Wer bin ich? Und für was bin ich da? Die Predigt von Bischof Stefan Oster zur Firmung in Sammarei.
In der Wallfahrtskirche Sammarei hat Bischof Stefan Oster am 2. Mai 2026 15 Jugendlichen aus dem Pfarrverband Haarbach das Sakrament der Firmung gespendet. Im Mittelpunkt seiner Predigt stellte der Passauer Bischof zwei Fragen, die viele junge Menschen in der Phase des Erwachsenwerdens bewegen: Wer bin ich? und Wofür bin ich da? Gerade in einem Lebensalter, in dem sich der Radius über Familie, Schule und vertraute Umgebung hinaus immer weiter öffne, würden diese Fragen drängender, so Oster. Wenn vertraute Rollen wegfielen und junge Menschen ihren Platz neu finden müssten, beginne die Suche nach Identität und Sinn.
Wer bin ich? Wofür bin ich da?
Oster betonte, dass die tiefste Antwort auf diese Fragen nicht zuerst in Leistung, Anerkennung oder Erfolg liege, sondern in der Erfahrung, geliebt zu sein. Jeder Mensch sehne sich danach, von jemandem gesehen, angenommen und geliebt zu werden – und selbst ein Mensch zu werden, der liebt. Beziehungen seien deshalb entscheidend für die Qualität des Lebens. Zugleich seien menschliche Beziehungen verletzlich und nicht immer tragfähig. Freundschaften könnten zerbrechen, Familien belastet sein, Menschen einander verlieren.
An dieser Stelle führte Oster zum Kern des christlichen Glaubens: Christen glaubten, dass der Mensch nicht nur Teil einer irdischen Familie sei, sondern von Gott selbst getragen werde. Wer im „Vaterunser“ bete, spreche nicht nur ein vertrautes Gebet, sondern wage den Glauben, dass es einen Vater im Himmel gebe, der jeden Menschen kenne und liebe. Jesus selbst habe diesen Gott nicht distanziert als Herrscher, sondern innig als „Abba“ angesprochen – als Vater, ja als liebenden „Papa“. Darin liege die Mitte der christlichen Botschaft: Gott sei nicht fern, sondern persönlich zugewandt.
„Abba – liebender Vater“
Der Bischof erklärte den Jugendlichen, dass der Heilige Geist genau diese Beziehung im Innersten des Menschen stärken wolle. Der Geist Gottes helfe, Vertrauen zu lernen: dass Gott da sei, dass er trage, dass er auch in schweren Zeiten nicht verlasse. Wer glaube, von Gott geliebt zu sein, könne anders durchs Leben gehen – dankbar in den guten Momenten und getragen in den schweren. Gottes Zusage nehme nicht jedes Leid, sagte Oster, aber sie gebe Halt inmitten aller Unsicherheit.
Besonders eindringlich sprach Oster über die Frage, wie diese Beziehung zu Gott wachsen könne. Er nannte drei konkrete Wege: das tägliche Gebet, das bewusste Tun des Guten und Zeiten ohne digitale Ablenkung. Die Jugendlichen ermutigte er, jeden Tag wenigstens ein Vaterunser bewusst zu beten – nicht nur aus Gewohnheit, sondern als echte Hinwendung zu Gott. Ebenso lade der Heilige Geist dazu ein, das Gute um seiner selbst willen zu tun: helfen, Verantwortung übernehmen, Rücksicht zeigen – nicht für Applaus, sondern weil es gut ist.
Auch vor der Gefahr dauernder digitaler Zerstreuung warnte Oster. Wer ständig online sei, verliere leicht den Zugang zur eigenen Tiefe und zur echten Begegnung mit anderen. Darum brauche es bewusst „handyfreie Zeiten“, Zeiten der Stille, des Gebets und der wirklichen Gemeinschaft. Gerade dort könne der Mensch lernen, auf Gott und aufeinander zu hören.
So zeichnete Oster in Sammarei das Bild eines Glaubens, der nicht abstrakt bleibt, sondern im Alltag trägt: in Beziehung, im Gebet, in Verantwortung und in der Gewissheit, nicht allein zu sein. Der Heilige Geist, so seine Botschaft an die Firmlinge, wolle genau das schenken: Vertrauen, Orientierung und die innere Gewissheit, als geliebtes Kind Gottes durch das Leben zu gehen.
Am Ende dankte der Bischof allen Beteiligten: „Allen, die die Firmlinge auf den Tag vorbereitet haben, von Herzen Dank. Gottes Segen für die Jugendlichen“
Musikalisch wurde die Liturgie vom Kirchenchor gestaltet, Konzelebrant war Pater Lukas von den Salettinern. Bischof Oster dankte allen, die die Jugendlichen auf den Tag vorbereitet hatten, und sprach den Firmlingen Gottes Segen für ihren weiteren Lebensweg zu.
Das Bild zeigt die Firmlinge mit den Ministranten, mit Mesnerin Anita Schneider und Konzelebrant, Pater Lukas.
Die Predigt hier zum Nachhören und Downloaden:
Hören Sie auch den Vortrag über die Firmung von Bischof Stefan Oster in der Reihe über die Sakramente.
