Diener der Freude

Predigt zur Diakonenweihe am 3. Dezember in der Basilika Altötting (Texte: Hl. Franz-Xaver, 1Kor 9,16-19.22-23; Mk 16,15-20)

Liebe Kandidaten für die Weihe zum Diakon, liebe Eltern, Verwandte und Freunde der drei, liebe Schwestern und Brüder im Glauben,

der Apostel Paulus ist immer wieder eine enorme Herausforderung für uns, besonders auch für uns, die wir in der Verkündigung tätig sind. Und damit auch für Euch drei, die Ihr heute zu Diakonen geweiht werdet. In der heutigen Lesung kommt das wieder besonders deutlich zum Ausdruck. Wir hören aus dem Brief von Paulus an die Gläubigen in Korinth: Ein Zwang liegt auf mir, wehe, wenn ich das Evangelium nicht verkünde. Und weiter sagt er: Es steht mir nicht frei, es ist ein Auftrag. Und mein Lohn ist, dass ich diesen Auftrag habe!  Und der Lohn ist nicht das Geld und auch nicht die Anerkennung der Leute.

 Ein Zwang liegt auf Paulus

Wie kann man sich das vorstellen: Ein Zwang liegt auf mir?! Ich glaube, liebe Schwestern und Brüder, wir kennen ähnliche Phänomene im natürlichen Bereich, wenn ein Mensch eine große, schöpferische Leidenschaft hat. Ein Mensch, der von ganzem Herzen ein Maler, ein Künstler ist, einer, der gewissermaßen viele Bilder in sich hat. Der muss malen, er muss das zum Ausdruck bringen. Sein reiches Inneres muss sich äußeren Ausdruck verschaffen. Man kann sagen: Er kann nicht anders. Es liegt wie ein Zwang auf ihn. Aber es ist kein Zwang in einem schlechten Sinn, kein Zwang der versklavt, wie eine Sucht. Es ist ein tiefes Bedürfnis, das zu geben, das zu verschenken, was in einem ist. Oder ein Geschichtenerzähler, ein Romancier, ein Dichter oder ein leidenschaftlicher Musiker. Solche Menschen haben etwas in sich, vom dem sie wollen, dass es Gestalt gewinnen soll, dass es hinaus muss. Und auch, wenn sie daran nichts verdienen. Sie wollen, sie müssen es tun. Und wir alle kennen ja vermutlich Geschichten von verarmten Künstlern. Aber eben von solchen, die trotzdem ihrer Kunst treu bleiben, weil sie es müssen, so sehr gehört es zu ihnen.  Und ich denke, so ähnlich ist es nun bei Paulus: Er ist so beschenkt von der Begegnung mit dem Herrn, so ergriffen, so in Beschlag genommen von dem, was er als Auftrag von Christus empfangen und in sich hat, dass er es einfach verkündigen muss. Zugleich hat Paulus so einen Reichtum an Erkenntnis in sich, eine so tiefe Einsicht in das Geheimnis Christi, dass er es weiterschenken will und kann.

 Diener in Wort und Tat

Und diese Erfahrung, diese tiefe Überzeugung ist nun bei Paulus etwas, was nicht nur in Worten, nicht nur in Verkündigung Ausdruck findet, sondern auch in der Liebe. Wirklich den Herrn verkünden, bedeutet auch, in der Fähigkeit wachsen, sich auf den Menschen einlassen können, dem ich verkünde. Ich kann zu einem Kind nicht sprechen wie zu einem Professor, zu einem Reichen oft nicht genauso wie zu einem Armen, zu einer Lehrerin nicht wie zu dem eben angekommenen jugendlichen Flüchtling. Aber die Liebe Christi in  Paulus und ins uns, die findet die Sprache, die verstanden wird. Und sie findet den Dienst der verstanden wird: Wirkliche Verkündigung ist vom Dienst am Anderen nicht zu trennen, nicht zu trennen von der Frage: Was hat dieser Mensch gerade am meisten nötig? Was kann ich ihm gerade jetzt geben? Und Dienst heißt: Diakonie.

