Kommentare

  1. Susanne Moehring

    Verehrte Exzellenz,
    danke sehr für die Bereitstellung der Videos. Im ersten Video sagen Sie bei Minute 14 folgende, daß Augustinus mal sagte, daß man sich wünschen würde Gott nie kennen gelernt zu haben, in dem Sinne, daß es auch eine Herausforderung sei als Priester und Ordensmann beispielhaft leben zu müssen und im Leben und am Alter als Herausgehobener von den Leuten betrachtet, gefragt zu werden und dem entsprechen zu wollen, sei nicht einfach.

    Einerseits kann ich Ihren Aspekt sehr gut nachvollziehen und denke auch, daß das Wort Demut ganz fest mit dieser Herausforderung verknüpft ist. Aber mir scheint diese Herausforderung auch oftmals als viel zu groß wahrgenommen, weil sie im Spiegel oder einem Vergrößerungsglas der Selbstreflektion betrachtet wird.

    Ich denke mir oder spüre, daß es Jesus bei dieser Herausforderung nicht wie bei einer Prüfung im Studium um korrekt erlernte Abläufe oder geschulte Gesten an sich geht – diese braucht es um beim Betrachter Vertrautheit zu schaffen und sich selbst im Willen der Selbstdarstellung demütig zu beschränken. Die eigentliche Herausforderung ist aus meiner Sicht aber vielmehr die Bereitschaft sich wirklich auf Gott einzulassen. Das ist wie in einer gelingenden Beziehung.

    Will ich Gott oder meinem Partner dadurch gefallen, daß ich so handle wie ich meine, daß er es von mir erwartet, unabhängig davon ob ich zu 100% aus mir selbst heraus auch so handeln würde, wenn es kein „um zu“ gäbe ? Oder handle ich in jedem dieser Momente so aus meinem Inneren heraus – ohne Selbstreflektion – weil in einer liebenden Selbstverständlichkeit ich mir sicher bin, daß Gott oder der Partner meine Handlung und meine Botschaft gar nicht mißverstehen kann ?

    Kinder haben noch diese authentische Eigenschaft unreflektiert, aus vollem Vertrauen zu handeln und ihre unverfälschte Zuneigung und Liebe kundzutun. Als Erwachsene senden wir sehr oft unsere Emotionen, Gedanken und Handlungen durch einen Filter. Aber dieser Filter nimmt die von anderen dennoch immer erkennbare Authentizität.

    Wenn der Priester am Altar in persona Christi zum Vater betet, wenn er den Heiligen Geist auf die Gaben von Brot und Wein herabruft, wenn damit Christus wahrhaft gegenwärtig durch des Priesters Worte und Hände in einen Moment zeitlichen und geistigen Mysteriums tritt, dann spüren alle Anwesenden die von Christus durch seine Gegenwart geschenkte Liebe und den Frieden. Diese Wahrnehmung kann nur dann getrübt sein, wenn der Mittler selbst aus Furcht oder Ehrfurcht die Liebe durch o.a. Filter schickt.

    Eine Stelle im Lukasevangelium ist aus meiner Sicht hier immer wieder in Erinnerung zu rufen : Lk 21,15. Es geht hier nicht nur um die endzeitliche Not und das Gericht, nicht die Anfeindungen oder die weltlichen Urteile über das Handeln derer, die in Vollmacht Jesus Christi sprechen und handeln. Es geht darum, daß der der größer ist und an dessen Macht, Weisheit und Liebe wir nie heranreichen werden, uns in seiner Weisheit und Liebe entgegenkommt, wenn wir ihm nur die Tür öffnen und ihn durch uns durchscheinen lassen.

    In einem denke ich, muß man in der Hingabe zu Gott im Vergleich auch zur Hingabe an einen Partner in einer Beziehung einen Unterschied feststellen. Die Hingabe an Gott kann nur vorbehaltlos funktionieren, weil er uns schon kennt bevor wir uns selbst erkannt haben. Das klingt wie die von Ihnen angesprochene Kapitulation. Aber er allein ist auch derjenige, der ohne egoistische Aspekte des Fleisches (Paulinisch gedacht), ohne Selbstbehauptungswillen und Ehrgeiz, vorbehaltlos und ehrlich uns seine Liebe schenkt. Bei jedem Partner kann in einer Beziehung ein Vorbehalt bleiben, der das ICH vor Verletzungen, Enttäuschungen schützen will oder aber dem anderen auch das ICH in besonders herausgehobener Weise darstellen oder verstellen möchte. In der Beziehung zu Gott gibt es nur eine bedingungslose Offenheit, Hingabe und ein Vertrauen, das darauf aufbaut, an seine Liebe und seinen guten Willen zu glauben. Fest zu glauben. Das ist sehr sehr schwer, wir sind Menschen und schaffen es wohl im Leben nur unseren Eltern – wenn wir Glück haben – diese weitestgehende Liebe aus Vertrauen entgegenzubringen. Aber bei Gott ist noch viel krasser. Er hat Fleisch angekommen, ist Mensch geworden, hat uns durch seinen Sohn von der Erbsünde Adams befreit, uns damit dem Weg zu seiner uneingeschränkten Liebe – wie zu Anbeginn der Schöpfung – wieder geschenkt und dazu noch Apostel berufen, die nach seiner Heimkehr zu Gott im Mysterium der Eucharistie seine Gegenwart durch alle irdischen Zeiten für alle Menschen zugänglich macht. Sich in diesen Dienst stellen zu dürfen, wirkt einerseits wie eine Herausforderung, die nur überfordern kann. Aber nimmt man die Komponente der Liebe ohne menschlich egoistische Hintergedanken, die Liebe Gottes, in den Blick, dann denke ich, können Sie und alle Priester sich von dieser Liebe getragen wissen. Die durch Sie allen weitergeschenkte Liebe und Aufforderung an alle Menschen, sich aus der Versteckecke der egoistischen Verschämtheit wieder auf Gott zuzubewegen, das ist das Geschenk Gottes auch in jeder geistlichen Berufung. Vergelt’s Gott dafür-.

  2. Susanne Moehring

    Weil Herr Gehrig im Interview auch fragte, woran man erkennen könne zum Priester berufen zu sein, habe ich die Videos aus dem Priesterjahr 2010 auf Youtube recherchiert. Hier ein sehr gutes Video in Deutsch mit dem treffenden Titel ADSUM : https://www.youtube.com/watch?v=PTdv5Z6TefE

    und ein sehr gutes Berufungsvideo auf Englisch :
    https://www.youtube.com/watch?v=t9a1DpmCDuc&index=2&list=PL06711EEC6A73F57F

    Beide Filme sind sehr sehenswert.

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