Foto: Stefanie Hintermayr

Über Amazon, Kirche und den Religionsunterricht

Über Amazon, Kirche und den Religionsunterricht – Die Predigt von Bischof Stefan Oster bei der Verleihung der Missio Canonica 2026 in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Fürstenzell hier als Audio zum Nachhören.

Lange und intensiv haben sich die 26 Frauen und ein Mann auf diesen Tag vorbereitet, der für sie ein ganz besonderer war: die feierliche Verleihung der Missio Canonica am Freitagabend des 10. Juni. Bischof Stefan Oster hat den Gottesdienst in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Fürstenzell zelebriert, zu dem neben den Missio-Kandidatinnen und dem -Kandidaten und deren Familien und Freunde auch etliche Festgäste und Gläubige gekommen waren. Mit der Verleihung der Urkunden sind die angehenden Religionslehrerinnen sowie Pastoralreferentin Monika Schüllner und Pastoralreferent Georg Bruckmaier berechtigt, katholischen Religionsunterricht zu erteilen, und zwar unbefristet.

Bischof Stefan Oster wandte sich in seinem Grußwort mit großer Freude an die Mitfeiernden und besonders an die Missio-Kandidatinnen und den -Kandidaten. „Es ist ein echtes Privileg für mich, jedes Jahr die Missio Canonica verleihen zu dürfen, heuer in einer der schönsten Marienkirchen in unserem Bistum.“ Er hoffe, dass die Ausgesendeten „verstehen, von innen her, wofür Sie gesandt sind.“

Über Amazon, Kirche und den Religionsunterricht

In seiner Predigt bezog er sich auf das zum Festtag äußerst passende Matthäusevangelium mit Botschaft Jesu an seine Jünger: „Ich sende euch wie Schafe unter die Wölfe“. Beides gäbe es wohl auch im eigenen Herzen, so der Bischof. „Den Wolf in mir, der sich womöglich aggressiv wehrt gegen Fremdbestimmung, gegenüber dem, der in meinem Herzen eigentlich der Herr sein will. Und den, der sich womöglich wie ein Schaf da hineinfügt und sagt: Herr, ich will, was auch kommen mag, dir dienen.“ Vor diesem Hintergrund stellte er die Frage, was Religionsunterricht heute sein kann. Religionsunterricht sei einerseits Katechese – „Glaubensunterweisung“ – und andererseits Wissensvermittlung. Um das zu veranschaulichen, lud er zu einem kleinen Gedankenexperiment ein. Die angehenden Lehrkräfte sollten sich vorstellen, sie würden das große Tech-Unternehmen Amazon im Unterricht thematisieren. Trotz kritischer Stimmen einiger Schülerinnen und Schüler gäbe es wohl viele, die Gutes in Amazon sehen würden. Vielleicht sei die Lehrkraft selbst so verbunden mit dem Unternehmen, um sagen zu können, der Gründer „wollte der Welt etwas Gutes tun“, so der Bischof.

Zeuginnen und Zeugen sein

Dieses Beispiel lasse sich auch auf den Religionsunterricht mit dem Unterrichtsthema Kirche übertragen. Auch hier gäbe es wohl – auch durchaus berechtigte – kritische Stimmen. Wenn aber die Lehrkraft andere Erfahrungen mit der Kirche gemacht habe, vielleicht sogar aus einer haupt- oder ehrenamtlichen Tätigkeit, könne sie den Schülerinnen und Schülern auch von dem vielen Guten erzähle, meinte der Bischof. Er ging sogar noch einen Schritt weiter. Man könne sich als Religionslehrkraft als Kind Gottes zu erkennen geben. „Und vielleicht können Sie sogar eine Erfahrung damit verbinden, dass Sie sagen: Stellt euch vor, ich habe in meinem Leben nicht nur Gutes getan. Aber ich habe eine Quelle, aus der Vergebung fließt. Ich habe in meinem Leben viel nach Freiheit gesucht und nach allem, was mich frei machen könnte. Konsum. Willensfreiheit. Ich kann endlich machen, was ich will. Und habe vielleicht sogar am Ende mehr Abhängigkeit erfahren. Aber bei ihm durfte ich spüren, was wirkliche Freiheit ist.“

Beziehungspflege zu Jesus

Wenn das, was wir miteinander tun und glauben, einen Sinn habe, läge der letzte Sinn darin, Zeuginnen und Zeugen Jesu aussenden zu lassen, so der Bischof. „Ich möchte Sie einladen, diese Beziehung zu pflegen, ihn tiefer verstehen zu lernen, weil Sie etwas von seinem Wort in sich aufgenommen haben. Weil Sie spüren, dass (…) die Schülerinnen und Schüler sich öffnen für seine Gegenwart, für sein Wort und für Ihr Wort.“ Mit seiner Botschaft „Wer euch hört, hört mich.“ sei Christus in seiner Aussendungsrede so optimistisch, betonte er. „Ich möchte Sie einladen, so in diese Beziehung hineinzuwachsen, dass Menschen spüren: Der oder die, wenn er oder sie von seinem oder ihrem Herrn spricht, kennt ihn. Erst diese Erfahrung macht Sie wirklich zu Zeuginnen und Zeugen.“ Er schloss mit einem Dank an die Missio-Kandidatinnen und den -Kandidaten, sich zur Verfügung zu stellen und erbat Gottes Segen „auf Ihrem Weg, Kinder und junge Menschen im Glauben zu begleiten.“

Die Predigt als Podcast zum Nachhören

Einen ausführlichen Artikel mit weiteren Impressionen gibt’s hier auf der Bistumswebsite.


Hören Sie auch die Predigt von der Missio-Verleihung 2024: Wie Schafe unter die Wölfe? Heute Religionslehrer werden.