Erste Einschätzung zum nachsynodalen Lehrschreiben von Papst Franziskus „Amoris Laetitia“

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Nachsynodales Lehrschreiben von Papst Franziskus „Amoris Laetitia“ wurde am Freitag, den 8. April 2016 in Rom veröffentlicht. Hier die deutsche Fassung.

Der Vater liebt alle: Jeder soll Gottes Barmherzigkeit erfahren dürfen.

Papst Franziskus überrascht einmal mehr: Das nachsynodale Schreiben „Amoris Laetitia“ ist Ausdruck eines Hirten, eines Seelsorgers der ganzen Kirche. Man spürt, wie sehr das intensive, lange Gespräch zur Thematik in den letzten Jahren in das Dokument eingeflossen ist und seine Überlegungen geformt hat. Der Papst hat zunächst hingehört und hingesehen. Er hat sich hinein nehmen lassen in die konkrete Lebenswirklichkeit der Familien, mit ihren Freuden und Nöten, mit ihren Chancen und ihrer Zerbrechlichkeit. Aus diesem Hören und Wahrnehmen entwickelt er dann seine Lehre im vorliegenden Dokument, tief, schön und reich – vor allem über die menschliche und göttliche Liebe. Franziskus steht dabei deutlich in der Tradition seiner Vorgänger, besonders der letzten beiden Johannes Paul II. und Benedikt XVI., die er häufig zitiert. Er wiederholt die Lehre der Kirche zu den Themen Ehe, Familie und Sexualität in ihren großen und grundsätzlichen Linien ohne Abstriche.

Papst Franziskus gibt dieser Lehre aber durch seinen persönlichen Stil eine eigene Note. Wie in anderen Texten von ihm auch, ist der seelsorgliche Blick dieses „Pfarrers der Weltkirche“ überall spürbar. Papst Franziskus will, dass die Kirche und alle, die in der Seelsorge tätig sind, auf den einzelnen Menschen schauen. Keiner wird verloren gegeben, keiner soll zurück bleiben. Ausnahmslos jeder soll das barmherzige Handeln der Kirche erfahren dürfen. Es ist immer zuerst eine Perspektive der Inklusion, nicht des Ausschlusses. Diese soll für die behandelte Thematik durch ein genaues und differenziertes Hinsehen auf die jeweilige Situation der Menschen eingenommen werden, auf ihre Freuden, auf ihre Not, auf die Komplexität heutiger Lebenswelten und anderes mehr. Der Text atmet die Kenntnis der konkreten, vielfältigen Herausforderungen der Familie in ihren verschiedensten Kontexten. Er fordert dazu auf, vor allem auch die Menschen in schwierigen Lebenssituationen oder gescheiterten Beziehungen intensiv zu begleiten, sie ins Leben der Kirche zu integrieren und immer gut den Einzelfall zu unterscheiden. Dadurch wird in den Möglichkeiten der Seelsorge neuer Spielraum gewonnen.

Dringlicher noch sind dem Papst die Stärkung der bestehenden Ehen und Familien, der Blick auf die Kinder und ihre Erziehung in den Familien und auch eine erneuerte, intensivere Vorbereitung der Menschen auf die Ehe. Bei dieser grundsätzlichen Betonung barmherzigen Handelns legt der Text freilich „keine neue, auf alle Fälle anzuwendende generelle gesetzliche Regelung kanonischer Art“ (Nr. 300) vor, weder für den Umgang mit Gläubigen, die geschieden und zivil wiederverheiratet sind, noch für andere Verbindungen zwischen Menschen außerhalb einer Ehe zwischen Mann und Frau, oder auch nicht etwa für die Fragen der Empfängnisregelung. Die so genannte Gender-Ideologie wird deutlich kritisiert. Dafür wird immer neu und in großer Schönheit die geistliche Dimension des Lebens in Ehe und Familie betont, ohne sie je zu idealisieren. Ehe und Familien werden immer neu vorgeschlagen als konkreter Ort, als Weg des Lernens und des Wachsens in der Liebe, die durch Christus und seinen Geist geschenkt wird.

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