Ein Freudenbote in schwierigen Zeiten – Priesterweihe 2023

Das Bistum Passau hat einen neuen „Freudenboten“! Neupriester Tobias Asbeck hat heute von Bischof Stefan in einer feierlichen Weiheliturgie das Weihesakrament empfangen. Als Primizspruch hat er ein Wort des Apostels Petrus gewählt: „Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.“ Das Wort Gottes zu verkünden, die Sakramente zu feiern und den Menschen in ihren verschiedenen Lebenslagen zu dienen, dazu sei Tobias Asbeck nun berufen, so der Bischof in seiner Predigt.

Wir gratulieren Tobias Asbeck heute ganz herzlich zur Priesterweihe und wünschen ihm für seinen Dienst alles Gute und Gottes reichen Segen!

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Lieber Tobias Asbeck, liebe Eltern, liebe Freunde, Weggefährten, liebe Gläubige aus Zell, aus Waldkirchen, aus Pocking und von überall her,

die erste Lesung vom heutigen Festtag klingt wie ein Paukenschlag zum Auftakt: Aus dem Jesaja-Buch hören wir da: „Wie willkommen sind auf den Bergen die Schritte des Freudenboten, der Frieden ankündigt, der eine frohe Botschaft bringt und Rettung verheißt.“

Wahrlich, lieber Tobias, wie willkommen sind Sie mit Ihrem Ja zu Ihrer Berufung in diesen Zeiten unserer Kirche in unserem Land. Sie sind ein „Freudenbote“, denn Sie haben in Ihrer kurzen Vorstellung eines Videos für das Bistum genau dies erklärt: Die frohe Botschaft den Menschen so zu sagen und so vorzuleben, dass sie dadurch wirklich auf die Spur kommen, zu Jesus und damit zum Vater und damit hinein ins größere Leben, das die Welt allein nicht geben kann. Und wir haben solche Freudenboten so nötig – denn eben in dieser Woche Ihrer Priesterweihe haben wir in unserem Bistum und im ganzen Land Rekordquoten von Austritten aus unserer Kirche in diesem Land zur Kenntnis nehmen müssen. Die Menschen gehen in Scharen – aus den verschiedensten Gründen. Und wir wissen, dass einige dieser Gründe auch hausgemacht sind und schwer auf uns lasten – und mehr noch auf den Menschen lasten, die zum Beispiel Missbrauch erlitten haben.
Aber wir wissen auch, dass wir grundsätzlich und schon seit langem in einer Zeit leben, in der die Nachricht, dass Jesus der Herr ist – und auch Herr über unser Leben sein will, für viele Menschen nicht mehr annehmbar ist. Denn in uns allen gibt es die Seite, die selbst Herr über das eigene Leben sein will. Wir wollen selbstbestimmt sein und uns selbst verwirklichen, wir wollen selbst Herrn sein – und glauben, keinen fremden Herren zu brauchen. Fremdherrschaft ist unpopulär in einem liberalen Wohlstandsland wie unserem. Hier darf und soll jeder nach seiner Façon selig werden. „Unterm Strich, zähl ich“ – lautete vor einiger Zeit der Werbeslogan einer Bank, der das heimliche Lebensgefühl der Zeit in einen Satz fasst. „Unterm Strich zähl ich.“

Und dann kommt ein junger Mann wie Sie, Tobias, und verkündet uns allen: „Unterm Strich zählt ER – und nicht ich.“ Ihr Primizspruch ist ein Wort des Petrus aus dem Johannes-Evangelium, der zu Jesus sagt: „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.“ Eben erst habe ich in einem Artikel der Zeitung gelesen, dass es derzeit immer neue Sachbücher gibt, die Menschen helfen sollen, den Sinn des Lebens zu entdecken und zu finden. Und eine der wenig überraschenden Erkenntnisse lautete: „Ein egozentrisches Leben kann eher kein sinnerfülltes Leben sein.“ Gut, das haben wir kapiert. Aber warum ER? Warum hat ER Worte des ewigen Lebens – was soll das für uns bedeuten – und warum müssen Sie dazu Priester werden?

