Die Eucharistie. Der Vortrag von Bischof Stefan Oster in der Reihe über die Sakramente.
Die Eucharistie ist ein großes Geheimnis. Das meint nicht: „ein undurchdringliches Rätsel“, sondern etwas, in das man eintreten kann, dass einen aber übersteigt. Oft ist das schwer zu begreifen, jedoch ist es möglich, einen Zugang dazu zu entwickeln – mit dem Herzen, aber auch mit dem Verstand.
Die Eucharistie gilt als eines der sieben Sakramente in der katholischen Kirche. Doch was meint es, wenn man von realer Präsenz Jesu in der Eucharistie spricht? Inwiefern zeigt sich in diesem Sakrament die Herrlichkeit Gottes? Und wie kann man die Eucharistie als Gabe Gottes an den Menschen verstehen?
Präsenz ist ein Wort, das oft auch im Alltag verwendet wird: Jemand ist präsent, jemand ist gegenwärtig. Aber diese Gegenwart meint nicht nur physische Anwesenheit, sondern kann auch personal verstanden werden: Jemand ist nicht einfach nur anwesend, sondern hat eine starke Präsenz, beispielsweise ein Schauspieler auf der Bühne. Eine solche Präsenz ist nicht selbstverständlich, sie fällt einem oft schwer. Jesus dagegen ist real präsent in der Eucharistie, mit seiner ganzen Person „wirklich da“.
Die Präsenz Gottes ist bereits dem Volk Israel im Offenbarungszelt und später im Jerusalemer Tempel erfahrbar geworden. Die Schrift schreibt immer wieder, diese Orte seien von Gottes Herrlichkeit erfüllt gewesen. Herrlichkeit heißt im Hebräischen kavot, das Wort meint ursprünglich „Gewicht“. Gottes Anwesenheit ist „gewichtig“ und ist deswegen unfassbar präsentisch.
Im Kommen Jesu zeigt sich die Herrlichkeit Gottes nun auf neue Weise: Nicht mehr majestätisch, sondern zunächst verborgen in der Demut der Menschheit Jesu, durch die sich nach und nach von den Jüngern realisiert wird. Es ist eine Art von Herrlichkeit, die nicht auf den ersten Blick fassbar ist, die sich aber einlässt auf den Menschen und seine Abgründe.
Von daher ist zu verstehen, was Eucharistie als Gabe meint. Wenn ein Menscht etwas gibt, gibt er immer auch ein Stück von sich selbst mit. Der Mensch kann sich dem öffnen oder verweigern, wenn er etwa aus unlauteren Motiven gibt. Der Mensch ist endlich, er kann sich nie ganz geben. Jesus als der unendlich Liebende gibt sich dagegen ganz – er bleibt in all seiner Herrlichkeit und macht sich jedem einzelnen zugleich zu eigen. Wenn man die Kommunion empfängt, darf man diese Gabe empfangen.
Wie kann man diese Gabe empfangen? Und dem Geber entgegentreten?
Das erfahrt ihr im neuen Video über die Eucharistie von Bischof Stefan Oster in der Reihe über die Sakramente.
Das gesamte Video gibt es jetzt auf YouTube und als Podcast auf Spotify!
Das Video oben zum Nachschauen.
Die Folge auch als Audio:
Was ist denn eigentlich ein Sakrament? Das könnt ihr im ersten Video der Reihe Nachhören: Das Sakrament

Comments
Sehr geehrter Herr Bischof!
Erlauben Sie einem alten Lateinlehrer beim Sakramentsverständnis von der ursprünglichen Wortbedeutung auszugehen. Sacramentum bezeichnet den Legionärseid auf die res publica unter der feierlichen Anrufung der Götter, also ein festes Versprechen auch als Testament. Genau das sehe ich im Abschied Jesu: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“. Er zeigt zugleich, dass mit der Taufe diese Präsenz ein sichtbares Zeichen erhält. Aber wir dürfen gleichzeitig sicher sein, dass er auch ohne dieses Zeichen gegenwärtig ist; denn wenn wir den dreipersonalen Gott als allgegenwärtigen beschreiben, dann gibt es konsequenterweise keinen Ort in dieser Welt, wo er nicht wäre. Das führt natürlich zu der Frage nach dem Sinn der Sakramente allgemein und im besonderen. Mit Blick auf die Eucharistie bleibt offen, ob durch die Wandlung Jesus in Brot und Wein gegenwärtiger als vorher wird oder ob der Gemeinde die Tatsache seiner Gegenwart bewusster gemacht werden soll. Müssen wir nicht ehrlicherweise unsere Glaubenserzählung ändern ganz im Sinn der Ökumene? Da fällt mir auf, dass die Eucharistie nicht im Glaubensbekenntnis steht. Wir müssen die Dogmen genauso mit der historisch-kritischen Methode interpretieren wie die Bibel als Gottes Wort in Menschenwort. Die Dogmen sind in Inhalt umd Form zeitgebunden. Die Transsubstantiation ist der Versuch, mit Hilfe der Scholastik die Gegenwart Jesu vernünftig zu erklären. Stehen sie da überhaupt mit der Bibel auf derselben Stufe? Darüber sollte man ernsthaft nachdenken, bevor man salbungsvoll an den Menschen vorbeiredet, was Sie aber nicht tun. Die Gegenwart des dreipersonalen Gottes ist ein Geheimnis, das uns durch die Zeichen der Sakramente bewusst gemacht wird, so dass wir in der Gewissheit leben dürfen, niemals allein zu sein.
Sehr geehrter Herr Maroscheck, besten Dank für Ihre Überlegungen. Was das Thema „Transsubstantiation“ betrifft, dazu habe ich ein ziemlich dickes Buch geschrieben (meine Habilitationsarbeit).
„Person und Transsubstantiation-Mensch-sein, Kirche-sein und Eucharistie – eine ontologische Zusammenschau“. Darin hat sich mir gezeigt, dass die Zugänge der Scholastik zum Dogma an der Wirklichkeit orientiert sind und auch ins Heute weiter entfaltet werden können. Z.B. durch einen relational geprägten Begriff von dem, was damals „Substanz“ hieß. Und was die historisch-kritische Methode angeht: Das ist eines von mehreren Werkzeugen der Zugänge zur Bibel, aber bei weitem nicht das, was allein selig macht. Ich bin sehr überzeugt, dass die Bibel nicht zuerst für Wissenschaftler geschrieben wurde, sondern für Menschen, die Gott suchen. Und wenn sie es „in“ dem Raum tun, der sich uns als „Kirche“ zeigt und geoffenbart hat, dann dürfen sie auch in einer gewissen Sicherheit unterwegs sein. Freilich müsste dazu auch tiefer entfaltet werden, wer oder was Kirche ist. Das habe ich in verschiedenen Videos, aber auch in meiner Habilschrift getan. Beste Segenswünsche SO
Wg. des Buches, siehe hier: https://www.amazon.de/Person-Transsubstantiation-Mensch-Sein-ontologische-Zusammenschau/dp/3451322927