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Interview: Über existenzielles Christsein

Über existenzielles Christsein. Das Interview des DOMRADIOs mit Bischof Stefan Oster hier zum Nachlesen.

Über existenzielles Christsein sprach Bischof Stefan Oster im Rahmen eines Quodlibetabends an der Katholischen Hochschule in Köln. Anlässlich dieses Vortrages führte Alexander Foxius vom DOMRADIO ein Interview mit Bischof Stefan.
DOMRADIO.DE: Was verbirgt sich hinter dem Begriff „existenzielles Christ-sein“?

Bischof Stefan Oster: Mein Vortrag beginnt mit dem Wort „Erkennen“ und das hat was mit unserem Weltverhältnis zu tun. Wie gehen wir erkennend auf die Welt und auf uns selbst zu? Was bedeutet das für die Gotteserkenntnis?

Ich versuche zu zeigen, dass es eine Herzenserkenntnis gibt, die aber nicht losgelöst ist von unserem Verstand oder Wollen. Das Wollen gründet tief in unserer eigenen Existenz. Daher stellt sich die Frage: Wie sprechen wir von den Dingen, die uns wichtig sind?

Ein Zeuge spricht als jemand, der etwas in der Tiefe erkannt hat.  Dabei verstehe ich Erkennen auch immer als Beziehungsgeschehen. Wenn jemand deinen Namen sagt, der dich richtig gern hat, der sagt den Namen anders, als wenn du beim Einwohnermeldeamt aufgerufen wirst.

Wir fragen uns also, was ist da passiert beim Sprechen des Namens? Was hat sich an Herzenserkenntnis und Herzensverbindung gebildet? Um diese Gedanken kreise ich bei meinem Vortrag.

DOMRADIO.DE: Zeuge sein beinhaltet auch den missionarischen Auftrag, rauszugehen und zu erzählen. Legen Sie selbst Zeugnis in Ihrem Vortrag ab?

Bischof Oster: Ja, der Zeuge soll rausgehen und darüber sprechen. Die Frage ist, in welcher Weise ich darüber spreche. Ich denke, dass der Mensch in allem, was er tut und in allem wie er da ist Zeugnis ablegt.

Ich gebe in jedem Moment meines Lebens ein Zeugnis. Einfach dadurch, wie ich mich gerade verhalte – dem anderen, der Welt und mir selbst gegenüber. Es gibt keinen Moment, indem ich gewissermaßen nicht spreche.

DOMRADIO.DE: Was sind Persönlichkeiten, Personen oder Gedanken, aus denen wir Inspiration ziehen können, Zeugen zu sein?

Bischof Oster: Im Grunde sind es die großen Gestalten unseres Glaubens. Ich liebe Don Bosco, der mein Ordensvater ist, und wie der mit den jungen Menschen umgegangen ist. Es inspiriert mich, in welcher Weise sein Glaube, sein Gottesverhältnis und auch sein Selbstverhältnis in sein Handeln hineinspielt.

Vorbilder sind unsere großen Gestalten des Glaubens, die Männer und Frauen, die Heiligen, die Seligen, aber auch die Zeugen des Alltags. Zum Beispiel demütig dienende Menschen, das sind die heiligen Helden und Heldinnen des Alltags. Sie sind innerlich frei, lebendig und in gewissem Maße angstlos. Das ist, glaube ich, etwas, was uns als Christen auszeichnet.

DOMRADIO.DE: Wie blicken Sie auf die gerade erst veröffentlichte Enzyklika und welches Zeugnis erkennen Sie in dieser Enzyklika?

Bischof Oster: Das ist ein langer umfangreicher Text und deshalb möchte ich nur einen Aspekt herausgreifen. Was mich fasziniert hat ist, dass der Text „Magnifica Humanitas“, also „die großartige Menschheit“ heißt.

Wenn wir in die Welt schauen, ist es nicht immer so großartig, was wir liefern, oder? Aber was der Papst im Verhältnis zur technologischen Revolution und zur künstlichen Intelligenz herausstellt, ist der Unterschied beim Erkennen.

Das, was man in Bezug auf KI Wissen, Daten Sammeln und Erkennen nennt, ist etwas anderes als das Erkennen mit dem Herzen. Auch wenn es nicht in unfassbarer Geschwindigkeit geschieht.

Der Papst spricht von der Begrenztheit des Menschen. Wir sind Menschen, die in dieser Welt leben, die an den Leib gebunden sind, der auch alt und krank wird. Der Leib, der begrenzt ist in seiner Fähigkeit. Aber gleichzeitig ist genau diese Begrenztheit ein Mittel dafür, dass wir in die Kommunikation kommen.

Wir brauchen einander wirklich, wir lernen lieben und wir lernen vergeben. Das ist das großartige, denn das kann keine KI. Keine KI kann sich freuen, keine KI kann Träume haben, jemandem vergeben oder Hingabe lernen. Das ist alles was nur die großartige Menschheit kann, wenn sie ihrem Ruf folgt und das lernt zu leben.

Das Interview führte Alexander Foxius.

Der Vortrag „Erkennen, Sprechen, Zeuge werden“ hier zum Nachhören.