Zunächst Tobias, erinnere ich mich zurück an die Zeit, als Sie zum ersten Mal mit Ihrem damaligen Regens Martin Dengler bei mir im Büro saßen. Ich glaube, das war vor acht Jahren. Wir haben über Ihren Eintritt ins erste Jahr des Priesterseminars gesprochen, ins so genannte Propädeutikum. Und ich weiß noch, wie Sie dasaßen, ein doch eher zurückhaltender junger Bursche, eher schüchtern, der wenig gesprochen hat und vielleicht auch noch gar nicht so viel Worte dafür hatte, was ihn da angezogen und bewogen hat, ins Seminar zu gehen. Und – ganz ehrlich – umso erstaunlicher empfand ich Ihre persönliche Entwicklung in den letzten Jahren. Immer wenn wir uns getroffen und gesprochen haben, habe ich gespürt, wie Sie innerlich und äußerlich gewachsen sind. In der Reflexion, im geistlichen Leben, in der Fähigkeit, Gemeinschaft zu leben – und auch in der Fähigkeit, sich als theologische und geistliche Persönlichkeit auszudrücken. Sie haben mir auch erzählt, dass es kein einschneidendes Berufungserlebnis für Sie gab. Dafür so etwas wie die wachsende innere Gewissheit, dass der Herr Sie ins Priestertum zieht – und Sie selbst dem auch zustimmen wollen. Ich habe auch sehr viel Achtung für Ihre ausführliche und so gewissenhafte Prüfung Ihrer Motive. Und ich meine tatsächlich zu spüren: Unterm Strich zählt für Sie wirklich zuerst ER – und nicht zuerst Ihr „Ich“. Sie sind auf Ihrem Weg zur Vorbereitung auf den heutigen Tag – wenn ich das so sagen darf, ein gestandenes Mannsbild geworden; einer der mit ruhigem Selbstvertrauen, aber ohne Stolz sagen kann, was er denkt und um was es ihm geht.

Ausgehend von Ihrem Primizspruch und vom heutigen Evangelium her möchte ich noch ein wenig tiefer schauen, um zu verstehen, was es für uns als Priester heute bedeutet, die Menschen mit dem Evangelium in Berührung zu bringen. Petrus sagt dieses Wort, nachdem Jesus herausfordernd davon gesprochen hatte, dass er sein Fleisch geben werde und das sein Fleisch wirklich eine Speise ist und dass es notwendig sei, diese Speise zu essen, damit man das ewige Leben habe. Er spricht also von dem, was bald nach seinem Tod und seiner Auferstehung Eucharistie heißen sollte. Viele nehmen Anstoß daran, offenbar auch einige aus dem erweiterten Jüngerkreis – und sie gehen von ihm weg. Sie können diese Rede schwer ertragen. Jesus spürt diese Herausforderung und sagt nun zum engeren Kreis, zu den Zwölf: „Und ihr? Wollt auch ihr gehen?“ Und jetzt sagt Petrus diesen Satz, den Sie, lieber Tobias, als Ihren Primizspruch gewählt haben: „Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.“ Und Petrus fügt noch hinzu: „Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt, Du bist der Heilige Gottes.“

Sie spüren vielleicht, liebe Schwestern und Brüder, dass es hier um etwas Tiefes und Besonderes geht. Das Besondere ist: Das, was Jesus sagt, ist nicht nur eine Botschaft, nicht nur eine gute Nachricht, wie tausende von Botschaften, gute oder schlechte, die wir jeden Tag hören. Jesus überbringt nicht nur eine Botschaft aus dem Himmel. Und Jesus hat nicht nur Sachen mit tiefer Gültigkeit gesagt. Es ist mehr als das. Es ist eine Art von Identität von Botschaft und Person, die Petrus hier artikuliert. „Du hast Worte ewigen Lebens – und Du bist der Heilige Gottes.“ Die Jünger verstehen natürlich noch nicht ganz. Wie sollten sie auch? Und wie soll man Jesus überhaupt jemals ganz verstehen in seiner gottmenschlichen Tiefe und Größe. Aber Petrus spürt: Hier ist einer, der in seinem Sprechen zutiefst eins ist mit dem, was und wer er selbst ist. Später werden wir sagen: ER ist selbst die Botschaft in Person. Er ist selbst das Wort Gottes in Person. Er ist selbst das Reich Gottes in Person. In ihm kommt alles zusammen. In ihm kommt der Sinn des Lebens zum Ausdruck. Er ist die alles entscheidende Person der Geschichte, für die ganze Menschheit und für jeden Einzelnen von uns. Deshalb beauftragt er die Seinen im heutigen Evangelium auch hinauszugehen in die ganze Welt und alle Menschen zu seinen Jüngern zu machen.

Und wenn Tobias Asbeck heute zum Priester geweiht wird, dann glauben wir, dass der Herr ihn mit hineinzieht in diese Sendung, in den Auftrag, die ursprünglich sein eigener ist. Was ist der Auftrag? Der Auftrag ist buchstäblich eine Rettungsaktion. Jesus ist gekommen, um den Menschen zurückzuholen ins Reich des Vaters. Jesus will den Menschen mit Gott versöhnen und ihm die Gotteskindschaft zurückschenken – durch Vergebung und innere Erneuerung. Und Tobias ist nun berufen, das Wort zu verkündigen, die Sakramente zu feiern und den Menschen in vielfältigen Lebenslagen zu dienen. Und auch bei ihm selbst soll das Wort mehr sein als nur eine Botschaft. Die Menschen sollen spüren, dass er aus dem lebt, was er sagt und was er feiert. Sie sollen merken, dass ihm nach und nach das Wort Gottes auch sein Wort wird, dass es ihm immer mehr in Fleisch und Blut übergeht. Uns Priestern soll man anmerken, wer uns wirklich geweiht hat – durch die Handauflegung des Bischofs, der auch nur Sein Mittler ist. Lieber Tobias, diese enge Zugehörigkeit zu Jesus wäre eine kolossale Überforderung, wenn nicht ER, der Herr, das Entscheidende selbst wirkt. Aber damit er das in Ihnen wirken kann, dazu braucht es ein Sein bei ihm, täglich, im Schweigen, im Stundengebet, im Hören des Wortes, im Beten der Schrift, im Eintreten für die, die uns anvertraut sind. Wir alle wissen, dass die täglichen Möglichkeiten der Zerstreuung und Ablenkung immer massiver werden. Daher bitte ich Sie: Schenken Sie dem Herrn Ihre tägliche heilige Stunde. Wenn Sie tief eingeübt haben, mit Ihm und bei Ihm zu sein, dann werden Ihre Worte und Ihr Handeln aus diesem Sein kommen. Dann wird Ihr Tun dem inneren Sein-bei-Christus folgen – und dann werden Menschen so etwas wie Salbung spüren, etwas wie eine angenehme, anziehende Tiefe, die daraus lebt, dass ER und Sein Wort Ihnen innerlich geworden ist.

