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Über meine Ängste – und die Bindung an Gott

Über meine Ängste – und die Bindung an Gott. Die Predigt von Bischof Stefan Oster in der Basilika St. Ulrich und Afra in Augsburg hier zum Nachhören.

Was gibt Menschen Halt in einer Welt voller Unsicherheiten und Ängste? In seiner Predigt „Über meine Ängste – und die Bindung an Gott“ am 21.06.2026 schlägt der Passauer Bischof Stefan Oster eine Brücke zwischen aktuellen psychologischen Erkenntnissen und dem christlichen Glauben. Dabei stellt der Bischof die Frage in den Mittelpunkt, wie Menschen mit Angst umgehen.

Ausgangspunkt seiner Überlegungen ist die sogenannte Bindungsforschung. Sie zeigt, dass sicher gebundene Kinder mutiger, offener, neugieriger und weniger ängstlich auf die Welt zugehen. Dieses Prinzip überträgt Oster auf den Glauben: Wer sich von Gott getragen weiß, kann ebenfalls Vertrauen entwickeln und dem Leben mit größerer Zuversicht begegnen. Die Beziehung zu Gott sei eine fundamentale Sicherheitsbasis für den Menschen.

Über meine Ängste

Angst gehöre zwar zu den Grundbedingungen des menschlichen Daseins, sagte der Bischof. Sie sei eine natürliche Reaktion auf Bedrohungen, wurzele aber auch in der Endlichkeit des Menschen und in der Gewissheit des eigenen Todes. Zur Veranschaulichung griff er auf die Lehre des Psychologen Fritz Riemann zurück, der verschiedene Grundformen der Angst beschrieben habe: die Angst vor zu starker Bindung oder vor Einsamkeit, die Furcht vor Veränderung ebenso wie die Angst vor Stillstand.

Dem stelle Jesus im Evangelium mehrfach die Aufforderung entgegen: „Fürchtet euch nicht.“ Diese Worte seien als Einladung zu verstehen, auf eine tragfähige Beziehung zu Gott zu vertrauen. Entscheidend sei dabei nicht nur das Nachdenken über den Glauben oder das Erleben religiöser Gefühle, sondern das Hineinwachsen in eine persönliche und verlässliche Gottesbeziehung.

Fürchte Dich nicht

Oster verglich diesen Prozess mit menschlichen Beziehungen: Aus anfänglicher Sympathie und emotionaler Nähe werde erst durch gemeinsame Erfahrungen ein tiefes Vertrauen, das Menschen trage. Ähnlich könne sich auch der Glaube entwickeln – bis hin zu einer Überzeugung, die selbst die Angst vor dem Tod relativiere.

Der Bischof warb dafür, den Glauben nicht als bloße Pflicht zu verstehen, sondern als ein Geschenk, das innere Freiheit schenke. Wer sich Gott anvertraue, könne mutiger werden und sich auch öffentlich zu seinem Glauben bekennen – etwa im Berufs- oder Freundeskreis.

Zum Abschluss griff Oster die Zusage des Evangeliums auf, wonach Christus sich zu denjenigen bekennen werde, die sich zu ihm bekennen. Der Glaube sei letztlich eine Frage der Bindung: Wer sich bei Gott sicher aufgehoben wisse, könne – wie ein Kind, das sich auf seine Eltern verlassen kann – offen, zuversichtlich und angstfreier auf die Welt zugehen und so auch den Schrecken des Endlichen überwinden.

Die Predigt hier zum Nachhören:


Von 19.-20.06.2026 fand in Augsburg der Kongress „Mission:is:possible“ statt. Der Kongress ging der Frage nach, wie christliche Mission heute gelingen kann. Im Nachgang zu dieser Konferenz feierte Bischof Stefan Oster mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus dem Bistum Passau die Heilige Messe in St. Ulrich und Afra. Alle Vorträge von Bischof Stefan auf der Konferenz hier zum Nachhören: „Mission is possible“