Verabschiedung von Regens Franz Haringer

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Lieber Herr Regens, liebe Festgäste, liebe Schwestern und Brüder,

der Herr hat einen Plan für uns, sagt uns heute der heilige Apostel Paulus in der Vesper, die wir auch zur Ehre der Heiligen Birgitta von Schweden feiern. Wir sind nach seinem ewigen Plan berufen und dazu bestimmt, am Wesen und an der Gestalt seines Sohnes teilzuhaben. Wir sind berufen seine vielen Brüder und Schwestern zu sein, die Geschwister von ihm dem Erstgeborenen, wie Paulus sagt. An uns soll man erkennen, wes Geistes Kind wir sind, an uns soll man verstehen lernen, wer der Erstgeborene ist, von dem wir Bruder und Schwester sind.

Oft und oft habe ich in der Berufungspastoral wie denn das gemeint ist, dass der Herr uns beruft und einen Plan mit uns hat und auch so etwas wie eine Idee von uns hat. Dass wir alle dieser Idee noch nicht und im Fortgang unseres Lebens nur mehr oder weniger entsprechen, das leuchtet uns ein. Aber wie ist das mit der Idee überhaupt? Formt sie sich unabhängig von der konkreten Geschichte? Wäre es egal ob ich heute in Passau lebe oder ob ich im letzten Jahrhundert irgendwo gelebt hätte, wäre wenn es dieselbe Idee gewesen wäre, am Ende auch derselbe herausgekommen, unabhängig von den Umständen?

Der christliche Glaube lehrt uns eher, dass es nicht so ist. Er lehrt uns, dass Gott sich so tief in die Welt hinein eingelassen hat, dass er gerade die Geschichte liebt, Fleisch und Blut liebt, die je konkreten Verhältnisse. Wir werden wer und was wir sind, hier und jetzt, ganz konkret mitverbunden durch diese Geschichte, durch die Menschen, denen wir begegnen, durch die Ereignisse, die uns auch formen. Gott begegnet uns mitten in und durch die Geschichte und ihre Ereignisse und die Menschen. Und im Maß, in dem wir uns in der rechten Weise darauf einlassen, in dem Maß werden wir mit Gottes Gnade, wer und was wir sein können.

Aber Sie spüren schon, liebe Schwestern und Brüder, der Haken an so einem Satz ist der Begriff von der „rechten Weise“. Wir lassen wir uns in der rechten Weise auf diese Welt ein, sodass sie uns Wachstums- und Lernort unseres Berufungsweges werden kann?

Sie, verehrter Herr Regens Dr. Haringer, haben sich intensiv und über lange Jahre mit dieser Frage beschäftigt, zusammen mit den Schülern des Seminars in Waldram und seit sieben Jahren mit den Propädeutikern hier in Passau. Sie haben mit ihnen die Frage gestellt, wie das geht, das rechte Verhältnis zur Welt zu finden und zu sich selbst und damit zugleich auch zu Gott. Alle drei Dimensionen sind tief ineinander verwoben. Gott kommt uns nur durch die Welt entgegen, also nur vermittelt. Aber Ort der Vermittlung sind wir selbst, mit unserer leibseelischen Verfassung, sind die Mitmenschen und eben die konkreten Orte, Ereignisse und Aufgaben unseres Lebens. Sie alle vermögen uns zu prägen, sofern wir uns in der rechten Weise auch prägen lassen.

Ich danke Ihnen von Herzen, Lieber Herr Regens, dass Sie nach der Schließung des regulären Studienbetriebs an unserer theologischen Fakultät diese Aufgabe übernommen haben, hier ein Propädeutikum aufzubauen. Im ersten Kurs war aus Passau übrigens Christoph Leuchtner dabei, der in diesen Tagen zum Priester geweiht wurde, sodass sich für Sie nun auch sozusagen ein ganzer Zyklus abrundet: Vom Anfang der Ausbildung bis zu deren vorläufigen Ende in der Priesterweihe haben Sie die Kandidaten begleitet. Auch die, die andernorts studiert haben. Und freilich ist das Seminar natürlich darüber hinaus auch Heimat und Ausbildungsort für den nächsten Abschnitt der jungen Priester in den ersten Kaplansjahren. Und es bleibt auch Heimat all derer, die im regelmäßigen Abstand während ihrer Studienjahre immer wieder nach Passau zurückkehren.

