Wie viel Veränderung verträgt die Kirche – und wo beginnt der Verlust ihrer Identität? Über diese Frage spricht der Passauer Bischof Stefan Oster in der aktuellen Folge des Podcasts Frings fragt von DOMRADIO. Im Gespräch mit ZdK-Generalsekretär Marc Frings äußert sich Oster offen über seine Vorbehalte gegenüber dem Synodalen Weg, persönliche Gewissenskonflikte und seine Sorge um den inneren Zusammenhalt der Kirche.
Bischof Oster beschreibt den Reformprozess rückblickend persönlich herausfordernd. Besonders die öffentliche Zuspitzung der Debatten habe Druck erzeugt und Gräben vertieft. Oster schildert, wie schwierig es für ihn gewesen sei, aus Gewissensgründen Positionen zu vertreten, die ihn innerhalb der Bischofskonferenz in die Minderheit brachten. Seine Kritik richtet sich vor allem an Reformvorhaben, die aus seiner Sicht theologische und anthropologische Grenzen überschreiten.
Trotz klarer Differenzen wirbt Oster für einen anderen Ton in kirchlichen Auseinandersetzungen. Er plädiert für ein respektvolles Ringen um Positionen und für eine „Hermeneutik des Wohlwollens“ – also die Bereitschaft, auch dem Gegenüber ehrliche Motive und den Willen zum Guten zu unterstellen.
Breiten Raum nimmt im Gespräch auch die Frage ein, wie Glaube heute glaubwürdig vermittelt werden kann. Oster merkt an, dass die Kirche von die Sakramente spende, ohne Menschen wirklich mit dem Glauben vertraut zu machen. Sein Plädoyer: mehr Tiefe, mehr Substanz, mehr Sprachfähigkeit im Glauben. Christen müssten wieder ausdrücken können, warum ihr Glaube ihrem Leben Orientierung, Freiheit und Sinn gibt.
Auch beim Thema Missbrauch zeigt sich Oster selbstkritisch. Er erkennt Fortschritte in Prävention und Aufarbeitung an, mahnt aber zugleich, Verantwortung nicht als erledigt zu betrachten. Die Kirche habe Strukturen geschaffen, dürfe darüber jedoch nicht die Perspektive der Betroffenen aus dem Blick verlieren.
