Foto: Stefanie Hintermayr / pbp

Die vergebende Liebe – und unsere eigenen Grenzen – Predigt zum Tag des Marienwerks

Tag des Marienwerks – Die Predigt von Bischof Stefan Oster beim Gottesdienst zum 80-jährigen Bestehen des Altöttinger Marienwerks in der Basilika St. Anna Altötting hier als Audio zum Nachhören.

Auf 80 Jahre Engagement für die Verehrung der Altöttinger Gnadenmutter unter dem Motto „In Gemeinschaft vereint – im Gebet geborgen!“, für Gebet, Musik und Kultur kann das Altöttinger Marienwerk zurückblicken. Die Gemeinschaft mit vielen tausend Mitgliedern hat dieses große Jubiläum am 13. September mit einem Pontifikalgottesdienst mit Bischof Stefan Oster in der Basilika St. Anna in Altötting gefeiert. Zahlreiche Vereinsmitglieder, Freunde und Förderer des Marienwerks sowie etliche Festgäste und Gläubige konnte Pfarrer BGR Christian Kriegbaum, der neue Vorsitzende (seit Januar 2026), zu Beginn begrüßen. „Gemeinsam wollen wir uns im Glauben und in der Verehrung der Muttergottes stärken lassen.“

Es sei Zeit, Dank zu sagen für alles, was das Marienwerk in den 80 Jahren zur Förderung der Wallfahrt gewirkt habe, die immer auch eine Förderung des Glaubens sei, so Bischof Stefan Oster zu Beginn. „Glaube auch als einen qualitätsvollen Ausdruck unserer Lebenskultur. Das Marienwerk hat dazu durch die Förderung der Musik, durch Film, durch den Kreuzweg, durch die Dioramenschau, aber vor allem auch durch die Gebetsgemeinschaft einen ganz besonderen Beitrag geleistet und tut es immer noch.“

Die vergebende Liebe – und unsere eigenen Grenzen

In seiner Predigt stellte der Bischof zu Beginn die Frage: „Wann sind Sie eigentlich das letzte Mal über eine Aussage Jesu aus dem Evangelium so wirklich erschrocken?“ Er bezog sich damit auf das zuvor verlesene, wie er es formulierte „groteske Gleichnis“ zum Thema Vergebung aus dem Matthäusevangelium. Petrus fragte am Anfang des Evangeliums Jesus, ob er siebenmal vergeben muss. Jesu Antwort lautete aber, immer und immer und immer wieder.

Vergebende Menschen werden

„Ich glaube, liebe Schwestern und Brüder, diese Herausforderung, dass wir lernen müssen, vergebende Menschen zu werden, die steht in einer ähnlichen erschreckenden Kategorie wie die Aufforderung, unsere Feinde zu lieben, denen gut zu sein, die uns verfolgen, die uns hassen, die uns verleumden, die uns mobben, die Feinde zu lieben. Oder: Fürchtet euch vor niemandem“, erklärte der Bischof. Eine Herausforderung, die wir aus gutem Grund oft nicht erfüllen würden. „Warum? Weil wir uns so schwertun, uns vorzustellen, dass der Herr wirklich da ist und wirklich in uns Liebe und Vergebung und Furchtlosigkeit herstellen will.“ Sünde sei zuerst, so zu leben, als ob es Gott nicht gäbe. Und trotzdem sei er stets bereit, uns zu immer wieder zu vergeben, weil wir Kinder Gottes sind, so die Botschaft Jesu im Gleichnis.

Engagement für Gebet, Musik und Kultur

Mit Blick auf das 80-jährige Jubiläum des Altöttinger Marienwerks betonte der Bischof, dass dies auch ein Ort sei, der uns an der Seite der Muttergottes immer besser verstehen ließe, was Christus an uns täte und an uns tun wolle. Er würdigte die Gemeinschaft, die sich von einer Vereinigung zur Förderung der Kirchenmusik zu einer Gebetsgemeinschaft zur Förderung der Verehrung der Altöttinger Gnadenmutter entwickelt habe, und dankte für das vielseitige Engagement. „Pflege der Kultur bedeutet auch: Wir wollen dem Herrn und seiner Mutter unser Bestes geben. Das heißt, wir wollen auch durch Schönheit von Musik, von Film, durch die Dioramenschau, durch den schönen Kreuzweg, der gestaltet worden ist, vor allem aber auch durch junge Musik, was ich sehr schön finde, den Herrn begleiten und gewissermaßen das kulturelle Leben und damit die Herzensbildung fördern.“

Den Herrn erkennen lernen

Sein Dank galt schließlich alle, die an der kirchenmusikalischen Nachwuchsförderung des Marienwerks mit den Altöttinger Kapellsingknaben und der Mädchenkantorei mitwirken. „Dass auch junge Menschen mit der Liturgie in Verbindung kommen und über die Musik lernen, sich selber und unseren Herrn zu erkennen und zu verehren und uns allen helfen, unseren Blick zu lenken auf den, der die vergebende Liebe in Person ist.“

 

Am Ende des Gottesdienstes wurde Pfarrer BGR Christian Kriegbaum als neuer Vorsitzender offiziell begrüßt und sein Vorgänger Domkapitular i.R. Msgr. Josef Fischer verabschiedet. Kriegbaum ernannte Fischer schließlich zum Ehrenvorsitzenden des Altöttinger Marienwerks. Musikalisch stimmungsvoll gestaltet wurde der Gottesdienst von Kapellchor und -orchester unter Leitung von Stiftskapellmeister Stephan Thinnes mit Johann Ernst Eberlins „Missa in C ‚brevissima‘“.

Die Predigt als Podcast zum Nachhören

Einen ausführlichen Artikel mit weiteren Impressionen gibt’s hier auf der Bistumswebsite.