir nun frei sind? Nun, ich denke, Paulus spricht aus einer sehr intensiven, sehr persönlichen Erfahrung. Als strenger Pharisäer war er selbst ein Diener des Gesetzes, des jüdischen Gesetzes mit seinen zahlreichen Vorschriften und religiösen Anweisungen. Und ganz offenbar musste er die Erfahrung machen, dass ihm die möglichst penible Einhaltung der Vorschriften nicht freier gemacht hat, wohl auch nicht näher zu Gott geführt hat. Warum nicht? Wo doch das Gesetz auch von Gott gegeben war, jedenfalls in den ganz grundlegenden Dingen, in den zehn Geboten zum Beispiel. Die Erfahrung des Paulus ist: Das Gesetz selbst ist gut, es ist von Gott. Aber wenn es zum Ausdruck meiner Selbstgerechtigkeit wird, meiner eigenen Leistung, mit der ich mich selbst vor Gott recht machen will, dann wird es zum Gegenteil von dem, was Gott will. Dann wird es Selbstdarstellung – und nicht zur demütigen Antwort auf einen Anruf Gottes. Dann wird es Gesetz der Sünde und des Todes.

Ein zweites Problem gibt es mit dem Gesetz. Es ist so ähnlich wie mit unserem Gewissen. Je genauer ich das befolgen möchte, was ich da wahrnehme, was mir vorgeschrieben wird, desto mehr merke ich, dass ich scheitere und dahinter zurück bleibe. Das Gesetz deckt also auch unsere Unfähigkeit auf, es genau zu befolgen. Es verdreht sich und wird zum permanenten Ankläger von mir selbst. Und damit ist es ein Instrument in den Händen des Teufels, den uns die Schrift als Ankläger vorstellt, der uns bei Tag und Nacht vor Gott verklagt. Man kann sich das richtig vorstellen, wie er Gott immer wieder hinweist auf unsere Schwächen: „Sieh nur, du hast ihnen doch so ein großartiges Gesetz gegeben – sieh nur, wie schwach sie sind, sieh nur, wie wenig sie es befolgen.“

Paulus kennt diese Dinge zu gut, als eifriger Befolger des Gesetzes und erfährt nun genau aus diesen Zwängen seine Rettung: Christus ist ihm begegnet und hat ihm seinen Geist geschenkt. Und in diesem Geist ist er frei geworden. Er denkt nicht mehr andauernd daran, ob er alles richtig macht, sondern er weiß sich geliebt von Christus und liebt ihn – und diese Beziehung hilft ihm, die Dinge recht zu sehen und recht zu tun – aus der Kraft Christi. So umstürzend, so befreiend ist für ihn diese Erfahrung, dass er sagen wird: Wer in Christus ist, ist eine neue Schöpfung. Das Leben in Christus hat dich frei gemacht, hieß es in der heutigen Lesung. Ich lebe in Ihm und er hilft mir zu tun, was ich tun soll.

Nun, wir wissen auch, dass wir das nicht immer tun, dass wir nicht immer in Christus sind. Wenn wir das spüren, meine Lieben, dann haben wir immer noch unser Gesetz, unsere Handlungsanweisungen, die uns sagen, was gerade gut und richtig ist. Aber im Grunde handelt Paulus aus dem heraus, was Augustinus später in dem berühmt gewordenen Satz gesagt hat: Liebe, und dann tu, was du willst.

Lieber Herr Diakon Leuchtner, wenn wir nun Ihren Kelch weihen, dann hoffe ich und wünsche ich Ihnen, dass Sie das, was uns hier im Zeichen begegnet, immer tiefer verinnerlichen können. Der Herr vergießt sein Blut für uns – als Ausdruck seiner vergebenden Liebe und als Ausdruck des neuen Bundes, in den Sie hineingenommen sind. Jetzt ist nicht mehr Gesetz als Gesetz gefragt; jetzt ist Erfüllung des Gesetzes im Geist Jesu, zu dem Sie gehören. Sie können das Gesetz erfüllen und in Liebe überbieten, weil der Herr Ihnen alles geschenkt hat, was er zu geben hat: Sich selbst.

Sie lieber Herr Zarda darf ich zulassen zur Weihe des Diakons. Auch Sie treten damit in die engere Vorbereitung auf eine Zeichenhandlung, durch die Sie der Herr ganz real für sich und seinen Liebesdienst in Anspruch nehmen wird. Aber auch diese Inanspruchnahme bedeutet zuerst und vor allem: Mit ihm, dem Herrn, in der Beziehung sein, in der konkreten Beziehung von Herz zu Herz. Das ist der Ort der Freiheit, von der Paulus spricht: das Herz Jesu. Wenn Sie dort wohnen, dann sind Sie frei vom Gesetz in seiner nur äußeren vorschrifthaften Form und Sie sind frei von der Anklage und vom Ankläger. Oder besser: Lassen Sie den Ankläger reden. Sie gehören zum Herrn. Und wenn Sie selbst danach streben, in dieser Beziehung zu bleiben, dann ist sie unzerstörbar, dann wird Sie nichts und niemand von seiner Liebe trennen können. Das wünsche ich Ihnen beiden von Herzen. Amen.