Christliche Ehe: Eine Klarstellung, die orientiert

Christliche Ehe und gleichgeschlechtliche Partnerschaften: Rom hat sich zur Frage nach der Möglichkeit von Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare geäußert. Hier die Stellungnahme von Bischof Stefan Oster SDB zum Responsum der Glaubenskongregation am 15.03.2021:

Die römische Glaubenskongregation hat mit Bestätigung durch Papst Franziskus eine Klarstellung in einer Frage gebracht, die die Kirche in Deutschland, aber auch weltweit gerade intensiv beschäftigt und zu Polarisierungen führt. Daher bin ich dankbar für diese Äußerung des Lehramtes und verbinde damit die Hoffnung, dass sie Orientierung gibt und damit auch größere Einmütigkeit befördert. Die Kirche – so das Dokument – hat keine Vollmacht, gleichgeschlechtlichen Partnerschaften einen kirchlichen Segen zu spenden. Papst Franziskus hat aber immer wieder herausgestellt, dass ein solches Festhalten an bisher geltender Position zugleich bedeuten muss, mit größerer Aufmerksamkeit alle Menschen unabhängig von Geschlecht und geschlechtlicher Orientierung in ihrer Würde zu achten, sie anzunehmen und immer neu einzuladen in die Gemeinschaft der Kirche und auf den Weg des Glaubens. Diese Auffassung teile ich mit voller Überzeugung.

Die Kirche und ihr Ehesakrament

Wir glauben, dass Gott das Heil von ausnahmslos jedem Menschen will – und dass wir als Kirche gerufen sind, die Wege des Heils immer neu als je einzelne und miteinander zu suchen und so auch zusammen mit allen Menschen Weggemeinschaft hin zu diesem Heil zu sein. Gleichzeitig geben die Hl. Schrift, die Überlieferung und das römische Lehramt den Gläubigen und der ganzen Kirche den Auftrag, Ehe und Familie in besonderer Weise zu schützen und zu unterstützen. Die christliche Ehe ist hingeordnet auf die gegenseitige Liebe, auf gemeinsame Kinder und ist damit in besonderer Weise Schule des Lebens, der Liebe und des Glaubens. Die Familie hat insbesondere bei getauften und gläubigen Eltern die Berufung, „Kirche im Kleinen“ zu sein.

Aus ihrer biblischen Tradition ist die Kirche daher der Überzeugung, dass auf der Verbindung von Mann und Frau ein besonderer Segen Gottes liegt, der sich im Sakrament der Ehe entfaltet. Die römische Erklärung ist für mich daher zugleich ein Auftrag, besonders auch auf die Menschen zuzugehen, die sich durch eine solche Hervorhebung des Ehesakramentes zurückgesetzt oder verletzt fühlen.


Das Responsum der Glaubenskongregation im Wortlaut finden Sie hier. Zeitgleich wurde ein Kommentar mit Erläuterungen zum Responsum veröffentlicht.

Vor etwas über zwei Jahren habe ich mich selbst schon einmal ausführlich zum Thema geäußert – auch deshalb, weil ich glaube, dass die kirchliche Lehre zu diesem Thema sich im Kern nicht verändert hat – und wohl auch nicht verändern wird (Die Glaubenskongregation spricht nicht von „nicht wollen“, sondern von „nicht können“). Daher hier noch einmal erläuternd auch der Text von damals.


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