Konntet ihr nicht eine Stunde wachen?

Konntet ihr nicht eine Stunde wachen? Das zehnte Video von Bischof Stefan Oster in der Reihe „Jesus fragt“ hier zum Nachschauen.

Konntet ihr nicht einmal eine Stunde mit mir wachen? – Jesus ist mit Petrus, Jakobus und Johannes im Garten Getsemani. Es ist die Nacht nach dem letzten Abendmahl. Jesus weiß, was vor ihm liegt, und bittet die Jünger, bei ihm zu bleiben und zu wachen. Doch als er nach seinem Gebet zu ihnen zurückkommt, schlafen sie. Nicht nur einmal. Die Jünger sind keine schlechten Menschen und auch keine Fremden für Jesus. Sie gehören zu seinem engsten Kreis. Und doch schaffen sie es nicht, in diesem entscheidenden Moment bei ihm zu bleiben. Während Jesus mit seinem Vater ringt, schlafen sie ein. Darin liegt etwas Erschütterndes – aber zugleich auch etwas Tröstliches. Denn wie schwer fällt es nicht auch heute, wirklich präsent zu sein, wenn es darauf ankommt?

Dabei stellt sich eine viel grundsätzlichere Frage: Was bedeutet es eigentlich, mit Gott in Beziehung zu sein? Im Mittelpunkt steht dabei ein Gedanke, der zunächst ungewohnt klingt mag: Gott um Gottes willen lieben zu lernen. Auch im Gebet geht es häufig um konkrete Anliegen. Menschen bitten um Gesundheit, um Hilfe, um Schutz für Angehörige oder um Gelingen in schwierigen Situationen. Das ist selbstverständlich und gehört zur Beziehung mit Gott. Aber kann Gebet noch etwas anderes sein? Was bedeutet es, einfach Zeit mit Gott zu verbringen, ohne unmittelbar etwas von ihm zu erwarten?

Gerade hier zeigt sich eine Parallele zu menschlichen Beziehungen. Wer einen anderen Menschen wirklich liebt, möchte nicht nur wegen bestimmter Eigenschaften, Leistungen oder Vorteile geliebt werden, sondern um seiner selbst willen. Könnte dies auch etwas über die Beziehung zu Gott sagen?

In einer Welt, in der Zeit möglichst sinnvoll genutzt werden soll und fast alles einem Zweck untergeordnet wird, kann Stille geradezu fremd erscheinen. Zeit einfach vor Gott zu verbringen, ohne ein bestimmtes Ergebnis zu erwarten, wirkt schnell wie sinnlose Zeit. Und doch kann gerade darin ein wesentlicher Teil der Gottesbeziehung liegen.

Die schlafenden Jünger machen dabei deutlich, wie schwer diese Form der Nähe sein kann. Zugleich zeigen sie, dass menschliches Versagen nicht das Ende der Beziehung zu Jesus bedeutet.

Was geschieht, wenn regelmäßig Zeit für Gott reserviert wird – nicht aus Pflicht, nicht als Mittel zum Zweck, sondern um seinetwillen? Kann Stille tatsächlich etwas im Menschen verändern? Und wie hörfähig ist ein Mensch, wenn es um die leisen Impulse Gottes geht?

Mehr über die Frage „Konntet ihr nicht eine Stunde wachen?“ oben im Video von Bischof Stefan Oster. Und hier als Audio:


Könnt ihr den Kelch trinken, von dem ich trinken werde? Das Video von Bischof Stefan Oster in der Reihe „Jesus fragt“ hier zum Nachschauen.