25 Jahre Don Bosco Passau

In Predigten von Pressestellekommentieren

Lieber Harald Böhm, liebe Freunde und Förderer von Don Bosco Passau, Schwestern und Brüder im Glauben,

wir alle dürfen in einem unglaublich privilegierten Land leben. Wir haben seit 70 Jahren Frieden. Die Generation, die nach dem letzten Weltkrieg dieses Land wieder aufgebaut hat, mit der großen Hilfe auch von außen, diese Generation hat Unglaubliches geleistet. Frieden und Wohlstand sind einigermaßen gesichert. Wir haben im internationalen Vergleich ein sehr gesundes politisches System. Wir leben in einem demokratischen Rechtsstaat, unsere Wirtschaft ist eine so genannte soziale Marktwirtschaft. Für die allermeisten Menschen ist das Überleben und Auskommen auf einem guten Niveau einigermaßen gesichert. Vermutlich wird die Geschichtsschreibung einmal feststellen: Noch nie ist es den Deutschen über einen längeren Zeitraum so gut gegangen, wie in diesen Jahrzehnten nach dem II. Weltkrieg. Und wenn ich mich in den letzten Monaten kundig machen durfte über das, was unsere Kirche von Passau alles für die Menschen tut, dann zeigt sich da noch einmal ein wunderbares Plus für diese Gesellschaft. Wir bieten Hilfen, Dienste, Einrichtungen für Menschen in Notlagen aller Art: Für Kranke, für Menschen mit Behinderungen, für Alte, für Paare, für Schwangere, für Familien in Not, für Kinder und Jugendliche mit Schwierigkeiten und vieles mehr. Für alle ist institutionell scheinbar einigermaßen gesorgt. Nicht zuletzt an dieser guten breiten Versorgung für so viele Menschen liegt es, dass auch so viele Menschen aus dem Ausland, die auf der Flucht oder in Not sind, Deutschland als das Land ihrer Wünsche ansehen.

Alles wunderbar also? Weit gefehlt, Schwestern und Brüder. Trotz dieser so positiven äußeren Bedingungen leben wir in einer Zeit, in der die Zahl der Menschen mit psychischen Krankheiten beständig steigt. Allein das Medikament Ritalin, das man Kindern und Jugendlichen gibt mit einem Aufmerksamkeitsdefizit gibt, hat sich in der Verschreibungsmenge in den letzten 20 Jahren mehr als verfünfigfacht. Es gab nie so viele Scheidungen, nie so wenig kirchliche Trauungen. Wir haben in Deutschland mehr als 10 000 Selbsttötungen im Jahr, bei unerkannter Dunkelziffer. Jährlich werden in Deutschland rund 15 000 Kinder sexuell missbraucht, und das ist nur die gemeldete Zahl. Die Dunkelziffer ist vermutlich um ein mehrfaches höher. Die neuen Kinder- und Jugendkrankheiten sind längst nicht mehr Masern oder Windpocken. Es sind psychische Erkrankungen wie Ängste und Depressionen, es ist Fettleibigkeit und es sind allergisch-asthmatische Erkrankungen, die oftmals auch eine psychische Komponente haben. Die Zahl allein erziehender Mütter oder Väter steigt beständig und betrifft inzwischen rund 20 Prozent aller Familien mit minderjährigen Kindern. Der psychische Druck und der Organisationsdruck auf Menschen, familiäres Leben und Einkommenssicherung unter einen Hut zu bringen, steigt beständig. In den Schulen nimmt der Bedarf an Schulsozialarbeit beständig zu; ebenso die Phänomene von Gewalt, Mobbing, Internetsucht und anderem unter Kindern und Jugendlichen. Die junge Generation wird öffentlich längst als Generation Porno bezeichnet, weil es für die Mehrheit unserer Kinder und Jugendlichen heute völlig selbstverständlich ist, regelmäßig harte Pornographie zu konsumieren, von der übrigen Mediensucht einmal völlig abgesehen.