Und in all diesen Jahren des ersten Ausbildungsabschnitts bis zur Weihe steht die Frage nach Gott im Mittelpunkt und die Frage, ob sich die Berufung zum Priestertum für die Kirche, für die Menschen klärt. Ob ein Kandidat geeignet ist, ob er geistlich, theologisch, menschlich, pastoral heranreift zu einer Persönlichkeit, der man das Priestertum anvertrauen kann, der man es aber – man muss es sagen – zugleich auch aufbürden kann. Natürlich glauben wir, dass der Herr es ist, der das eigentlich tut, er ruft, er sendet und er weiht zum Priester. Aber die Kirche, zumal in der Person des Regens und seiner Mitarbeiter hilft bei der Klärung und der Bestätigung des Rufes. Ich danke Ihnen sehr für das hohe Verantwortungsbewusstsein, das ich bei Ihnen spüren durfte in der Begleitung der Menschen. Als Theologe, als Leiter des Hauses, als Mensch haben Sie die jungen Männer in ein Leben eingeführt, das heute immer noch mehr der Herausforderung einer säkularisierten Gesellschaft ausgesetzt ist. Der Priester von heute ist auch herausgefordert, Antworten auf eine sich wandelnde Gestalt von Kirche zu finden und zu geben. In unseren Breiten haben wir immer noch eine starke volkskirchliche Basis. Die jungen Priester werden nicht einfach ins Niemandsland geschickt. Draußen im Bistum wissen die Menschen noch, was ein Priester ist und sind in der Regel tief dankbar, wenn sie einen in der Nähe wissen, der mit ihnen Glauben teilt und lebt und feiert.

Aber zugleich spüren wir, dass sich Kirche verändert, wir wissen nicht genau, wohin, wir wissen auch noch keine systematischen Antworten auf die Krise. Aber vielleicht spüren wir, dass wir in jedem Fall werden Vertiefung brauchen, geistliche Vertiefung und Erneuerung, wir werden sicher auch ein neues Zeugnis der Armut brauchen, der Einfachheit, der Offenheit für jede Notlage. Wir werden neu antwortfähig sein müssen für die wirklichen Fragen, die existenziellen Nöte und Zweifel der Menschen. Wir werden Begleiter sein müssen an ihrer Seite. Wenn wir uns fragen, wie der Priester der Zukunft aussieht, dann werden wir es ablesen können, an jemandem, der sich wirklich in der Liebe immer neu dem Herrn zuwendet, aus einem intensiven persönlichen Beziehungsleben mit ihm lebt. Und der sich dann aus dieser Liebe den Menschen zuwendet, die er sich wirklich angelegen sein lässt. Sie werden ihn verwunden, sie werden ihn treffen, sie werden ihn auch gern haben und er sie. Aber sie werden ihn verändern: Liebe verändert immer. Sie lässt reifen und sie bringt die Gestalt in uns hervor, die Gott gemeint und in uns immer schon gesehen hat.

Ich danke noch einmal, Herr Regens, dass Sie so intensiv und qualitätsvoll mitgeholfen haben bei der Aufgabe Priesteramtskandidaten reifen zu lassen. Nun bitte ich den Herrn, dass er auch Ihnen hilft, in Ihrer neuen Aufgabe als Seelsorger in einer Pfarrei ein Hirte nach dem Herzen des Herrn zu werden, einer, der weil er ganz beim Herrn lebt, sehr nahe bei und mit denen sein kann, zu denen er gesandt ist. Der Herr segne Sie dazu. Amen.

 

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