Bild: E. Schwitulla

1250 Jahre Vilshofen: Wie der Glaube an Christus dem Gemeinwohl dient

1250 Jahre Vilshofen: Wie der Glaube an Christus dem Gemeinwohl dient. Die Predigt von Bischof Stefan Oster hier zum Nachhören.

Im Jahr 776 wurde der Ort Vilshofen zum ersten Mal urkundlich erwähnt – vor 1250 Jahren. Grund genug für die größte Stadt im Landkreis Passau, das Jubiläum ein ganzes Jahr lang zu feiern. Mit einem feierlichen Gottesdienst in der Stadtpfarrkirche St. Johannes der Täufer hat die Stadt Vilshofen an der Donau ihr 1250-jähriges Bestehen gewürdigt. Die größte Stadt im Landkreis Passau begeht das Jubiläum mit zahlreichen Veranstaltungen über das gesamte Jahr hinweg.

Am Festgottesdienst nahmen unter anderem der wiedergewählte Bürgermeister Florian Gams, die stellvertretenden Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sowie die neu- und wiedergewählten Mitglieder des Stadtrates teil. Konzelebranten waren Stadtpfarrer Peter Kieweg, Pfarrvikar Pater Binoy, Pater Johannes sowie Diakon Pater Paul vom Kloster Schweiklberg.

Musikalisch gestaltet wurde die Feier vom Kirchenchor mit Orchester unter der Leitung von Martin Bender.

Biblischer Blick auf die Stadt

In seiner Predigt stellte Bischof Stefan Oster die Bedeutung der Stadt aus biblischer Perspektive in den Mittelpunkt. Dabei spannte er einen Bogen von den frühen Erzählungen des Alten Testaments bis hin zur christlichen Vorstellung des himmlischen Jerusalems.

Der Bischof erinnerte daran, dass die ersten Erwähnungen von Städten in der Bibel ambivalent seien. Bereits bei Kain und Abel erscheine die Stadt im Zusammenhang mit Gewalt und Entfremdung. Auch der Turmbau zu Babel stehe für menschliche Selbstüberschätzung und den Verlust des Gottesbezugs.

Oster betonte, dass Städte ohne geistliches Fundament Gefahr liefen, rein funktionale Orte zu werden. Der Mensch werde dann vor allem nach Nutzen und Leistung beurteilt. Mit Blick auf moderne Großstädte sprach er von zunehmender Anonymität und gesellschaftlicher Entfremdung.

Demgegenüber stellte er Jerusalem als Ort der Gegenwart Gottes heraus. König David habe die Bundeslade in die Stadt gebracht und damit sichtbar gemacht, dass das Volk Gottes seine Identität aus der Beziehung zu Gott empfange. Der Tempel sei zum Zeichen geworden, dass Gott mitten unter den Menschen wohne.

Kirche als Erinnerungsort mitten in der Stadt

Von diesem Gedanken ausgehend würdigte der Bischof die Bedeutung der Kirche für das gesellschaftliche Leben einer Stadt. Kirchen seien nicht lediglich historische Bauwerke, sondern Orte, an denen Menschen Orientierung, Würde und Gemeinschaft erfahren könnten.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“, zitierte Oster den ersten Satz des Grundgesetzes und verband ihn mit dem christlichen Menschenbild. Der Mensch dürfe niemals ausschließlich nach seiner Funktion oder seinem Nutzen betrachtet werden. Der Glaube erinnere daran, dass jeder Mensch Geschöpf Gottes sei.

Zugleich hob der Bischof hervor, dass christlicher Glaube konkrete Auswirkungen auf das Zusammenleben habe. Vergebung, Nächstenliebe und die Bereitschaft, sich für das Gemeinwohl einzusetzen, seien tragende Grundlagen einer freien Gesellschaft. Mit Bezug auf ein bekanntes Wort des Staatsrechtlers Ernst-Wolfgang Böckenförde sagte Oster, demokratische Gesellschaften lebten von Voraussetzungen, die sie selbst nicht garantieren könnten.

Wörtlich erklärte der Bischof: „Wenn das verloren geht, was wir hier feiern, was uns zusammenführt, dann nehmen auch in unserer Gesellschaft die Gruppenegoismen und die Partikularismen und das Auseinander und Gegeneinander zu.“

Dank an Ehrenamtliche und Verantwortliche

Besonders dankte Oster den Mitgliedern des Stadtrates für ihren Einsatz. Gerade das ehrenamtliche Engagement sei ein wichtiger Dienst für das Gemeinwohl und Ausdruck gelebter Verantwortung für die Stadtgemeinschaft. Oster: „Herzliche Gratulation an die Stadt Vilshofen an der Donau zu 1250 Jahren – und allen Segen des Himmels.“

Auch die lange kirchliche Tradition Vilshofens wurde in der Predigt mehrfach aufgegriffen. Der Bischof erinnerte daran, dass die erste Erwähnung des Ortes bereits mit klösterlichem Besitz verbunden gewesen sei. Zudem verwies er auf die Bedeutung des Benediktinerklosters Schweiklberg, das seit mehr als hundert Jahren das geistliche Leben der Region präge.

Zum Abschluss des Gottesdienstes sang die Gemeinde gemeinsam eine eigens geschaffene Hymne an die Stadt Vilshofen. Der Text von Martin Bender und Erika Schwitulla sowie die Komposition von Martin Bender greifen die Schönheit der Stadt und die Bitte um Gottes Schutz auf.

Vor Beginn des Gottesdienstes überreichte Bürgermeister Florian Gams dem Bischof einen Jubiläumskrug. Ein Bild von Erika Schwitulla hält diesen Moment fest.

1250 Jahre Vilshofen: Die Predigt von Bischof Stefan Oster kann hier nachgehört und heruntergeladen werden:

 

 

1250 Jahre Vilshofen: Mit Ministranten, Mesnerteam und Stadtpfarrer (Bild: R. Kickinger)


Hören Sie auch die Predigt „Konzert oder Gottesdienst? Wozu die neue Orgel?“ von Bischof Stefan Oster anlässlich der Orgelweihe in der Stadtpfarrkirche Vilshofen 2017.