Lieber Tobias, wir sind Ihnen auch deshalb so dankbar, weil wir ahnen, dass die Herausforderungen für die Kirche intensiver werden, dass ihr Weg in diesem Land womöglich steiniger werden wird, dass die Gegnerschaft größer und der Wind rauer werden wird. Und trotzdem: Trotzdem hat gerade diese Zeit und diese Gesellschaft nichts mehr nötig als Menschen, die wirklich aus dem Geheimnis von Gottes heilender Gegenwart leben. Sie verkünden einen Herrn, der die tiefste Antwort ist auf alle unsere menschlichen Sorgen und Nöte. Sie verkünden den Sieger über Leid, über Sünde, über Tod und Teufel. Mit Christus, sagt uns Papst Franziskus, verschwindet die innere Leere, die Traurigkeit, die Vereinsamung. Mit ihm kommt immer und immer wieder die Freude.

Und ich möchte noch einen Gedanken anfügen – sehr bewusst auch deshalb, weil heute viele Menschen hier sind – und weil einige vielleicht auch später noch diese Predigt hören oder sehen werden. Tobias Asbeck hat in seinem Zeugnis, das als Video auf dem Bistumskanal hinterlegt ist, mit einem sehr ehrlichen, frohen Gesicht gesagt, „dass in dieser Welt nichts Schöneres und Wahreres zu finden ist als die Botschaft Jesu“. Und ich möchte im Sinn des eben Gesagten noch ergänzen: Nichts Schöneres und Wahreres als Jesus selbst, der diese Botschaft in Person ist – und der unter uns da ist. Die Zeiten für Berufungen sind schwierig – und wir alle wissen, dass die Zahl der Kandidaten wie Tobias allmählich nahezu gegen Null geht. Und das ist auch nur allzu verständlich angesichts der Kirchen- und Glaubenskrise, die wir zurzeit in unserem Land erleben. Aber im Evangelium sagt uns Jesus erstens: wir sollen bitten um Arbeiter in seinem Weinberg. Und zweitens sagt er uns: Es gibt viele, die ER ruft, aber offensichtlich nur wenige, die sich dann auch rufen und erwählen lassen. Mit dem heutigen Zeugnis von Tobias Asbeck möchte ich gerne sagen: Er geht für den tiefsten Sinn des Lebens, den es gibt. Für Jesus. Und Jesus hat uns verheißen: Wenn wir bei Ihm bleiben, vor allem in unserem inneren Leben und wenn wir immer besser lernen, aus seiner Kraft zu den Menschen zu gehen und zu dienen, dann wird uns eine Freude zuteil, die diese Welt allein nicht geben kann. Ich möchte diese Freude auch wirklich persönlich bezeugen.

Nun: Jesus ruft auch heute – sein Ruf ist leise, oft zärtlich, aber nachhaltig. Er zieht uns an sich, er geht mit uns und bleibt bei uns – und er befähigt uns bisweilen zu Dingen, an die wir vorher nie gedacht hätten. Das Primizwort von Tobias Asbeck lautet (noch einmal): „Herr, wohin sollen wir gehen? Du – Du allein – hast Worte des Ewigen Lebens“. Wenn jemand jetzt im Hören dieses Wortes im Herzen berührt wird, dann will ich ihn einladen: Folge dieser Spur Deiner Sehnsucht, hör hin, öffne Dich, prüfe, nimm Dir Zeit dafür, sprich mit erfahrenen Seelsorgern darüber. Und vielleicht entdeckst Du damit einen Beruf, der Dir den tiefsten Sinn Deines Lebens aufschließen kann – für Dich und für andere.

Danke Ihnen, lieber Tobias, dass Sie ja gesagt haben. Danke Ihren Eltern, dass Sie diesen Weg begleitet und unterstützt haben. Danke allen Ausbildern, Weggefährten, Freunden, Bekannten, allen, die gebetet haben, dass Tobias seinem Weg treu bleiben kann – und bitte beten Sie auch weiterhin für ihn und alle unsere Priester. Amen.

 


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