Einübung ins Warten auf den Herrn – Treue im Ordensleben

In Predigten von Bischof Stefan Oster SDB2 Kommentare

Predigt anlässlich der Ordensjubiläen bei den Schwestern vom Hl. Kreuz in Altötting

Texte: Jer 38, 4-6.8-10; Hebr 12, 1-4; Lk 12, 49-53

Liebe, verehrte Kreuzschwestern, liebe Jubilarinnen, Schwestern und Brüder im Glauben,

die drei Texte, die uns die Kirche am heutigen Sonntag, ausgerechnet zu Ihrem schönen Jubiläum vorlegt, sind nicht wirklich Festtagstexte. In der ersten Lesung schmeißen sie den Propheten Jeremia in den Schlamm der Zisterne. Die zweite Lesung endet mit dem Satz: Ihr habt im Kampf gegen die Sünde noch nicht bis aufs Blut Widerstand geleistet. Und im Evangelium sagt uns Jesus, er sei nicht gekommen, den Frieden auf die Erde zu bringen, sondern Spaltung. Was machen wir mit solchen Texten heute, liebe Schwestern?

Entschiedenheit für Christus

Nun zunächst fällt uns vielleicht auf, dass es in allen Texten um Entschiedenheit geht, um Entschiedenheit für Gott, für Christus. Der Prophet Jeremia ist nicht geneigt, eine andere Wahrheit zu verkündigen als die, die er von Gott empfängt und ist bereit dafür vieles in Kauf zu nehmen und sein Leben zu riskieren. Die Wahrheit, für die er steht, Gott selbst, ist größer als er selbst. Im Hebräerbrief geht es um die Ausdauer im Glauben; der Autor bemüht eine große Zahl von heroischen Glaubenszeugen aus der Geschichte Israels und erklärt in diesem Sinn: Diese vielen Zeugen sind uns Garant dafür, dass es sich lohnt, sich wirklich einzusetzen, wirklich mit Ausdauer zu kämpfen, auch gegen die Last und die Fesseln der Sünde, wie er sagt. Seien wir also entschieden, zur Not bis aufs Blut, für unseren Glauben, für Christus. Er allein ist es wert. Und im Evangelium bekräftigt Jesus genau dieses: Ich bin gekommen, Feuer auf die Erde zu werfen und ich wünschte es werde schon brennen. Und er fügt hinzu: Ich muss mit einer Taufe getauft werden und bin sehr bedrückt, solange sie noch nicht vollzogen ist. Mit der Taufe meint er die eigene Hinrichtung, den eigenen Tod, den er nahen sieht, auf den er zugeht. Er hat offenbar eine innere Entschiedenheit, die ihn wünschen lässt: das möge bald geschehen. Er ist bereit. Er will sein Leben geben.

Gemeinschaftsleben ist auch ein Kreuz

Diese Aspekte, meine lieben Schwestern, lassen uns nun doch einen Blick auf unser Ordensleben werfen, besonders auf Ihr Ordensleben in so langjähriger Treue und Verbundenheit zu Christus und zum Leben in der Gemeinschaft. Sicher können nicht wenige von Ihnen Momente erzählen, in denen Sie an Ihrem Weg, Ihrer Berufung gezweifelt haben, weil die Umstände Ihres Lebens im Orden schwer waren. Man sucht sich die Ordensgeschwister nicht aus, man bekommt sie einfach. Und dann geht es nicht nur ums gegenseitige Mögen und Annehmen, es geht oft auch einfach nur ums geduldige Ertragen. Der oder die andere ist eben ganz anders als ich es gerne hätte oder erwarte. Vita communis maxima poenitentia hat der heilige Johannes Berchmans gesagt, ein junger Jesuit, der sich um ein möglichst gutes Gemeinschaftsleben bemüht hat. Übersetzt: Das Gemeinschaftsleben ist die größte Buße. Ich bin sicher, die meisten von Ihnen kennen wenigstens Zeiten, in denen sie das genau so empfunden haben, die Gemeinschaft als Last, als Buße. Und doch gibt der Hebräerbrief dann einen Hinweis, worum es geht: „Lasst uns mit Ausdauer in dem Wettkampf laufen, der uns aufgetragen ist, und dabei auf Christus blicken“. Der Wettkampf ist hier wohl ein Bild nicht dafür, dass wir gegeneinander laufen sollen, um zu sehen, wer schneller ist, sondern es ist ein Wettkampf mit dem, was uns von Christus weg zieht, was uns müde macht oder traurig oder manchmal auch verzweifelt. Im Grunde zeigt sich uns genau dann ja auch eben diese Möglichkeit: Auf Christus schauen, und nicht von dieser Welt schon alles Schöne, Angenehme und Gute erwarten. Er ist da, Er geht mit und Er ist das Ziel unserer Verheißungen.