Die Lebensform Jesu übernehmen

Sie drei, lieber Herr Klug, lieber Herr Kunz, lieber Herr Stangl, treten heute an, auch in einem Amt der Kirche ausdrücklich Diener zu werden, Diakone. Sie alle sind einen intensiven Weg der Suche, der Suche, des Fragens, der Sehnsucht gegangen. Und sie durften erfahren, dass Sie geführt und getragen – und auch gezogen werden. Sie werden in Zukunft auch als Amtsträger der Kirche Zeugen sein, von dem, der Sie trägt und zieht. Vor allem von dem, der Sie liebt – und der zugleich jeden Menschen liebt, der über diese Erde geht. Ihre Lebenswege sind sehr unterschiedlich, auf den ersten Blick haben natürlich Herr Klug und Herr Kunz mehrere Umwege bis zum heutigen Tag hinter sich. Und Herr Stangl, der Jüngste unter Ihnen, ist einen sehr direkten Weg gegangen. Aber niemand schaut ja genau in unser Herz außer Gott allein. Und daher weiß niemand, wie direkt oder indirekt diese Wege, diese Suche auch in Ihnen waren, in Ihrer Seele. Sicher gab es Zweifel für Sie alle, sicher gab es Momente der tiefen Bewegung und Berührung. Und sicher gab es Aufs und Abs besonders in der Frage, ob Sie auch zu einem ehelosen Leben berufen sind. Und ob das heute lebbar ist und wie. Denn ab heute übernehmen Sie alle auch mit einem Versprechen vor mir und uns allen die persönliche Verpflichtung in der Lebensform Jesu als eheloser Mann zu leben. Ich darf Ihnen ehrlich sagen: Es wird eine Herausforderung bleiben. Und ja, es ist ein Verzicht auf ein hohes, ein schönes Gut.

An die Ränder – und allen alles werden

Aber Sie tun es, weil Sie in der Überzeugung gewachsen sind, dass Jesus sie ruft und sendet. Er sendet Sie um, wie Paulus in der Lesung sagt, allen alles zu werden. Sie werden mit den Armen und den Schwachen gehen, sie werden mit denen sein, die am Rand sind, die einsam sind, die krank sind, mit denen, die seelische Not haben und vor allem auch mit denen, die Hunger haben nach Gott, nach Jesus, die Hunger haben nach mehr.  Damit gehen Sie auch an Ränder, wie es unser Heiliger Vater immer wünscht, an die Ränder unserer Gesellschaft, an die Ränder, wo Menschen sich ausgegrenzt fühlen aus der Gesellschaft, aus der Kirche. Sie werden als Diakon und später als Priester auch ein Anwalt der Armen sein. In der alten Kirche hat man gesagt, der Diakon ist das „Auge des Bischofs“ für Menschen in sozialer Not. Sie verkünden damit das Evangelium von der Barmherzigkeit Gottes, mit und ohne Worte.

 Zeichen und Wunder?

Im heutigen Evangelium haben wir schließlich gehört, dass der Herr uns aussendet, um das Evangelium allen Geschöpfen zu verkündigen. Und Jesus bekräftigt den Jüngern, er selbst werde mit ihnen sein, er selbst werde durch sie wirken. Und er selbst werde die Mission bekräftigen durch Zeichen und Wunder. Meine Lieben, wir fragen uns heute, warum denn durch unsere Verkündigung und unser Handeln, so selten diese Zeichen und Wunder geschehen, die Jesus den Jüngern verheißen hat?

 Diener der Freude

Nun womöglich hängt das mit dem zusammen, wovon ich anfangs bei Paulus erzählt hatte: Seine Verkündigung ist so sehr von seiner Christus-Erfahrung geprägt, von dem vertrauensvollen Bewusstsein: Er, nicht ich, tut das Entscheidende. Er ist wirklich da, er handelt durch mich; Er ist Gott und ich bin es nicht. Paulus ist aber zum Beispiel überzeugt, dass die Gemeinde durch ihn eben kein Menschenwort, sondern tatsächlich das Wort Gottes empfangen hat, voll Geist und voll Kraft. Meine Lieben, unsere Aufgabe als Verkündiger ist es deshalb, wirklich mit dem Herrn zu wachsen, Ihn immer mehr in unser Herz einzulassen, Ihn dort wirken zu lassen. Uns Ihm und seinem Wort auszusetzen. So dass wir von innen her geformt werden. Jeder Mensch wird geformt von dem, was er liebt oder wen er liebt. Liebe macht uns dem Geliebten ähnlich. Und ich bin sicher, dass der Herr dann durch Sie auch die wichtigsten Wunder geschehen lässt, die er am liebsten wirken will: Nämlich dass ein Mensch, dem Sie begegnen, spüren wird, dass er auch Jesus begegnet. Und dass so ein Mensch, dann anfängt der Spur Jesu zu folgen. Papst Franziskus versichert  uns, dass jeder Mensch, der Jesus begegnet, von der Freude des Evangeliums erfüllt sein wird. Ihr werdet also heute kraft meines Gebetes und kraft des Gebetes von uns allen zu Dienern geweiht, zu Dienern der Freude. Und ich wünsche Euch von Herzen, dass Ihr es immer mehr werdet. Zum Lob Gottes und zum Segen für die Menschen. Amen.