Schwestern und Brüder, unsere äußeren Rahmenbedingungen könnten uns eine Art paradiesisches Leben suggerieren. Im Seelenleben der Deutschen, besonders auch der Kinder und Jugendlichen schaut es aber leider vielfach völlig anders aus. Was brauchen Menschen von heute, besonders die Kinder und die jungen Menschen? Sie brauchen aus meiner Sicht mehr als alles andere stabile Beziehungen, zuallererst familiär, sie brauchen Vertrauen, Liebe und Freundschaft. Sie brauchen Anerkennung auch und besonders dann, wenn sie aus einem Rahmen gesellschaftlicher Normalität herausfallen. Sie brauchen die Möglichkeit zu Bildung und Ausbildung. Sie brauchen die Möglichkeit, sich auszuprobieren und auch die Möglichkeit, sich immer mal wieder auszutoben. Ich bin schließlich überzeugt, dass sie alles das schließlich in der Weise brauchen, dass es den jungen Menschen gleichzeitig den Blick öffnet für die Beziehung zum Allerhöchsten. Sei brauchen Gott.

Wir alle brauchen Gott für unser Seelenleben, und zwar im Grunde mehr als alles andere. Die Tragödie in unserer Gesellschaft ist aber, dass wir im Grunde gar nicht mehr wissen, dass wir ihn brauchen. Wir wissen vielfach nicht mehr, wie sehr der Glaube in der Lage ist, unsere Beziehungen zu stabilisieren. Wie sehr er uns hilft, unsere Fähigkeit zu lieben zu befördern, wie sehr er uns hilft, uns als angenommen und geliebt zu erleben.

Und wenn ich mir nun ein Werk, wie das von Harald Böhm und seiner Mitstreiter anschaue, dann muss ich sagen: Ja, junge Menschen brauchen Don Bosco und sie brauchen Menschen, die aus dem Geist Don Boscos leben und arbeiten. Als Menschen finden wir den Weg zu Gott nur über andere Menschen. Und zwar über solche, die wirklich aus Gott leben, über Menschen wie Don Bosco. Junge Menschen konnten bei ihm alles das erleben, was ich aufgezählt habe: Anerkennung, Liebe, Vertrauen. Er hat ihnen die Möglichkeit eröffnet Bildung und Ausbildung zu bekommen und er hat sie schließlich direkt oder indirekt immer mit Jesus bekannt gemacht.

Im Evangelium, das wir gehört haben, kommen Menschen zu den Jüngern, die sagen: Wir wollen Jesus sehen. Aber Jesus ist gewissermaßen schon auf dem Weg ans Kreuz. Er ist schon auf dem Weg zum Vater, aber er hinterlässt den Jüngern seinen Geist. Denselben Geist, der den Jüngern selbst hilft, Jesus immer neu zu sehen, ihn mit dem Herzen zu sehen. Im Gebet, in der Schöpfung, in den Menschen. Und viele Menschen, die Don Bosco begegnet sind, haben so eine ähnliche Erfahrung gemacht. Sie haben nun besser verstanden, wer Jesus ist, wie er ist und warum Menschen wie Don Bosco durchsichtig werden auf Jesus hin. Ein sehr wichtiger Aspekt dieser Erkenntnis ist der, dass Menschen, die Jesus kennen, immer besser darin werden, den anderen Menschen ohne Bedingung zu akzeptieren und ja zu ihm zu sagen.

Lieber Harald Böhm, ich danke Dir und all Deinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, dass Ihr nun schon 25 Jahre ein Zeugnis davon gebt, dass ihr vom Geist Don Boscos geprägt seid. Ihr arbeitet immer schon ehrenamtlich. Ihr ermöglicht jungen Menschen, oftmals auch benachteiligten jungen Menschen, dass sie mit Euch und bei Euch sinnvolle Freizeitgestaltung finden. Ich helft den jungen Menschen, einen Weg in den Beruf zu finden und Ihr geht immer wieder auch mit ihnen auf Fahrten zu lohnenswerten Zielen. Ich freue mich sehr, dass durch Euch Don Bosco in unserem Bistum präsent gehalten wird. Und ich hoffe, dass es auch immer wieder junge Menschen bei Euch gibt, die durch Eure Arbeit und Euren Dienst lernen, Jesus zu sehen. Dazu erbitte ich für Euch von Herzen gerne den Segen des Allerhöchsten.

Bild: Pressestelle Bistum Passau

 

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