Warten können und Olympia

Liebe Schwestern, haben Sie nicht auch das Gefühl, dass es eine große Not unserer Zeit ist, dass die Menschen oft nicht mehr warten können? Dass sie oft nicht mehr allzu viel Geduld haben, dass ihre Bedürfnisse nach körperlicher und seelischer Annehmlichkeit am besten immer gleich sofort erfüllen müssen? Und haben wir nicht andererseits die Erfahrung gemacht, dass manches, was uns in der Seele zufrieden macht, auch erst errungen werden muss, nicht selten durch Opfer, durch Geduld, durch Übung, durch Askese und anderes mehr? Und beide Seiten kämpfen auch in uns!

Ein Sportler zum Beispiel, der gerade bei Olympia teilnimmt, der nimmt sehr viel Verzicht in Kauf auf Annehmlichkeiten aller Art und er ist bereit zum Training, zum harten Training, jahrelange Schinderei ist das oft. Für den einen großen Moment der Teilnahme oder des Sieges. Da sehen wir plötzlich, dass man ein größeres Lebensziel selten ohne Mühe, Geduld und Verzicht erreichen kann. Wir haben viel Verständnis dafür, dass Menschen für den Moment des Ruhmes, der Medaille, solche Opfer auf sich nehmen.

Ordensleute können warten – und richten ihr Leben auf das große Ziel aus, das schon da ist

Aber in anderen Bereichen, etwa im Bereich des Familienlebens, des Gemeinschaftslebens und des Glaubens, da scheint den Menschen die Geduld abhanden zu kommen, das Wartenkönnen, das Kämpfen, das Trainieren auf das größere Ziel hin. Aber gerade Sie als Ordensleute sind die Spezialistinnen im Warten-Können. Sie sind von einer Sehnsucht ergriffen worden und haben sich entschieden, dieser Sehnsucht zu folgen. Und Sie haben immer wieder die Erfahrung gemacht, dass es dabei auch um Verzicht geht: Auf manche Annehmlichkeiten, auf körperliche Nähe, auf manche Freiheit, manchen Besitz und manchen Genuß, aber sie wissen auch, dass sie das tun um des größeren Zieles willen. Um der Begegnung mit dem Herrn willen. Und Sie vertrauen darauf, dass Ihre Lebensweise Sie darin bestärkt, dass Sie dem Herrn entgegen gehen. Und ich hoffe und bete, liebe Schwestern, dass Sie immer wieder auch Tabor-Erfahrungen in Ihrem Herzen machen dürfen. Erfahrungen, in denen Sie vom Herrn berührt werden, von Seiner Gegenwart, seinem Geist. In denen Sie mit Freude beschenkt werden, so dass Sie wieder gut weiter gehen können, weil Sie voll Vertrauen sind, dass Er da ist, dass Er mit Ihnen geht, dass Er Ihr Leben trägt und führt.

Liebe Schwestern, in einer ungeduldiger werdenden Welt, die immer weniger warten kann, hören kann, sind Sie die Zeuginnen des Wartens, des Advents. Sie sind mit Ihrem ganzen Leben Zeuginnen dafür, dass Sie auf ein Ziel zugehen, das Ihnen jetzt schon ins Herz gelegt ist. Sie gehen dorthin, wo jeder Mensch zu Hause ist, zu Christus. Und Sie tun es, weil Sie innerlich schon auf Ihn ausgerichtet, schon berührt sind. Wir Ordensleute können warten, weil wir vertrauen, dass Er kommt, dass Er immer wieder kommt und uns einst unser Leben vollends erfüllen wird.

Entschiedenheit – notfalls auch gegen die eigene Herkunft

Im Evangelium sagt uns Jesus auch noch einmal mit dem Blick auf die Familien, dass es um seinetwillen Spaltung geben wird. Er sagt das natürlich nicht, weil er Spaltung will, sondern weil er weiß, dass es eine Form der Nachfolge gibt, die tiefer reicht als das Eingebundensein in die eigene Familie. Wer dem Herrn folgen will, muss dies notfalls auch gegen den Wunsch der eigenen Familie tun. Weil Er, der Herr, größer ist als alles.

Ich danke von Herzen, liebe Schwestern, dass Sie uns dieses Zeugnis schenken für Altötting, für unser Bistum, für die Welt von heute. Ich bin so dankbar dafür, dass es Menschen wie Sie gibt, die in ihrem Herzen die Überzeugung tragen, dass Jesus alleine genügt. Nicht im Sinne einer Selbstgenügsamkeit, sondern im Sinne einer Lebensweise, die Geduld hat, die warten kann, sich verschenken kann, und zwar genau aus dem Grund, weil sie zu Jesus gehört. Das Ordensleben ist eine der schönsten Bekräftigungen in unserer Kirche dafür, dass der Herr da ist und mit uns geht. Danke, liebe Schwestern, besonders liebe Jubilarinnen, für Ihre Treue. Amen.

 

Kommentare

  1. Gudrun Wasserfaller

    Aus ganzem Herzen darf ich mich bitte den Glückwünschen anschließen möchte Ihnen liebe Schwestern dafür innig danken das Sie in Altötting die Hungernden speisen.
    Den Menschen in Not aus ganzem Herzen zur Seite stehen.
    „Ich war hungrig,durstig “

    Gott sei es gedankt.
    Liebsten Grusd aus Kärnten!

Kommentieren