Babel oder Jerusalem! Und Passau?

„Babel oder Jerusalem! Und Passau?“ – Die Predigt von Bischof Stefan Oster am Hochfest Fronleichnam 2026 hier als Video und Audio zum Nachhören.

Am Hochfest des Leibes und Blutes Christi, Fronleichnam, wird traditionell genau zehn Tage nach Pfingsten in besonderer Weise der Gegenwart Jesu Christi in Brot und Wein gedacht. Dazu gehört auch die Fronleichnamsprozession mit dem Allerheiligsten in der Monstranz, das Bischof Stefan Oster jedes Jahr unter dem „Himmel“ mitführt, nach dem Pontifikalamt im Passauer Stephansdom. Auch heuer fanden sich wieder zahlreiche Gläubige im Dom ein, um dieses Hochfest miteinander zu feiern. Zudem kamen etliche Fest- und Ehrengäste, u.a. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Gesellschaft und der kirchlichen Verbände aus Stadt und Landkreis Passau, die der Bischof zu Beginn des Gottesdienstes begrüßte. „Ich freue mich, dass wir nachher miteinander Zeugnis geben von dem, der unsere Mitte ist. Wir feiern den, der für uns Mensch geworden und uns Nahrung ist.“

Für die festliche musikalische Gestaltung sorgten Domchor und Dombläser unter der Leitung von Domkapellmeister Andreas Unterguggenberger, Domkantor Maximilian Jäger an der Truhenorgel und Domorganist Ludwig Ruckdeschel. Gesungen wurden u. a. Motetten und Lieder von M. Haller, P. Griesbacher, M. Frisina, J. Filke.

Babel oder Jerusalem! Und Passau?

Turmbau von Babel

In seiner Predigt thematisierte der Bischof die erste Enzyklika von Papst Leo XIV. mit dem Titel Magnifica Humanitas „Die großartige Menschheit“. Genauer: die zwei zentralen Bilder aus dem Alten Testament, die der Papst darin heranziehe. Das erste Bild, der Turmbau von Babel nach dem sogenannten Sündenfall und nach der Sintflut, thematisiere die Zerstreuung des Volkes durch Gott, das größer sein wollte als Gott selbst, so der Bischof. Diese Erzählung aus dem Buch Genesis hätte durchaus eine Parallele zu unserem heutigen technischen Fortschritt. „Ein riesiges Netzwerk, bildlich gesprochen ein gewaltiger Turm der Selbstermächtigung. Das Wissen der Menschheit ist verfügbar, Informationen sind jederzeit abrufbar.“ Doch stelle sich die Frage, ob all das unsere Kommunikation untereinander besser oder schwieriger mache, hinterfragte Bischof Oster.

Wiederaufbau Jerusalems

Das zweite Bild aus dem Buch Nehemia, den Wiederaufbau der Stadt Jerusalem nach ihrer Zerstörung, beschreibe Papst Leo als „gemeinsames Werk, bei dem Gott im Tempel die Mitte bildet“, so der Bischof. Der Papst stelle uns dabei die Frage, welche Stadt wir bauen wollten. Eine von Technik dominierte Stadt oder eine, in der die menschliche Würde bewahrt würde und das Miteinander wachse. Ein Gedanke des Papstes bezüglich des Titels der Enzyklika „Die großartige Menschheit“ habe ihn besonders berührt. „Er nennt die Begrenztheit der Menschheit ihre Größe.“ Die menschliche Begrenztheit habe zwar durchaus ihre negativen Seiten wie beispielsweise Krankheit und Sterblichkeit. Doch könne man sie auch positiv sehen, weil wir einander brauchen würden, so Bischof Oster. „Wir brauchen die kleinen Gemeinschaften von Familie und Freundschaft, um Liebe zu lernen, Vertrauen aufzubauen und Vergebung einzuüben.“ Das könne keine künstliche Intelligenz, betonte er. „In diesem Sinn lädt uns Papst Leo ein, eine Stadt, eine Gemeinschaft und eine Gesellschaft zu bauen, in der Gott die Mitte ist und deshalb die Würde jedes Menschen geachtet wird – jene Würde, die ihren Ursprung in der Gottesebenbildlichkeit hat.“

Gott: Die Mitte unseres Lebens!

Bezogen auf die Fronleichnamsprozession bedeute das, Gott sei der Mittelpunkt unseres Lebens. „Nicht weil Gott das braucht, sondern weil wir es brauchen für ein gutes Miteinander. Dann sagt Gott: Ich habe euch das Brot des Lebens gegeben.“ Gemeinschaftliches Miteinander sei schließlich auch einer der Werte, die Politik und Gesellschaft heutzutage wieder fördern wollten. Werte seien aber „an den gebunden, der größer ist als jeder einzelne Wert. Er will unsere Herzen weiten, damit wir eine Stadt bauen, in der die Würde jedes Menschen gewahrt wird – ausnahmslos jedes Menschen – und in der Gott die Mitte ist.“ Genau das würden wir mit Fronleichnam bezeugen, so Bischof Oster schließlich. „Möge er diese Stadt und unser Land segnen. Möge er uns helfen, mit dem Herzen zu verstehen, wie sehr er die Mitte unseres Lebens ist und sein will – für uns alle.“

Die Predigt als Podcast zum Nachhören

Einen ausführlichen Bericht gibt’s hier auf der Bistumswebsite.


Hören Sie auch die Predigt vom letzten Jahr: Segne unsere Stadt!